Wie wir die Mental Load in der Familie fair aufteilen
Evelyn Hemmer (43) und Tobias Radinger (53) organisieren den Familienalltag mit zwei Kindern gemeinsam. Die Innovationsmanagerin erzählt, wie das gelingt.
„Ich erinnere mich noch gut an unsere Gespräche vor der Geburt unseres ersten Kindes. Für Tobias und mich war immer klar: Wir wollen die Care-Arbeit gleichberechtigt aufteilen. Wir haben in unserem Umfeld gesehen, wie schnell die gesamte mentale Last – also alles Organisieren, Denken, Erinnern – an einer Person hängen bleibt. Und meistens war das die Frau. Uns war bewusst – da müssen wir gegensteuern.
Tobias ist selbstständiger Gastronom und leitet ein Team von 20 Personen. Als klar wurde, dass er keine Karenz nehmen kann, ohne sein Unternehmen stillzulegen, waren wir baff. Damit stand auch fest: Ich werde vorerst tagsüber mehr Zeit mit den Kindern verbringen – aber wir wollten trotzdem eine faire Lösung finden.
Zubettbringen: Immer abwechselnd
Wir haben früh verstanden: Wenn wir nicht genau definieren, wer wofür zuständig ist, bleibt alles bei mir. Also haben wir die Aufgaben thematisch aufgeteilt. Ich übernehme zum Beispiel Arzttermine, Kindergeburtstagsgeschenke und bin dafür zuständig, dass die Kinder passende Kleidung haben. Tobias kümmert sich ums Wäschewaschen und organisiert Freizeitaktivitäten. Und wer am Nachmittag die Kinder betreut, ist auch fürs Abendessen zuständig – mittlerweile ist das an den meisten Tagen er. Tobias kocht mit Leidenschaft – das ist für alle ein Genuss. Ich auch – aber noch lieber stöbere ich auf dem lokalen Markt nach neuen Zutaten.
Der wahrscheinlich wichtigste Schlüssel für eine fair geteilte Mental Load war aber: Von Anfang an haben wir uns beim Zubettbringen abgewechselt. Wer das Baby ins Bett bringt, ist bei uns auch für die Nacht zuständig. Ich habe unsere Kinder bewusst nicht in den Schlaf gestillt – damit sie sich von klein auf bei uns beiden gleichermaßen geborgen fühlen.
„Unsere Kinder erleben Gleichberechtigung als Normalität.“
Kommunikation ist alles
Natürlich müssen wir viel abstimmen, aber das ständige Miteinander-Reden sorgt auch dafür, dass wir jederzeit einspringen können. Wenn Tobias krank ist, weiß ich genau, was ansteht – und umgekehrt. Klar, manchmal wäre es einfacher, wenn nur eine:r alles entscheidet. Aber dann wäre wahrscheinlich ich dauerhaft zuständig – und das wollten wir nie. Der schönste Beweis, dass es funktioniert? Als unsere Tochter zwei war, konnte ich zum ersten Mal alleine auf Urlaub fahren. Ohne Übergabe-Checklisten, ohne panisches Vorbereiten – weil Tobias sowieso genauso im Thema war wie ich.
Den Kindern Gleichberechtigung vorleben
Das Wichtigste für mich ist: Unsere Kinder erleben Gleichberechtigung als Normalität. Für sie ist es selbstverständlich, dass Papa kocht, organisiert und kuschelt – genauso wie ich. Sie wachsen mit dem Gefühl auf, dass Care-Arbeit nicht ‚Frauensache‘ ist. Ich hoffe, diese Haltung nehmen sie mit in ihr eigenes Leben!“
Fair Care – Diese Tipps helfen von Anfang an
- Klare Zuständigkeiten
Wenn du in der Partnerschaft signalisierst: „Ich brauche Hilfe“, liegt die Verantwortung weiter bei dir. Besser: Aufgaben von Anfang an gleichberechtigt aufteilen – nach Themen oder Tagen.
- Früh anfangen, bewusst dranbleiben
Wer von Anfang an alles allein macht, wird schwer los, was sich eingeschlichen hat. Sprecht regelmäßig über eure Aufteilung – und passt sie an, wenn sich euer Alltag verändert.