Porträtbild einer jungen Frau mit schulterlangen braunen Haaren und einem Lächeln im Gesicht - umgeben von einem lila Kreis.

Psyche stärken: 10 Tipps, die helfen

Die Psychologin Denise Rama zeigt im losleben.stories-Podcast, wie man problematische Denk- und Verhaltens­muster erkennt – und Schritt für Schritt verändert.

Format:
Podcast
Autor:
Arndt Müller
zuletzt geändert:
13.05.2026
Lesezeit:
3 Minuten

IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, …

  • dass eine Panikattacke nicht gefährlich ist, sondern vorbeigeht.
  • warum es gut ist, unwichtige Entscheidungen schnell zu treffen und nicht mehr zu hinterfragen.
  • dass Rituale helfen können, nach der Arbeit abzuschalten.

Du liegst nachts wach und denkst dich in Probleme hinein, die am nächsten Tag plötzlich gar nicht mehr so groß wirken? Du sitzt im Meeting und zweifelst an dir, obwohl du eigentlich gut vorbereitet bist? Oder du nimmst dir fest vor, etwas zu erledigen – und schiebst es trotzdem auf? Solche Situationen haben viele gemeinsam.

Und genau dort setzt der losleben.stories-Podcast an. Gemeinsam mit der Wiener Psychologin Denise Rama geht es nicht um Theorie, sondern um konkrete Fragen aus dem Alltag – und darum, wie man sie besser bewältigt, um die eigene Psyche zu stärken. Die Antworten sind oft überraschend einfach. Und sie zeigen vor allem eines: Viele dieser Muster sind nicht festgeschrieben, sondern veränderbar.

Was passiert bei einer Panik­attacke – und was hilft wirklich?

Wenn plötzlich das Herz rast, einem schwinde­lig wird und sich alles bedroh­lich anfühlt, wirkt eine Panik­attacke wie ein medizi­nischer Notfall. Tat­sächlich handelt es sich aber um einen Fehl­alarm des Körpers. Das Gehirn meldet Gefahr, obwohl objektiv keine besteht – und setzt eine Stress­reaktion in Gang, die eigentlich für echte Bedroh­ungen gedacht ist.

Genau das macht die Situation so intensiv. Der Körper reagiert real, auch wenn der Aus­löser es nicht ist. Ent­scheidend ist deshalb die Erkenntnis: Eine Panik­attacke ist nicht gefährlich – und sie geht vorbei. Hilfreich ist alles, was wieder ins Hier und Jetzt bringt. Manche spüren bewusst den Boden unter den Füßen, andere kon­zentrieren sich auf ihre Umgebung oder nutzen Techniken wie die 5-4-3-2-1-Methode. Es geht weniger darum, die Angst „wegzu­machen“, sondern darum, den Kreislauf zu unterbrechen. Anzeichen und praktische Tipps, was du bei einer Panikattacke tun kannst, findest du auch in diesem Beitrag.
→ Mehr dazu in Folge 3.1 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Imposter-Syndrom: Warum zweifeln wir an uns selbst, obwohl wir kompetent sind?

Das sogenannte Imposter-Syndrom zeigt sich oft genau dort, wo Menschen eigentlich leistungs­fähig sind. Erfolge werden als Zufall erklärt, während Fehler als Beweis für eigenes Unver­mögen gelten. So entsteht eine dauer­hafte Diskre­panz zwischen Selbst­bild und Realität.

Im Alltag wird das besonders in Druck­situationen sichtbar – etwa in Meetings. Ein Black­out fühlt sich dann schnell wie ein Beweis an, „nicht gut genug“ zu sein. Dabei passiert genau das auch sehr erfahrenen Menschen. Was hilft, ist über­raschend unspektakulär: sich Zeit nehmen. Ein Satz wie „Das ist eine gute Frage, ich denke kurz nach“ kann den ent­scheidenden Moment überbrücken. Denn oft fehlt nicht das Wissen, sondern nur der Zugriff darauf unter Stress.
→ Mehr dazu in Folge 3.2 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Grübeln: Warum erscheinen Probleme nachts plötzlich so groß?

Viele kennen das: Tagsüber wirkt ein Thema lösbar, nachts um drei wird es zur Katastrophe. Der Grund liegt nicht im Problem selbst, sondern in der Art, wie das Gehirn nachts arbeitet. Der Bereich für rationales Denken ist weniger aktiv, während emotionale Reaktionen stärker in den Vorder­grund treten. Gedanken werden dadurch dramatischer bewertet, als sie eigentlich sind.

