Eine sportliche Frau mit Pferdeschwanz führt in einem Outdoor-Fitnesspark eine Schrägliegestütz-Übung an einer Metallstange aus.

Calisthenics-Training: Stark ohne Fitnessstudio

Raus in den Park und los geht’s: Calisthenics trainiert Kraft, Körper­spannung und Koordination. Wir zeigen 5 Übungen für Anfänger:innen.

Format:
So geht's
Autor:
Waltraud Hable
zuletzt geändert:
02.09.2026
Lesezeit:
3 Minuten

IN DIESEM ARTIKEL ERFÄHRST DU, …

  • was Calisthenics von klassischem Krafttraining unterscheidet.
  • wo du in österreichischen Städten Calisthenics-Parks findest.
  • welche 5 Übungen ideal für den Calisthenics-Einstieg sind.
     

Wer schon mal eine Calisthenics­-Gruppe beim Training beobachtet hat, weiß: Man bleibt gern länger stehen­– weil’s dort immer was zu sehen gibt. So kann es passieren, dass plötz­lich jemand waag­recht an einer Stange hängt, wie eine mensch­liche Flagge. Daneben pro­biert jemand einen Klimm­zug oder einen Hand­stand aus. Vor allem aber bleibt man stehen, weil die Übungen wirklich nach Spaß aus­sehen.

Was ist Calisthenics-Training?

Der Name Calisthenics kommt aus dem Griechischen und heißt über­setzt so viel wie „schöne Kraft“ (aus kallos für Schön­heit und sthenos für Kraft). Oft hört man, Calisthenics sei ein reines Training mit eigenem Körpergewicht. Aber das ist nur die halbe Wahr­heit: Man arbeitet zwar viel mit Eigen­gewicht, zum Beispiel für Klimm­züge, Liege­stütze und Hand­stand. Aber Calisthenics inte­griert auch Elemente aus dem Geräte­turnen und der Akro­batik.

Calisthenics für den Muskelaufbau: Geht das ohne Gewichte?

Ja. Gleich­zeitig geht es auch um Koordi­nation, Geschicklich­keit und Flexi­bilität. „Im Unter­schied zum klassischen Kraft­training im Fitness­studio spielt bei Calisthenics auch die neuro­muskuläre Kompo­nente eine wichtige Rolle“, erklärt Stefan Woditsch vom Wiener Calisthenics-­Verein Team Alpha Bar. Das heißt, Kraft allein reicht nicht. Auch das Gehirn wird ge­fordert, weil es die Bewegung erst be­greifen muss, bevor sie ge­lingt.

Outdoor Calisthenics: Wo kann ich im Freien trainieren?

Für den Start reicht eine stabile Stange – die findet man auf Kinder­spiel­plätzen oder Parks. Teil­weise reicht auch eine Park­bank für Stütz­übungen. Oder noch besser: Man geht zu einem der rund 300 öffentlichen Outdoor-Calisthenics-Parks in Öster­reich – das sind Sta­tio­nen, an denen man, je nach Aus­stattung, Stangen in ver­schiedenen Höhen und Breiten, Sprossen­wände, Liege­stütz­griffe, Monkey­bars oder Kletter­seile findet.

Calisthenics für Anfänger: Wie gelingt der Einstieg?

Iris Weissenböck – zweifache Calisthenics-­Staats­meisterin und Mit­glied im Verein Team Alpha Bar – rät, sich vorab zu fragen: „Was ist mein Ziel? Geht’s darum, Pull­-ups oder einen Hand­stand zu lernen? Die Human Flag zu machen? Das gibt die Rich­tung vor.“ Und: „Nur die wenigsten schaffen gleich einen Klimm­zug. Besonders für Calisthenics-Anfänger gilt: Es ist immer besser, mit einer leich­teren Variante zu be­ginnen, die man sauber aus­führen kann – und sich dann vor­zu­arbeiten.“ Die Übung Scapula Pull-­up (siehe unten) etwa be­reitet dich aufs Hoch­ziehen des eigenen Körpers vor. 

