Digital Detox: Bildschirmzeit reduzieren
Weniger Doomscrolling, mehr Freude! Fünf praktische Tipps, wie du es schaffst, das Handy aus der Hand zu legen.
IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...
- dass sich deine psychische Gesundheit merklich verbessert, wenn du die Bildschirmzeit verringerst.
- dass das Smartphone deine Aufmerksamkeit weckt, wenn es nur in der Nähe ist.
- dass Screentime-Apps hilfreich sein können und es da unterschiedliche Ansätze gibt.
Weniger Zeit am Smartphone scrollen – das senkt dein Stresslevel und verbessert auch insgesamt deine psychische Gesundheit. So lassen sich die Ergebnisse einer Studie der Donau Uni Krems mit rund 250 Teilnehmer:innen zusammenfassen, die im Rahmen der FM4 Screentime Challenge durchgeführt wurde. Die Bildschirmzeit zu verringern, senkt Stress, depressive Symptome, Schlafprobleme und Einsamkeit jeweils um rund 30 Prozent. Das Wohlbefinden stieg hingegen im Schnitt um etwa 17 Prozent.
Spannend ist dabei, dass laut dieser Studie nicht jede Handynutzung gleich schlecht zu bewerten ist: Nachrichten am Smartphone zu lesen und Musik oder Podcasts anzuhören, ist in Maßen eher unproblematisch, belastend ist es hingegen auf Dauer, in sozialen Medien zu scrollen. Kein Wunder! Die Feeds sind schließlich darauf ausgelegt, dass wir davon nicht loskommen – und das macht es auch so schwierig, das Handy wieder wegzulegen.
Die gute Nachricht ist: Wenn du deine Screentime verringerst, verbessern sich schon nach kurzer Zeit deine psychischen Werte wieder, etwa was Schlaf, Stress, depressive Symptome oder das Gefühl der Einsamkeit angeht.
Was ist Doomscrolling eigentlich?
„Doom“ kann man mit „Verderben“ oder „Untergang“ übersetzen – und auch eine bekannte Egoshooter-Game-Serie heißt so. Der Begriff „Doomscrolling“ dürfte 2018 auf Twitter zum ersten Mal aufgekommen sein, eventuell passierte das aber schon früher. Jedenfalls ist damit gemeint, dass wir durch unseren Feed scrollen und dabei sehr stark negativen Informationen ausgesetzt sind. Das macht etwas mit deiner Stimmung – und es kann dazu führen, dass du Stress empfindest oder sogar ein Gefühl von Angst und Bedrohung. Unweigerlich entsteht der Eindruck, die Welt bestehe nur aus furchtbaren Dingen – überall gibt es lauter Katastrophen und Ungerechtigkeiten. Dazu kommt, dass der Algorithmus in Social Media erkennt, was du dir angeschaut hast, und dir noch mehr dazu passende Inhalte anzeigt – und so dreht sich die Doomscrolling-Negativspirale immer weiter nach unten.
Die Lösung liegt darin, das Smartphone aus der Hand zu legen und in der gewonnenen Zeit Freundschaften zu pflegen, einem schönen Hobby nachzugehen oder einfach einen Spaziergang zu machen. Denn soziale Kontakte und körperliche Aktivität tun unserer Psyche gut. Aber wie klappt das, wo es doch so schwierig ist, Gewohnheiten zu ändern und gegen die Trigger der digitalen Welt standzuhalten? Indem du dir dein Verhalten bewusst machst, aktiv gegensteuerst und ansprechende alternative Tätigkeiten findest.
Die FM4 Screentime Challenge
Gemeinsam mit der Donau Universität Krems hat der Radiosender FM4 die Screentime Challenge gestartet. Wer daran teilnehmen wollte, musste sich der Herausforderung stellen, seine Bildschirmzeit für drei Wochen auf unter zwei Stunden pro Tag zu bringen. Die Auswirkungen sind in der Digital Detox Studie nachzulesen.
5 Tipps, wie du deine Handyzeit verringerst:
Eine Screentime-App installieren
Der Griff zum Handy passiert oft schon automatisch – quasi aus dem Muskelgedächtnis. Und wie lange wir darauf herumscrollen, ist uns meist nicht sonderlich bewusst. Apps, die deine Nutzung tracken und dir das bewusst machen, können da einen echten Mehrwert bieten. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Ansätzen:
- OffScreen visualisiert deine Nutzungsdaten in gut aufgemachten Grafiken (im App Store und für Android verfügbar) – und Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.
- Manche Apps verwenden wiederum den Gamification-Ansatz und belohnen dich, wenn du das Handy aus der Hand legst. Bei Forest (im App Store hier verfügbar, für Android-Phones hier) wachsen Bäume in deiner handyfreien Zeit heran und motivieren dich so, deine Ziele zu erreichen.
- Andere sogenannte Blocker-Anwendungen machen es auf die harte Tour und sperren bestimmte Apps auf Zeit, damit du die Finger davon lässt. Ein Beispiel ist Freedom (Download für iOS, Download im PlayStore).
Am besten probierst du einfach aus, was für dich am besten funktioniert. Aber auch ohne Extra-Software kannst du dir Limits für bestimmte Programme setzen. Such unter „Einstellungen“ bei Android einfach nach „Digital Wellbeing“ bzw. bei Apple nach „Bildschirmzeit“.
Den Schwarz-Weiß-Modus aktivieren
Klingt einfach, anfangs vielleicht auch etwas verwunderlich, ist aber laut Studien effektiv: Das Handy einfach in den Schwarz-Weiß-Modus stellen. Denn das bedeutet Reizreduzierung – und deshalb greift man weniger oft hin. Das ist auch irgendwo nachvollziehbar, denn Content macht ohne die bunten Farben einfach weniger Spaß. Und ein graues Konfetti-Emoji auch.
Schaffe handyfreie Zonen
Zu Hause auf der Couch, in der Leseecke oder im Schlafzimmer hat das Handy nichts verloren! Das sind Regeln, die du selbst für dich definieren kannst und die dir dabei helfen, gute Routinen zu entwickeln. Zwei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen aufs Handy zu verzichten, hilft auch deinem Schlaf. Denn das blaue Licht vom Display blockt die Melatonin-Produktion, die dich müde macht. Nach demselben Prinzip kannst du auch handyfreie Zeiten festlegen.
Plane Ersatzhandlungen, die dir Spaß machen
Am besten ist natürlich, wenn du dir bewusst etwas vornimmst, das deine handyfreie Zeit verlängert. Mit Freund:innen in einen Escape-Room gehen, eine Wanderung machen, Stricken oder einen spannenden Krimi lesen – egal ob mit anderen oder allein, jede Aktivität kann hilfreich sein, wenn du dich darin vertiefen kannst und sie deine volle Aufmerksamkeit bekommt. Auch der Urlaub kann ideal für eine Digital-Detox-Phase sein, weil es da viel zu entdecken gibt – und du außerhalb der EU kein Roam-like-at-home hast.
Alles eine Frage der Einstellungen!
Du willst dich konzentrieren, aber die Chat-Gruppe dreht gerade völlig durch und ständig kommen irgendwelche Push-Nachrichten. Da greift man zum Smartphone, es könnte ja etwas Wichtiges sein – und starrt dann doch nur auf ein Katzen-Gif oder ein Angebot einer Shopping-App. Das muss nicht sein, denn vieles ist über die Einstellungen steuerbar. Welche App dir Push-Nachrichten schicken darf, bestimmst nur du. Deaktiviere diese Funktion am besten überall dort, wo du sie nicht brauchst, und lösche auch Apps, die du lange nicht verwendet hast. Das Handy lautlos zu stellen – oder auch mal einzelne Chat-Gruppen –, kann Gold wert sein.
Übrigens belegt eine Meta-Analyse der Universität Augsburg, dass das Smartphone unsere Konzentrationsfähigkeit schon negativ beeinflusst, wenn es in der Nähe ist. Wenn du die Ablenkung wirklich nicht brauchen kannst, legst du es am besten woanders hin: Aus den Augen, aus dem Sinn!
Weiterführende Studien zur Handynutzung:
- Weniger Bildschirmzeit am Handy sorgt für bessere Stimmung, Studie der Universität für Weiterbildung Krems, Donau Uni Krems
- Wie der Schwarz-Weiß-Modus die Handynutzung beeinflusst, Studie der Universität Koblenz