Mann im Karohemd hält ein Smartphone in der Hand und sein Kopf wird davon eingesaugt.

Digital Detox: Bildschirmzeit reduzieren

Weniger Doom­scrolling, mehr Freude! Fünf praktische Tipps, wie du es schaffst, das Handy aus der Hand zu legen.

Format:
So geht's
Autor:
Greta Lun
zuletzt geändert:
02.01.2026
Lesezeit:
4 Minuten

IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...

  • dass sich deine psychische Gesund­heit merklich verbessert, wenn du die Bildschirm­zeit verringerst.
  • dass das Smartphone deine Aufmerksamkeit weckt, wenn es nur in der Nähe ist.
  • dass Screen­time-Apps hilfreich sein können und es da unter­schiedliche Ansätze gibt.

Weniger Zeit am Smart­phone scrollen – das senkt dein Stress­level und verbessert auch insgesamt deine psychische Gesund­heit. So lassen sich die Ergebnisse einer Studie der Donau Uni Krems mit rund 250 Teil­nehmer:innen zusammen­fassen, die im Rahmen der FM4 Screen­time Challenge durchgeführt wurde. Die Bild­schirm­zeit zu verringern, senkt Stress, depressive Symptome, Schlaf­probleme und Einsam­keit jeweils um rund 30 Prozent. Das Wohlbefinden stieg hingegen im Schnitt um etwa 17 Prozent.

Spannend ist dabei, dass laut dieser Studie nicht jede Handy­nutzung gleich schlecht zu bewerten ist: Nachrichten am Smart­phone zu lesen und Musik oder Pod­casts anzuhören, ist in Maßen eher un­problematisch, belastend ist es hin­gegen auf Dauer, in sozialen Medien zu scrollen. Kein Wunder! Die Feeds sind schließ­lich darauf ausgelegt, dass wir davon nicht loskommen – und das macht es auch so schwierig, das Handy wieder weg­zu­legen.

Die gute Nachricht ist: Wenn du deine Screen­time verringerst, verbessern sich schon nach kurzer Zeit deine psychischen Werte wieder, etwa was Schlaf, Stress, depressive Symptome oder das Gefühl der Einsam­keit angeht.

Was ist Doomscrolling eigentlich?

„Doom“ kann man mit „Verderben“ oder „Untergang“ übersetzen – und auch eine bekannte Ego­shooter-Game-Serie heißt so. Der Begriff „Doom­scrolling“ dürfte 2018 auf Twitter zum ersten Mal aufgekommen sein, eventuell passierte das aber schon früher. Jeden­falls ist damit gemeint, dass wir durch unseren Feed scrollen und dabei sehr stark negativen Informationen aus­gesetzt sind. Das macht etwas mit deiner Stimmung – und es kann dazu führen, dass du Stress empfindest oder sogar ein Gefühl von Angst und Bedrohung. Un­weiger­lich entsteht der Ein­druck, die Welt bestehe nur aus furchtbaren Dingen – überall gibt es lauter Katastrophen und Ungerechtig­keiten. Dazu kommt, dass der Algorithmus in Social Media erkennt, was du dir angeschaut hast, und dir noch mehr dazu passende Inhalte anzeigt – und so dreht sich die Doom­scrolling-Negativspirale immer weiter nach unten.

Die Lösung liegt darin, das Smart­phone aus der Hand zu legen und in der gewonnenen Zeit Freund­schaften zu pflegen, einem schönen Hobby nach­zu­gehen oder einfach einen Spazier­gang zu machen. Denn soziale Kontakte und körper­liche Aktivität tun unserer Psyche gut. Aber wie klappt das, wo es doch so schwierig ist, Gewohn­heiten zu ändern und gegen die Trigger der digitalen Welt stand­zu­halten? Indem du dir dein Verhalten bewusst machst, aktiv gegen­steuerst und ansprechende alternative Tätig­keiten findest.

Junge Frau hält im Liegen ein Smartphone in der Hand und schaut bekümmert drein.
Noch schnell was nachschauen und dann hängenbleiben: Das Smartphone hat eine anziehende Wirkung und kann auch den Schlaf negativ beeinflussen.
© Shutterstock/daniiD
Wissen

Die FM4 Screentime Challenge

Gemeinsam mit der Donau Universität Krems hat der Radio­sender FM4 die Screen­time Challenge gestartet. Wer daran teil­nehmen wollte, musste sich der Heraus­forderung stellen, seine Bildschirm­zeit für drei Wochen auf unter zwei Stunden pro Tag zu bringen. Die Aus­wirkungen sind in der Digital Detox Studie nachzulesen.

5 Tipps, wie du deine Handyzeit verringerst:

Eine Screentime-App installieren

Der Griff zum Handy passiert oft schon automatisch – quasi aus dem Muskel­gedächtnis. Und wie lange wir darauf herum­scrollen, ist uns meist nicht sonderlich bewusst. Apps, die deine Nutzung tracken und dir das bewusst machen, können da einen echten Mehr­wert bieten. Sie arbeiten mit unter­schied­lichen Ansätzen: 

  • OffScreen visualisiert deine Nutzungsdaten in gut aufgemachten Grafiken (im App Store und für Android verfügbar) – und Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. 
  • Manche Apps verwenden wiederum den Gamification-Ansatz und belohnen dich, wenn du das Handy aus der Hand legst. Bei Forest (im App Store hier verfügbar, für Android-Phones hier) wachsen Bäume in deiner handy­freien Zeit heran und motivieren dich so, deine Ziele zu erreichen. 
  • Andere sogenannte Blocker-Anwendungen machen es auf die harte Tour und sperren bestimmte Apps auf Zeit, damit du die Finger davon lässt. Ein Beispiel ist Freedom (Download für iOS, Download im PlayStore).

Am besten probierst du einfach aus, was für dich am besten funktioniert. Aber auch ohne Extra-Software kannst du dir Limits für bestimmte Programme setzen. Such unter „Einstellungen“ bei Android einfach nach „Digital Wellbeing“ bzw. bei Apple nach „Bildschirmzeit“.

Den Schwarz-Weiß-Modus aktivieren

Klingt einfach, anfangs vielleicht auch etwas verwunder­lich, ist aber laut Studien effektiv: Das Handy einfach in den Schwarz-Weiß-Modus stellen. Denn das bedeutet Reiz­reduzierung – und deshalb greift man weniger oft hin. Das ist auch irgendwo nach­voll­ziehbar, denn Content macht ohne die bunten Farben einfach weniger Spaß. Und ein graues Konfetti-Emoji auch.

Schaffe handyfreie Zonen

Zu Hause auf der Couch, in der Lese­ecke oder im Schlaf­zimmer hat das Handy nichts verloren! Das sind Regeln, die du selbst für dich definieren kannst und die dir dabei helfen, gute Routinen zu entwickeln. Zwei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen aufs Handy zu verzichten, hilft auch deinem Schlaf. Denn das blaue Licht vom Display blockt die Melatonin-Produktion, die dich müde macht. Nach demselben Prinzip kannst du auch handy­freie Zeiten festlegen.

Plane Ersatzhandlungen, die dir Spaß machen

Am besten ist natürlich, wenn du dir bewusst etwas vornimmst, das deine handy­freie Zeit verlängert. Mit Freund:innen in einen Escape-Room gehen, eine Wanderung machen, Stricken oder einen spannenden Krimi lesen – egal ob mit anderen oder allein, jede Aktivität kann hilfreich sein, wenn du dich darin vertiefen kannst und sie deine volle Aufmerksam­keit bekommt. Auch der Urlaub kann ideal für eine Digital-Detox-Phase sein, weil es da viel zu ent­decken gibt – und du außerhalb der EU kein Roam-like-at-home hast.

Alles eine Frage der Einstellungen!

Du willst dich konzentrieren, aber die Chat-Gruppe dreht gerade völlig durch und ständig kommen irgend­welche Push-Nachrichten. Da greift man zum Smart­phone, es könnte ja etwas Wichtiges sein – und starrt dann doch nur auf ein Katzen-Gif oder ein Angebot einer Shopping-App. Das muss nicht sein, denn vieles ist über die Einstellungen steuerbar. Welche App dir Push-Nachrichten schicken darf, bestimmst nur du. Deaktiviere diese Funktion am besten überall dort, wo du sie nicht brauchst, und lösche auch Apps, die du lange nicht verwendet hast. Das Handy lautlos zu stellen – oder auch mal einzelne Chat-Gruppen –, kann Gold wert sein.

Übrigens belegt eine Meta-Analyse der Universität Augsburg, dass das Smart­phone unsere Konzen­trations­fähig­keit schon negativ beeinflusst, wenn es in der Nähe ist. Wenn du die Ablenkung wirklich nicht brauchen kannst, legst du es am besten woanders hin: Aus den Augen, aus dem Sinn! 

Weiterführende Studien zur Handynutzung: