Collage mit einer blonden Frau, die eine Bankkarte in der Hand hält

Finanzen für Frauen: Warum Selbstfürsorge beim Konto beginnt

Warum gerade Frauen ihre Finanzen im Blick behalten sollten, wissen die Finanz­expertinnen Vera Kratky und Anna Hutterer.

Format:
Im Fokus
Autor:
Eva Baumgardinger
zuletzt geändert:
02.01.2026
Lesezeit:
5 Minuten

IN DIESEM ARTIKEL ERFÄHRST DU, ...

  • dass finanzielle Unab­hängigkeit ein zentraler Teil von Selfcare ist – gerade für Frauen.
  • dass Rück­lagen, Ver­siche­rungen und Pensions­splitting gute Maß­nahmen sind, um ein Sicherheits­netz zu spannen.

Wenn es um Selfcare geht, denken viele an Yoga, ein Schaum­bad oder Smoothies. Dabei lässt sich in Wahrheit nur auf einem soliden Fundament wirklich entspannen, sagen Vera Kratky und Anna Hutterer, Finanz­expertinnen und Autorinnen des Ratgebers Unabhängigkeit durch finanzielle Freiheit. Wer seine Finanzen im Griff hat, trifft bewusstere Entschei­dungen, fühlt sich sicherer und kann sein Leben selbst­bestimmt gestalten. Gerade für Frauen ist das ein wesentlicher – und allzu oft vernach­lässigter – Akt der Selbst­ermächtigung. 

Bild von Versicherungsexpertinnen Vera Kratky und Anna Hutterer
Vera Kratky und Anna Hutterer (v. l.) beraten zum Thema Finanzvorsorge.
© Antje Wolm

Auf Social Media gibt es den Tradwife-Trend (siehe Factbox). Nehmt ihr in eurer täglichen Arbeit wahr, dass junge Frauen heute wieder konservativer handeln als noch vor ein paar Jahren?


Vera Kratky: Ja, wir beobachten tatsächlich, dass sich einige junge Frauen wieder traditionellen Rollen­bildern zuwenden, sei es bewusst oder unbewusst. Der sogenannte „Tradwife“-Trend auf Social Media romantisiert und ästhetisiert Abhängigkeit: als liebevolle Hingabe, als Rückkehr zur „Natürlichkeit“ oder als Lifestyle-Entscheidung. Dabei steckt hinter dieser Fassade oft ein riskantes Modell, das die finanzielle Selbst­bestimmung der Frauen ausklammert. In unserer täglichen Arbeit merken wir, dass viele junge Frauen zwar ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgen­heit haben, was absolut legitim ist, aber gleichzeitig oft unter­schätzen, wie wichtig finanzielle Unabhängig­keit für echte Selbst­bestimmung ist. Es geht nicht darum, gegen Familie oder Partner­schaft zu argumentieren, sondern darum, innerhalb dieser Strukturen selbstbestimmt zu bleiben.

Anna Hutterer: Wir sehen gleichzeitig auch, dass das Bewusst­sein für finanzielle Bildung wächst, gerade bei Frauen, die sich mit solchen Trends kritisch auseinander­setzen und hinter­fragen. Viele kommen zu uns, weil sie sich nicht in eine Abhängig­keit begeben, sondern aktiv vorsorgen wollen. Das ist ein Zeichen dafür, dass Selbst­fürsorge und finanzielle Eigen­verantwortung wieder an Gewicht gewinnen. Auch als Gegen­trend zur Tradwife-Romantik.

 

Wissen

Was ist eine Tradwife?

Der Begriff Trad­wife steht für „traditional wife“ und beschreibt einen Social-Media-Trend, der seit Mitte der 2010er-Jahre – vor allem in den USA und Groß­britannien – an Popula­rität gewonnen hat. „Tradwives“ inszenieren sich als hingebungs­volle Ehe­frauen und Mütter, die traditionelle Geschlechter­rollen leben und stolz darauf sind, Haus und Familie zu managen, während der Mann das Ein­kommen sichert. Promi­nente Gesichter des Trends sind Influencer­innen wie Hannah Neleman (@ballerinafarm), Alena Kate Pettitt (@the­darling­academy) oder Estee Williams (@esteec­williams). Kritiker:innen sehen den Trend proble­matisch, weil er patriarchale Struk­turen verharmlost und darüber hin­weg­sieht, dass Frauen ohne Job und eigenes Ein­kommen z. B. im Trennungs­fall nicht abgesichert sind.

Bild von Vera Kratky und Anna Hutterer, Versicherungsexpertinnen
„Dein Geld ist dein Schlüssel zur Unabhängigkeit.“
Anna Hutterer
© Antje Wolm

Wie kann man, während man wegen Pflege oder Kinderbetreuung in Teilzeit ist, trotzdem finanziell vorsorgen? 


Vera Kratky: Teilzeit bedeutet nicht Stillstand, sondern eine Phase, in der kluge Ent­scheidungen besonders wichtig sind. Wer sich selbst und seine Zukunft ernst nimmt, kann auch in dieser Lebens­situation für finanzielle Freiheit sorgen, Schritt für Schritt und mit einem klaren Blick auf die eigenen Ziele. Unser wichtigster Rat: Bleib aktiv und informiere dich. Auch mit reduziertem Einkommen ist es möglich, finanzielle Eigen­verantwortung zu übernehmen, sei es durch angepasste Vorsorge­modelle, regelmäßige Gespräche über faire finanzielle Aufteilung in der Partner­schaft oder durch gezielte Weiter­bildung, um beruflich am Ball zu bleiben. 

Wenn ihr Frauen einen einzigen Satz mitgeben könntet, um sie für das Thema Finanzen zu mobilisieren – welcher wäre das?

Anna Hutterer: Dein Geld ist nicht nur ein Mittel zum Leben – es ist dein Schlüssel zur Unabhängigkeit.

Trennung, Scheidung, Krankheit: Wie kann man sich für solche Schicksalsschläge finanziell absichern?

Vera Kratky: Über diese Themen spricht niemand gerne, aber sie gehören zum Leben dazu. Gerade deshalb ist es so wichtig, sich frühzeitig ein finanzielles Sicherheits­netz aufzubauen. Denn wer vorbereitet ist, kann auch in Krisen­zeiten selbstbestimmt handeln und muss sich nicht zusätzlich mit existenziellen Sorgen belasten. Ein Not­groschen oder Notfall­geld von mindestens drei bis sechs Monats­gehältern, also eine Rücklage für uner­wartete Ausgaben, ist dabei die Basis. Er schafft kurzfristige Sicher­heit und ver­hindert, dass man in schwierigen Momenten auf andere angewiesen ist. Versicherungen wie Kranken-, Berufs­unfähigkeits- oder Ablebens­versicher­ungen sind weitere Bau­steine, die im Ernst­fall auffangen und schützen können. Und auch das Thema Pensions­splitting spielt eine wichtige Rolle: Gerade wenn Frauen wegen Kinder­betreuung oder Pflege­zeiten beruflich kürzertreten, kann Pensions­splitting helfen, die Alters­vorsorge fair zu gestalten und Versorgungs­lücken zu vermeiden. Wir wollten in unserem Rat­geber zeigen, wie Frauen sich Schritt für Schritt absichern können – nicht aus Angst, sondern aus Stärke. Denn finanzielle Vorsorge ist kein Zeichen von Pessimismus, sondern von Selbst­fürsorge und Weitblick.
 

Bild von Vera Kratky und Anna Hutterer, Versicherungsexpertinnen
„Pensionssplitting kann helfen, die Altersvorsorge fair zu gestalten.“
Vera Kratky
© Antje Wolm

Gab es in eurer eigenen Lauf­bahn einen Aha-Moment, an dem euch klar wurde: Ohne finanzielle Eigenständig­keit geht es nicht?

Vera Kratky: Ja, und dieser Moment war bei uns beiden nicht nur ein einzelner Augen­blick, sondern eine Reihe von Erfahrungen, die uns tief geprägt haben. Ich habe früh gelernt, dass finanzielle Sicherheit kein Selbstläufer ist. Ich bin ohne finanzielle Privilegien aufgewachsen, daher war mein Weg alles andere als vorgezeichnet. Doch mit Mut, Zielstrebig­keit und dem festen Willen, unabhängig zu sein, habe ich mir Schritt für Schritt alles selbst aufgebaut – vom Lehrabschluss bis zur Führungs­position in einer männer­dominierten Branche. Der Blick auf das eigene Pensions­konto nach der Geburt meiner Kinder war ein weiterer Wende­punkt: Die Realität der Pensions­lücke wurde spürbar – und damit auch die Dringlich­keit, Frauen über finanzielle Vorsorge aufzuklären.

Anna Hutterer: Ich hatte meinen Aha-Moment früh. Mein Schritt in Richtung Selbst­ständigkeit mit 18 war rück­blickend mutig – aber genau richtig. Heute nutze ich meine Stimme, um andere Frauen zu ermutigen, ebenfalls Verant­wortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen.

Buchtipp

„Unabhängigkeit durch finanzielle Freiheit“ – Finanzen, die empowern

In ihrem Ratgeber zeigen Vera Kratky und Anna Hutterer, dass Finanzen empowern und sogar Spaß machen können. Dabei verbinden die beiden Finanz­expertinnen Fach­wissen mit persönlicher Erfahrung. Praxisnahe Tipps, inspirierende Gast­beiträge und Interviews mit Frauen aus verschiedenen Lebens­lagen machen das Buch zum Leit­faden für alle, die ihre finanzielle Eigenständig­keit stärken wollen.

Bayer Verlag
ISBN: 978-3-903385-34-4
Erscheinungsdatum: 19. März 2025

Klug entscheiden, bewusst planen: Dieser Ratgeber enthält viele Tipps, wie du deine finanzielle Zukunft in die Hand nimmst.
© Neue Media GmbH

Finanzen für Frauen: So wirst du früh finanziell unabhängig

3 Tipps von den Expertinnen


Schritt 1: Verschaffe dir Überblick
Deine Einnahmen und Ausgaben solltest du genau kennen. Nur so kannst du gezielt planen. Verschiedene Apps können dir helfen, dein Haushalts­budget zu planen und Rücklagen zu schaffen – auch wenn es anfangs nur kleine Beträge sind.

Schritt 2: Sorge frühzeitig vor
Altersvorsorge klingt für junge Frauen nach Zukunfts­musik, ist aber ein entscheidender Faktor für langfristige Unabhängigkeit. Wer früh beginnt, profitiert vom Zinseszins­effekt und kann mit kleinen monatlichen Beträgen viel erreichen. Ob staatlich gefördert, betrieblich oder privat – wichtig ist, aktiv zu werden.

Schritt 3: Finanzwissen hilft dir, klug zu entscheiden
Finanzielle Bildung ist der Schlüssel zur Selbst­bestimmung. Informiere dich über Versicherungen, Anlage­möglichkeiten, Steuern und überlege, ob du dein Gehalt nachver­handeln kannst. All das stärkt dein Selbst­vertrauen und macht dich unabhängig von anderen.