Rote Eieruhr in Tomatenform und Kalenderblatt

Aufschieberitis: Raus aus der Aufschiebefalle

Prokrastination: Warum wir Dinge ewig vor uns herschieben – und wie du Schritt für Schritt ins Tun kommst.

Format:
So geht's
Autor:
Karin Cerny
zuletzt geändert:
02.01.2026
Lesezeit:
4 Minuten

IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...

  • dass Prokras­tinieren nichts mit Faul­heit zu tun hat, sondern mit Dauer­stress.
  • dass ein Zeit­plan oder eine To-do-­Liste helfen, ins Tun zu kommen. 
  • wann du dir professionelle Hilfe suchen solltest.

Warum schiebe ich Dinge auf?

Keine Sorge: Mit deiner Aufschieberitis bist du nicht allein. Studien zeigen, dass durch­schnitt­lich jede:r Fünfte hin und wieder pro­krastiniert – also die Dinge auf morgen verschiebt (siehe Wissensbox). Meist sind es wichtige, manchmal auch unangenehme Aufgaben, die man hinaus­zögert. An sich ist das nicht schlimm: Manche Menschen laufen gerade dann zu Höchst­form auf, wenn die Dead­line bedrohlich nahe ist. Andere lassen die Dinge gern im Kopf reifen, bevor sie sie in Angriff nehmen. 

Wann ist prokrastinieren problematisch?

Zum Problem wird Prokrastination genau dann, wenn du deine Aufgaben dadurch nicht mehr zufrieden­stellend schaffst. Wenn du Universitäts­arbeiten verspätet oder not­dürftig zusammen­gezimmert abgibst und so in Studium oder Job Nach­teile hast. Dabei hat Prokrastination nichts mit Faul­heit zu tun: Wer faul ist, fühlt sich nicht zwangs­läufig schlecht. Wenn du unter Aufschieberitis leidest, stehst du hingegen unter Dauer­stress. Deine Gedanken kreisen ständig darum, was du erledigen solltest. Du kannst dein Nichts-Tun nicht genießen. Im Gegen­teil: Du bist blockiert – und blickst wie das sprich­wörtliche Kaninchen auf die Schlange.

Noch schnell einen Kaffee, dann schreibe ich das wichtige E-Mail. Eine Freundin schickt ein lustiges TikTok-Video. Ich klicke es an. Danach wird mir ein Film an­ge­boten, den ich schon lang auf Netflix sehen wollte. Nur kurz reinschauen …

Kennst du das? An manchen Tagen springst du vom Hundertsten ins Tausendste. Ständig wirst du ab­ge­lenkt – und was eigentlich erledigt gehört, bleibt liegen. Aufschieberitis nervt. Plötzlich ist der Abend da. Du bist un­zu­frieden – und hast nichts von dem ge­schafft, was du dir vor­genommen hast. 

Wissen

Was heißt „prokrastinieren“?

Prokrastination (von Lateinisch „procrastinatio“/Aufschub) ist keine Krankheit, sondern eine Gewohnheit – aber eine, die dich ausbremsen kann. Typisch sind Über­sprungs- und Ersatz­handlungen wie Putzen statt Präsentation schreiben oder stundenlanges Scrollen auf Social Media. Auch scheinbar produktive Ersatz­handlungen wie E-Mails sortieren können Selbst­blockaden kaschieren. Oft steckt dahinter die Angst, zu versagen oder nicht perfekt zu sein. Die gute Nachricht: Wer diese Muster erkennt, kann sie mit kleinen Veränderungen und realistischen Zielen aufbrechen.

Aufschieberitis überwinden: So kommst du ins Tun

Apropos „kleine Schritte“: Ohne Zeitplan lässt sich Aufschieberitis nicht lösen. Eine To-do-Liste und ein Kalender helfen, deine Zeit sinnvoll zu strukturieren. Egal, ob Papier oder in Form einer App. Aber auch hier gilt: realistisch bleiben. Dinge dauern oft länger als gedacht, Probleme sind komplizierter als angenommen. Deshalb: Setz dir überschaubare Tages­ziele – und bau Puffer ein. Beachte die 50-Prozent-Regel: Um dich nicht zu überfordern, plane ein, dass du doppelt so lange brauchst, wie du denkst. Dann kommt kein unnötiger Frust auf. 