Anstatt gegen das Grübeln anzukämpfen, hilft es, den Körper zu beruhigen. Lang­same Atmung, gezielte Ent­spannung oder einfache mentale Techniken können das Nerven­system regulieren. Oft reicht schon das, um wieder Abstand zu gewinnen – oder überhaupt erst wieder ein­schlafen zu können.
→ Mehr dazu in Folge 3.3 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Warum eskalieren Konflikte so schnell?

Viele Konflikte beginnen harmlos – und kippen dann über­raschend schnell. Aus einem konkreten Anlass wird eine persön­liche Bewertung. Hinter einem Satz wie „Du hast den Müll nicht rausgebracht“ steckt plötzlich die Botschaft: „Du nimmst mich nicht ernst.“ Sobald das passiert, geht es nicht mehr um das ursprüng­liche Thema, sondern um die Beziehung. Und genau dort entsteht Eskalation.

Ein Ausweg liegt weniger in der perfekten Argu­mentation als in der Reihen­folge: Zuerst sich selbst beruhigen, dann die Emotion des Gegen­übers wahrnehmen – und erst danach wieder zur Sache zurück­kehren. Wenn das nicht gelingt, ist Abstand oft sinnvoller als ein weiterer Versuch, den Konflikt sofort zu lösen.
→ Mehr dazu in Folge 3.4 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Angst: Warum vermeiden wir Dinge, die uns eigentlich helfen würden?

Ob ungeöffnete Rechnungen oder ignorierte Konto-Apps: Gerade bei Geld zeigt sich ein typisches Muster. Was Angst macht, wird vermieden – und genau dadurch langfristig größer. Psycho­logisch ist das nachvoll­ziehbar. Geld steht für Sicher­heit und Kontrolle. Wenn dieses Gefühl ins Wanken gerät, entsteht Stress – und Ver­meidung wird zur kurzfristigen Ent­lastung. Der Weg hinaus beginnt selten mit großen Schritten. Oft reicht es, überhaupt wieder hinzusehen. Ein geöffneter Brief, ein kurzer Blick aufs Konto – kleine Hand­lungen, die das Gefühl von Kontrolle langsam zurückbringen.
→ Mehr dazu in Folge 3.5 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

In der linken Bildhälfte ist eine junge Frau mit schulterlangen, braunen Haaren und einem weißen Pullover zu sehen, hinter ihr eine weiße Wand mit hellbrauchen Dekoelementen. In der rechten Hälfte ist ein Mann mit Glatze zu sehen: Er trägt eine Brille und ein schwarzes langärmliges Oberteil.
Denise Rama und Arndt Müller bei der Podcast-Aufnahme
© Egger & Lerch

Du findest unseren losleben.stories-Podcast auf allen üblichen Podcast­plattformen – oder hörst direkt hier bei uns rein! Im Podcast bezieht ein:e Expert:in Stellung zu Alltagsfragen aus den Bereichen Körper, Psyche und (finanzielle) Zukunft.

Warum ist Neinsagen so schwierig?

Ein Nein fühlt sich selten neutral an. Es bedeutet, jemandem nicht zu ent­sprechen – und genau das kann Stress auslösen. Viele ent­scheiden sich deshalb für ein Ja, obwohl es eigentlich nicht passt. Lang­fristig führt das aller­dings dazu, die eigenen Grenzen zu über­schreiten. Klarer wird es, wenn man Neinsagen nicht als Charakter­frage sieht, sondern als Fähigkeit. Ent­scheidend ist dabei weniger die perfekte Formu­lierung als die Klar­heit. Wer sich nicht recht­fertigt, sondern ruhig und freund­lich bleibt, kann seine Psyche stärken und signalisiert eine Grenze, ohne den Konflikt unnötig zu verschärfen.
→ Mehr dazu in Folge 3.6 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Warum sind wir abends oft entscheidungsunfähig?

Im Laufe eines Tages treffen wir unzählige Ent­scheidungen – oft unbe­wusst. Jede einzelne kostet ein wenig Energie. Am Abend ist diese Ressource schlicht erschöpft. Das zeigt sich dann bei scheinbar banalen Fragen. Was esse ich? Was ziehe ich morgen an? Selbst einfache Ent­scheidungen können plötzlich anstrengend werden. Eine Möglich­keit, damit umzugehen, ist Verein­fachung. Unwichtige Ent­scheidungen bewusst schnell treffen – und dann nicht mehr hinter­fragen. So bleibt mehr mentale Energie für die Dinge, die wirklich relevant sind.
→ Mehr dazu in Folge 3.7 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Smartphone-Falle: Warum fällt es so schwer, das Handy wegzulegen?

Wer den ganzen Tag am Bild­schirm klebt, tut das kaum absichtlich: Social-Media-Platt­formen arbeiten mit Mecha­nismen, die abhängig machen. Vor allem die Mischung aus unvorher­sehbaren Inhalten und emotio­nalen Reizen sorgt dafür, dass wir länger dran­bleiben, als wir eigentlich wollen. Hinzu kommt, dass viele nicht aus Interesse scrollen, sondern aus einem Gefühl heraus – Langeweile, Unsicher­heit oder Stress. Das macht es schwer, einfach aufzuhören.

Veränderung beginnt hier nicht mit Verzicht, sondern mit Bewusst­sein. Wer versteht, warum er zum Handy greift, kann gezielt gegen­steuern – etwa durch kleine Hürden oder klare Zeit­grenzen. Ent­scheidend ist, wieder selbst zu bestimmen, statt auto­matisch zu reagieren. Praktische Tipps dazu, wie Digital Detox gelingt, findest du auch in diesem Beitrag.
→ Mehr dazu in Folge 3.8 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Prokrastination: Warum hilft es, einfach anzufangen?

Prokrastination hat weniger mit Faulheit zu tun als mit dem Versuch, unange­nehme Gefühle zu vermeiden. Aufgaben wirken groß, unüber­sichtlich oder anstrengend – also werden sie verschoben. Das Paradoxe: Der Druck steigt dadurch. Ein ein­facher Einstieg kann sein, sich nur fünf Minuten vorzu­nehmen. Das senkt die Hürde so weit, dass ein Anfang möglich wird. Und genau dieser Anfang verändert oft schon alles. Denn Motiva­tion entsteht nicht davor, sondern währenddessen.
→ Mehr dazu in Folge 3.9 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Warum fällt Abschalten nach der Arbeit so schwer?

Vor allem im Homeoffice fehlen klare Über­gänge. Arbeit und Freizeit finden am selben Ort statt, oft sogar am selben Tisch. Das Gehirn bekommt kein ein­deutiges Signal mehr, wann Schluss ist. Die Folge ist ein dauer­hafter „On-Modus“. Rituale können hier helfen, diese Grenze wieder herzu­stellen. Ein bewusstes Ende des Arbeits­tags, ein kurzer Spazier­gang oder das Aufs­chreiben offener Aufgaben schaffen Abstand. Ebenso wichtig sind Pausen – nicht als Luxus, sondern als Voraus­setzung dafür, lang­fristig leistungs­fähig zu bleiben.
→ Mehr dazu in Folge 3.10 unserer Psychologie-Podcast-Reihe

Eine junge Frau sitzt auf einer weißen Couch und lacht. Sie trägt eine blaue Jeans und ein schwarzes Oberteil mit Dreiviertelärmeln.
© Elisa Mösslang

Denise Rama ist klinische Psycho­login in Wien und glaubt daran, dass mentale Gesund­heit keine Frage des Glücks ist – sondern etwas, woran man arbeiten kann. In ihrer Praxis im 1. Bezirk schafft sie einen Raum, in dem man offen reden kann: über Stress, Ängste, Beziehungen oder einfach das Gefühl, gerade nicht ganz man selbst zu sein. psychologin-rama.at

Kleine Veränderungen, große Wirkung


Viele der beschriebenen Heraus­forder­ungen wirken sehr unter­schiedlich – haben aber einen gemein­samen Kern. Es geht oft um auto­matisierte Reaktionen, die kurz­fristig ent­lasten, lang­fristig aber belasten. Die gute Nach­richt ist: Genau diese Muster lassen sich verändern. Nicht durch radikale Um­brüche, sondern durch kleine, bewusste Schritte.

Und oft beginnt alles mit einem einzigen Moment – in dem man nicht auto­matisch reagiert, sondern sich anders entscheidet.

Foto Denise Rama: © Elisa Mösslang