Selbstbestimmte Geburt: In der Ruhe liegt die Kraft
Viele Frauen wünschen sich eine selbstbestimmte Geburt als Erfahrung, aus der sie Kraft schöpfen können. Ob das klappt, hängt auch von den Rahmenbedingungen ab.
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- dass eine Geburt im Normalfall ohne Intervention ablaufen kann.
- dass Unterstützung und Selbstvertrauen wesentlich sind.
- dass Hormone helfen, die Geburt gut zu überstehen.
Blut, Schweiß, Tränen und klar, Schmerzen – eine Geburt ist kein Spaziergang. Sie bringt Frauen an ihre Grenzen. Und oft darüber hinaus. Trotzdem beschreiben viele Mütter die Geburt als wichtigste und bereicherndste Erfahrung ihres Lebens. Andere wiederum hoffen, dass die Erinnerung daran bald verblasst. Warum erleben aber manche eine Traumgeburt – und andere ein Geburtstrauma?
Da ist einmal der Wunsch nach einer möglichst selbstbestimmten Geburt. Doch es gibt Situationen, in denen die Wünsche der werdenden Mutter nicht mehr im Fokus stehen. Laut einer Studie der Berner Fachhochschule erfahren neun von zehn Frauen während der Geburt eine medizinische Intervention. Drei von zehn erleben diese als negatives Erlebnis, und das umso mehr, je schlechter sie sich über Behandlungsentscheidungen informiert und unter Druck gesetzt fühlen. Die Folge: Mütter beschäftigen sich noch lange mit dem Ereignis, fühlen sich laut Lisa Hoffmann vom Institut für Hebammenwissenschaften an der Universität Bonn belastet, erleben ihre Babys als unruhiger – und kämpfen oft mit Stillproblemen.
Die Zahl der Interventionen steigt von Jahr zu Jahr, dabei wären bei den meisten der weltweit jährlich rund 140 Millionen Geburten keine Eingriffe nötig, so die Weltgesundheitsorganisation WHO. Was kann nun aber dazu beitragen, dass Mütter die Geburt positiv erleben?
Geburt mit Eins-zu-eins-Betreuung
Mit einer Eins-zu-eins-Betreuung, die sicherstellt, dass Frauen während der Geburt nicht alleingelassen werden, wäre schon viel gewonnen. Das legt eine Auswertung von 26 Studien aus 17 Ländern mit insgesamt 15.000 Teilnehmerinnen des Cochrane-Instituts nahe: Frauen, die während der Geburt dauernd begleitet wurden, benötigten seltener operative Maßnahmen und weniger Schmerzmittel, hatten kürzere Geburten und waren damit deutlich zufriedener als Frauen, die auf eine intensivere Betreuung verzichten mussten. Studienautorin Meghan A. Bohren geht davon aus, dass Unterstützung und Fürsorge während der Geburt den Frauen das Gefühl der Kontrolle gibt und ihr Vertrauen in ihre Kraft und Fähigkeit zu gebären stärkt.
Die Wiener Hebamme Birgit Kubizek überrascht das nicht. Sie hat im Studiengang Salutophysiologie an der FH Salzburg zur Geburt als Übergangsritus geforscht. „Im Normalfall ist eine Geburt ein Selbstläufer, sonst hätten wir als Spezies nicht überlebt“, sagt Kubizek: „Wir müssen dankbar sein für Medikamente und Operationen, aber die Mehrheit der Frauen benötigt sie nicht.“ Wichtig seien die passenden Rahmenbedingungen, die Frauen für einen ermächtigenden Übergang vom Frausein zum Frau- und Muttersein benötigen und ihr Selbstvertrauen stärkt. „Wesentlich ist, die Frauen genau aufzuklären. Dann können die Herausforderungen der Geburt besser angenommen werden; die Gebärkompetenz und damit das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten steigt“, so die erfahrene Hebamme.
„Im Normalfall ist eine Geburt ein Selbstläufer, sonst hätten wir als Spezies nicht überlebt.“
Positive Geburt durch Hormone: Was im Körper passiert
Bei gesunden Schwangeren mit niedrigem Risiko steuert der Körper den Großteil des Geburtsverlaufs selbst. Geht die Geburt los, werden Frauen von einem Hormoncocktail geflutet, der ihnen hilft, gut durch die Geburt zu kommen: Adrenalin steigert die Oxytocin-Ausschüttung, fördert damit Wehen und erhöht die Schmerztoleranz. Auch der Neocortex, jenes Hirnareal, das für die Ratio zuständig ist, wird aktiviert. Schließlich braucht die Wehende zunächst noch einen klaren Kopf, um einen sicheren Geburtsort zu finden.
Im Idealfall ist das ein nur schwach beleuchteter Raum. Gedämpftes Licht hilft der Zirbeldrüse, Melatonin zu produzieren. Das sensibilisiert die Gebärmutter für Oxytocin. Dieses Hormon steigt und kurbelt so die Wehen an. Im Idealfall hat der Neocortex dann erst einmal Pause und die Gebärende übersiedelt ins „labour land“. „Körper und Geist öffnen sich und lösen sich in dieser Phase auf“, erklärt Kubizek.
Zuspruch und Atmosphäre: Geburtsangst überwinden
Nur stören sollte man dieses fragile System besser nicht, denn sonst funkt der Neocortex dazwischen und reißt die Gebärende aus dem „labour land“. Gezielte Berührungen und Zuspruch der Hebamme unterstützen die werdende Mutter dabei, wieder Oxytocin auszuschütten und erneut abzutauchen.
Jede Wehe setzt erneut Oxytocin und Endorphine frei, jene Hormone, die dafür sorgen, dass viele Frauen die Geburt in der Rückschau als „gar nicht so schlimm“ empfinden. Natürlich dürfen unterwegs auch Ängste auftauchen. „Eine gute Hebamme sollte eigentlich in der Ecke sitzen und stricken“, lacht Kubizek – denn die Gelassenheit der Hebamme überträgt sich und gibt der Gebärenden Sicherheit. Ist das Baby geboren, durchflutet die Mutter ein Mix aus Endorphinen und Dopamin, Prolaktin und weiterem Oxytocin. Ein hormoneller Ausnahmezustand, der künstlich nicht reproduzierbar ist. „Euphorie und Kraft schaffen einen Zustand der Angstfreiheit – und einen positiven Start in die Mutterschaft“, sagt Birgit Kubizek.
Bonus für Eltern und Baby
Die Wiener Städtische bietet Kurse, eine App und Selfcare-Produkte für junge Mütter und Väter.
Die Vorfreude aufs Baby ist groß, doch wie funktioniert das alles genau? Um euch bestmöglich auf Geburt und Ankunft des neuen Familienmitglieds vorzubereiten, könnt ihr als Versicherte der Wiener Städtischen (Sonderklasse inklusive Gesundheitscheck oder Privatarztversicherung) ohne Zusatzkosten Online-Geburtsvorbereitungskurse in Kooperation mit „Deine Geburt“ belegen und die „keleya“-App nutzen.
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Hier findet ihr Infos zum Geburtsvorbereitungskurs.