Bei fast allen Calisthenics-­Übungen gilt: Bauch und Po anspannen. Das klingt banal, macht aber einen Unter­schied, weil für viele Übungen ein stabiler Rumpf er­forderlich ist. Doch wie macht man das richtig? „Bauch­nabel aktiv nach innen ein­ziehen“, erklärt Iris Weissenböck. „Und fürs Anspannen des Pos die Beine leicht zusammen­drücken.“

Für wen ist Calisthenics geeignet – für wen nicht?

Es gibt kein Alters­limit. Von Jung bis Alt ist alles dabei. Kinder lieben vor allem die Monkey­bars auf Calisthenics-­Plätzen, auf denen sie sich spielerisch vor­hangeln können. Sollte es kör­perliche Vor­be­las­tun­gen geben, sind diese – wie bei jedem Sport – vor Trainings­beginn ärzt­lich abzu­klären. Prinzi­piell gilt: „Bei Calisthenics können leicht Schulter, Ell­bogen und Hand­gelenke über­lastet werden. Daher: Nicht zu viel auf ein­mal trainieren, auf den Körper hören und genug Rege­neration ein­planen“, sagt Iris Weissenböck. Allen, die neu ein­steigen, empfiehlt die Trainerin, sich einem Verein anzu­schließen oder eine:n Trainer:in zu nehmen. „So lernt man, wie Übungen zum Bei­spiel mit Wider­stands­bändern verein­facht oder ange­passt werden können. Außer­dem macht es immer mehr Spaß in einer Gruppe. Die Calisthenics-­Community setzt sich keine Gren­zen, was mit dem eigenen Kör­per möglich ist. Das ist das Schöne an diesem Sport.“

 

Eine lächelnde junge Frau mit langem braunem Haar und verschränkten Armen blickt direkt in die Kamera, während im Hintergrund verschwommene Graffiti-Farben zu sehen sind.
Iris Weissenböck ist zweifache Calisthenics-­Staats­meisterin. Sie trai­niert und unter­richtet beim Verein Team Alpha Bar in Wien. 
© Stefan Diesner

Calisthenics für Anfänger: 5 Grundübungen für den Start

Iris Weissenböck, zwe­ifache öster­reichische Calisthenics-­Staats­meisterin, führt 5 einfache Grundübungen vor.

© Stefan Diesner

Calisthenics-Übung 1: Klassische Liegestütze

Gutes Ganz­körper­training mit Fokus auf Ober­körper und Rumpf. 
→ 5 bis 10 Wieder­holungen.

So geht’s: „Von oben be­trachtet sollten die Wirbel­säule und die Arme wie ein Pfeil aussehen. Das ist die optimale Ausgangs­position“, sagt Iris Weissenböck. „Bauch und Gesäß an­spannen, nicht durch­hängen! Beim Runter­gehen sollten die Schultern in einer neutralen Posi­tion bleiben. Dann drückst du dich wieder hoch.“

Achtung! Ellen­bogen nicht zu weit nach außen ab­spreizen. Und: Nicht mit dem Kopf zuerst runter­gehen, das bringt die Schulter in eine un­günstige Posi­tion.

Zu schwierig? Knie auf dem Boden ab­legen.

 

© Stefan Diesner

Calisthenics-Übung 2: Scapula Pull-­ups (Schulterblatt-Klimmzüge)

Gut für deine Schulter­stabilität. 
→ 5 bis 10 Wieder­holungen.

So geht’s: Du hängst an einer Klimm­zug-Stange, die Arme sind ge­streckt, die Beine gerade und ange­spannt. „Jetzt ziehst du die Schulter­blätter aktiv nach unten und nach hinten“, sagt Iris Weissenböck. Stell dir vor, du würdest die Schulter­blätter in deine Hosen­taschen schieben wollen. „Die Brust geht dabei auf, der Körper hebt sich ein Stück.“ Dann wieder locker­lassen.

