„Meine Endometriose wurde zu spät entdeckt“
Sasa Schwarzjirg (39), TV-Moderatorin und Journalistin, erzählt von „Regelschmerzen“, die niemand ernst nahm – bis ein Bauchraum-Scan die Wahrheit zeigte.
„Ich war etwa 15, als – immer zum Start der Periode – so starke Krämpfe einsetzten, dass mir oft schwarz vor Augen wurde. Meine Mutter ließ mich manchmal zuhause, weil sie sah, wie schlecht es mir ging. In der Schule stieß das nicht bei allen auf Verständnis. Meine Turnlehrerin zwang mich einmal trotz starker Schmerzen zum Waldlauf. Danach brach ich zusammen.
Es folgte eine Ärzt:innen-Odyssee. Endometriose? Kannte damals kaum jemand. Im Laufe der Jahre war ich bei sechs Gynäkolog:innen und immer wieder im Krankenhaus. Doch jede:r verschrieb mir dasselbe: „Schmerzmittel.“ Öfter, als ich zählen kann, bin ich ins Spital eingeliefert worden, manchmal wurde ich brutal untersucht, während ich mich vor Schmerzen krümmte. Das war für mich traumatisch.
Immer wieder hörte ich Sätze wie: „Du bist zu empfindlich.“ Viele meiner Chefinnen hatten keine Regelschmerzen und konnten das Leiden nicht nachvollziehen. Dabei war meine Schmerztoleranz extrem hoch: Einmal lief ich monatelang mit einem gebrochenen Mittelfußknochen herum, weil ich dachte, er sei nur verstaucht.
Erst mit 37 überwies mich ein Arzt zum Bauchraum-MRT. Da zeigte sich: Überall verwachsene Endometriose-Herde, in der Bauchdecke, Richtung Rücken und rund um die Gebärmutter. Als ich das Ausmaß schwarz auf weiß sah, habe ich vor Erleichterung geweint.
Demnächst steht eine Operation an. Es ist nicht möglich, alle Verwachsungen zu entfernen. Aber ich hoffe zumindest auf eine Verbesserung der Schmerzen und der Begleiterscheinungen wie Schwellungen, Magen-Darm-Krämpfe und Erbrechen.“
Was ist Endometriose?
Rund jede zehnte Frau ist von Endometriose betroffen – einer chronischen Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Die Folge: Schmerzen, Entzündungen, Verwachsungen bis zu möglicher Unfruchtbarkeit. Bei der Hälfte der Betroffenen kehrt nach einer Gewebsentfernung die Krankheit wieder zurück. Eine Studie zeigt: Rund drei von vier Betroffenen werden zunächst falsch diagnostiziert.
Geh in ein Endometriose-Zentrum, wenn …
- deine Regelschmerzen außergewöhnlich stark sind.
- du Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hast.
- chronische Unterbauchschmerzen bestehen.
- es trotz Kinderwunsch nicht klappt.