Bau dir Mini-Deadlines und lerne in Etappen zu denken. Und: Gönn dir eine Belohnung, wenn du dein Tages­pensum erfüllt hast. Es setzt Dopamin frei, wenn du hin und wieder vor der Zeit fertig wirst! Darüber hinaus solltest du aber auch trainieren, lang­fristige Ziele ohne „instant gratification“ zu verfolgen – etwa Sparen für eine große Reise oder eine Weiter­bildung, die sich erst über die Jahre auszahlt. Sag dir immer: Auf lange Sicht wird meine Lebens­qualität steigen.

Prokrastinieren: Selbstdiagnose

Notorische Prokrastinierer:innen stecken ihre Energie in sogenannte Ersatz­handlungen. Das sieht dann etwa so aus: Du sortierst alte E-Mails, machst die Wäsche oder putzt sogar die Fenster – nur um dem eigentlich Wichtigen aus dem Weg zu gehen. So fühlst du dich zwar produktiv, aber die Gewissens­bisse bleiben. Es entsteht ein toxischer Mix aus Scham, Selbst­zweifeln und psycho­somatischen Beschwerden bis hin zu ständiger Erschöpfung und schlaf­losen Nächten. Denn dauernd das Gefühl zu haben, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, schlägt sich auf dein Selbst­wert­gefühl.

Gründe für Aufschieberitis: Warum wir blockieren

Warum aber blockieren sich viele auf diese Weise? Forscher:innen der Universität Tokio haben 2024 heraus­gefunden: Pessimist:innen schieben öfter auf, Optimist:innen legen schneller los. Klingt logisch – und heißt für dich: Je positiver du deine Aufgaben siehst, desto leichter packst du sie an. Folgenden Satz solltest du deshalb streichen: „Ich bin nicht gut genug.“ Er blockiert dich, bevor du überhaupt angefangen hast. Sag dir darum besser: „Wenn ich Schritt für Schritt gehe, komme ich auf jeden Fall an!“

Fun Fact

Das Gegenteil von Prokrastination gibt es auch. Wer „präkrastiniert“, will alles möglichst schnell erledigen.

Schluss mit Prokrastination

Nur zwei Prozent der Menschen behaupten laut einer Studie der Universität Münster, niemals Dinge aufzuschieben. In der Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren prokrastinieren Männer häufiger als Frauen, später ist das Geschlechter­verhältnis ausgeglichen. Die gute Nachricht: Je älter du wirst, desto leichter fällt es dir, dich zu organisieren. Und falls dich das Aufschieben trotzdem ständig stresst, hol dir Unter­stützung. Manchmal steckt mehr dahinter – etwa eine unerkannte Depression oder ADHS. So oder so gilt: Mit der richtigen Hilfe kannst du lernen, dich besser zu organisieren und gelassener durchs Leben zu gehen.

Alles Pomodoro!

Und jetzt noch ein wirklich einfacher Praxis-Tipp: Wenn dir beim Arbeiten der Fokus fehlt, weil dich zum Beispiel Social Media & Co. ablenken, probier mal die Pomodoro-Technik. Dabei teilst du deine Auf­gaben in 25-minütige Ein­heiten auf (vom Erfinder getrackt mit einer Eieruhr in Tomaten­form – daher „Pomodoro“). Zwischen den Intervallen liegen jeweils fünf Minuten Pause. Diese Technik hilft dir zu mehr Selbst­disziplin, du lernst, dich für über­schaubare Einheiten auf eine Sache zu konzentrieren. Das Motto lautet: Single-Tasking statt Überforderung auf allen Kanälen. Wichtig: Kommuniziere Freund:innen und Kolleg:innen, dass du während der einzelnen Einheiten nicht ansprechbar bist.

Weiterführende Links