Achtung! Ellen­bogen nicht beugen. Die Arme bleiben die ganze Zeit ge­streckt, die Bewegung kommt aus­schließlich aus der Schulter.

 

© Stefan Diesner

Calisthenics-Übung 3: Australian Rows

Diese Übung hilft dir, Kraft für Klimm­züge aufzu­bauen. 
→ 5 bis 10 Wiederholungen.

So geht’s: Du stellst dich an eine Stange, die ungefähr auf Brust­höhe liegt (zum Bei­spiel eine Reck­stange) und greifst sie mit beiden Händen. Dann lehnst du dich zurück, bis dein Körper schräg und gerade liegt wie ein Brett. Die Arme sind ge­streckt. Ziehe nun die Schulter­blätter nach hinten, dann die Brust zur Stange hin. Oben kurz­halten, dann kon­trolliert wieder zurück­gehen.

Zu leicht? „Je niedriger die Stange und je flacher man liegt, desto schwieriger wird die Übung“, sagt Iris Weissenböck.

Achtung! Die Schultern nicht nach oben ziehen oder nach vorne fallen lassen. Sie bleiben nach unten und hinten ge­richtet.

 

© Stefan Diesner

Calisthenics-Übung 4: Scapula Dips (Schulterblatt-­Stütz)

Trainiert deinen Schultergürtel. 
→ 5 bis 10 Wiederholungen.

So geht’s: „Die Übung macht man normaler­weise auf P-Bars, die in Calisthenics-Parks zu finden sind. Not­falls geht auch eine Park­bank. Setz dich dafür auf die Kante der Park­bank. Platziere deine Hände links und rechts direkt neben deiner Hüfte auf der Sitz­fläche. Deine Finger zeigen nach vorne. Wandere mit dem Gesäß ein Stück nach vorne – vor die Bank –, sodass dein Becken frei in der Luft schwebt. Die Arme sind ge­streckt, der Körper gerade. Jetzt lass dich kon­trolliert ab­sinken, die Schultern wandern bewusst zu den Ohren. Dann drückst du dich wieder hoch. Die Ellen­bogen bleiben dabei immer ge­streckt. Bauch und Po sind ange­spannt.“

Achtung! Nicht fallen lassen. Immer langsam ab­senken.

 

© Stefan Diesner

Calisthenics-Übung 5: Knees to Chest oder Schiffchen

Trainiert die Bauch­muskeln und die Hüft­beuger.
→ 5 bis 10 Wieder­holungen.

So geht’s: Du hängst an der Klimmzug­stange, die Arme sind ge­streckt. Jetzt ziehst du die Knie an die Brust. Falls das zu leicht ist: Hebe die ge­streckten Beine und bring sie an die Stange. Wichtig: Das Becken kippt bei beiden Übungen leicht mit, damit du auch die unteren Bauch­muskeln erwischst.

Achtung! Nicht mit Schwung arbeiten, sondern Knie (oder Beine) kon­trolliert heben.

Keine Stange in Sicht? Das sogenannte „Schiffchen“ funk­tioniert auch am Boden: Du liegst auf dem Rücken, hebst Arme und Beine gleich­zeitig ge­streckt an (sodass dein Körper einer Schiff­form gleicht), Bauch und Po an­spannen, den unteren Rücken aktiv in den Boden drücken. 20 bis 30 Sekunden halten.

 

Links & Adressen für Calisthenics Fans:

Listen mit öffentlichen, kosten­los zugänglichen Calisthenics-­Parks in deiner Nähe:

Liste mit öffentlichen, kosten­losen Calisthenics-Parks der Stadt Wien:

Österreichischer Fach­verband für 
Calisthenics und Street Workout: 

Calisthenics-­Vereine, die auch Kurse 
für Anfänger:innen machen: