Eine farbenfrohe Pop-Art-Grafik im Collage-Stil mit einer jungen Frau in Latzhosen, die aus einem großen roten Smartphone herausspringt und dabei einen Papierflieger in die Luft hält.

Bildschirmzeit reduzieren: Voller Fokus auf deine Ziele!

Die „Hetzendorfers“ erklären, wie du trotz Social Media deinen Fokus behältst – und warum du Influencer:innen nicht alles glauben solltest.

Format:
Interview
Autor:
Wolfgang Knabl
zuletzt geändert:
09.09.2026
Lesezeit:
2 Minuten

IN DIESEM ARTIKEL ERFÄHRST DU, ...

  • wie Plattformen gezielt um deine Aufmerksamkeit buhlen und sich mit einfachen Digital-Detox-Tipps (wie Stummschalten) überlisten lassen, um effektiv deine Bildschirmzeit zu reduzieren.
  • dass hinter der glänzenden Influencer-Welt meist harte Verkaufsabsichten und Scheinwelten stecken.
  • wie du deine Aufmerksamkeitsspanne verbessern, du große Ziele in kleine, tägliche Etappen zerlegen und sie so mit Motivation und Disziplin erreichen kannst. 

Weniger Ablenkung, um deine Aufmerksamkeitsspanne zu verbessern und mehr Fokus auf das Wesentliche zu haben. Wie schaffst du es, deine Bildschirmzeit zu reduzieren und mehr Zeit zu haben für das, was dir wichtig ist? Lukas und Kathi Hetzendorfer kennen sich bei diesem Thema gut aus. In Schulen, Firmen und hier im losleben.stories-Interview teilen sie ihr Wissen. Übrigens findest du weitere Digital-Detox-Tipps auch in diesem losleben.stories-Beitrag und einen Smartphone-Selbsttest hier. 

Was macht Social Media so verlockend?

Lukas: Die Plattformen sind häufig wie Casinos im Video-Format: Sie buhlen um unsere Aufmerksamkeit, wirken einladend – am Ende gewinnt aber meistens das Casino. Social-Media-Algorithmen nutzen Auslöser, auf die unser Gehirn reagiert, um Screentime von uns zu bekommen: Banner, Benachrichtigungen, Signalfarben. Das beeinträchtigt unsere Aufmerksamkeitsspanne: Jedes Mal, wenn wir aufs Handy schauen, konzentrieren wir uns weniger aufs Lernen, den Job, unsere Mitmenschen.

Wie reduziere ich meine Screen-Time?

Lukas: Je weniger du das Casino siehst, umso seltener gehst du hinein. Also: Handy in einen anderen Raum oder in die Schublade legen, oder einfach umdrehen. Zweitens: Benach­richtigungen deaktivieren, Social-Media-Gruppen stumm schalten.

Wie viel Social Media sind gesund?

Lukas: Eine Faustregel ist: Je weniger, desto besser. Kathi und ich regulieren uns selbst auf rund eine Stunde pro Tag. Selbst­kontrolle ist vor allem bei TikTok oder Instagram-Reels wichtig. Jeder kennt das: Zwei Stunden vergehen da wie im Nu, weil die Algo­rithmen uns von einem Video zum nächsten ziehen. Apps wie WhatsApp oder Snapchat versuchen weniger offensiv, uns rein­zu­ziehen.

Wart ihr früher viel online?

Kathi: Ja. Während meiner Beach­volleyball-Karriere war ich Sport­influencerin. Da habe ich Content produziert, auf Kommentare reagiert, Likes gesammelt und war natürlich auf der Suche nach dem nächsten Bild oder Video, das Aufmerksam­keit erzeugt.

Wie hat das deine Aufmerksamkeit zerfranst?

Kathi: Beim Training oder in Matches konnte ich gut abschalten. Bin ich nach einem Posting essen gegangen, habe ich oft aufs Handy geschaut und gecheckt: Kommt der Beitrag gut an? Wie steht es mit Likes, Kommentaren? Das war mühsam, auch für meine Begleiter:innen.

Porträtfoto einer Beachvolleyballspielerin mit verschränkten Armen und einem Lächeln.
Kathi, U19-Vizeweltmeisterin und U20-Europameisterin im Beachvolleyball, liefert das Profisport-Mindset und den ungeschönten Blick auf die Influencer-Realität.
© FIVB
Porträtfoto eines Mannes mit verschränkten Armen und einem Lächeln, der ein weißes T-Shirt und eine Smartwatch trägt.
Ex-Google-Mitarbeiter Lukas erklärt, wie Social-Media-Plattformen Aufmerksamkeit und Produktivität beeinflussen.
© Philipp Schoenauer

Was hast du als Influencerin über die Influencer-Realität gelernt?

Kathi: Die vermeintliche Influencer-Realität schaut einfach und lässig aus, als würden Influencer:innen ihr Leben, das super­locker wirkt, easy mit­filmen. In Wahr­heit ist das ganz anders. Regel­mäßig professionellen Content erstellen, immer spannend bleiben und schnell auf Reaktionen reagieren: Das ist viel harte Arbeit. Zweitens: Nicht alles glauben! Die meisten Influencer:innen zeigen sich so, wie sie gesehen werden wollen – oder wie es ihre Marken und Sponsor:innen verlangen. Drittens: Viele Influencer:innen wollen einfach nur etwas verkaufen. Das geht von Kosmetika bis zu Finanz­produkten.

Lukas: Klingt ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist es in der Regel nicht wahr. Es gibt keinen Aufzug zu Reich­tum, man muss die Treppe nehmen. Tipp: Handy-Screenshot machen und eine KI wie ChatGPT fragen, ob das Business­modell vertrauens­würdig ist. Spoiler: Meistens nein.

Wie behalte ich trotz Social Media den Fokus?

Lukas: Indem du deine Social-Media-Nutzung selbst steuerst – und nicht Social Media dich steuern. Das heißt: Du bestimmst, wann du aufs Handy schaust, wie du Social Media nutzt – und nicht umgekehrt. Die Algo­rithmen sind so ausgefeilt, dass sie deine Aufmerksam­keit schnell auf sich ziehen: Du öffnest die App und bist sofort in der Algorithmus-Falle. Deshalb: Keine Benach­richtigungen, kein Vibrations­alarm. Voller Fokus auf deine Ziele.

Was ist wichtig, um Ziele zu erreichen?

Kathi: In meiner Beachvolleyball-Zeit waren die Olympischen Spiele das große Ziel. Aber mit einem Vierjahres-Ziel kannst du schlecht arbeiten. Das haben wir herunter­gebrochen, haben uns Jahres-, Monats-, Wochen- und Tages­ziele gesetzt. Also immer schauen: Was kann ich heute schaffen und verbessern? Und diese kleinen, erreich­baren Zwischen­ziele dann mit Motivation und Disziplin verfolgen.

Ein Mann und eine Frau stehen lächelnd in einer Sporthalle und halten gemeinsam einen gelb-blauen Volleyball.
Katharina und Lukas Hetzendorfer bieten Medienbildungs-Trainings in Schulen und Unternehmen an. www.diehetzendorfers.com
© Niklas Schnaubelt

Was tun, wenn es nicht wie gewünscht läuft?

Kathi: Rückschläge gehören dazu, das lernt man im Sport schnell. Wichtig ist: Sich Rück­schläge eingestehen, Gefühle wie Trauer und Wut zulassen – sich dabei aber ein zeitliches Limit setzen: O. k., nach einer Nieder­lage darf ich eine Stunde lang genervt sein oder, wenn es schlimmer ist, 24 Stunden lang. Danach schiebt man das weg und es zählen Fakten, nicht Gefühle. Sprich: Sachlich analysieren: Warum habe ich im Sport verloren, beim Studium eine Prüfung nicht geschafft, im Job ein Ziel nicht erreicht? Woran hat es gehapert, was kann ich besser machen? Dritte Phase: Krone richten, nach vorne schauen. Was passiert ist, kann man nicht mehr ändern. Ein neues, erreich­bares Ziel setzen.

Was, wenn einmal die Motivation fehlt?

Kathi: Das ist normal, ich habe mich als Sportlerin auch nicht auf jedes Training gefreut. Ein Trick: Immer einen Grund finden, wie man selbst davon profitiert. Beispiel: Ich verzichte gerne auf Social Media, weil mir das guttut und weil ich einen Benefit davon habe.

Können Social Media helfen, Ziele zu erreichen?

Lukas: Natürlich, es gibt viele Anwendungen, die einen weiterbringen. Wer etwas dazulernen will, findet megaviele lehr­reiche Inhalte und Videos. Social Media sind per se nicht gut oder böse – die Dosis macht das Gift. Unser Ziel ist einfach: Screen­zeit halbieren, Team­zeit verdoppeln. Dann sind wir fertig.

TIPP FÜR DIE PAUSE

Digital-Detox-Tipps: Kleines Workout statt Social Media

Wer lernt oder arbeitet, braucht kurze Pausen. Ein Blick in Social-Media-Apps bringt aber Inputs statt Entspannung, dazu lockt die Algorithmus-Falle. Besser, um den Kopf frei­zu­bekommen: Jede Stunde zehn Knie­beugen und dabei aus dem Fenster schauen.

Mentale Stärke: Kathis Tipps für Drucksituationen

Mentaler Anker: Berühre in einer Druck­situation deine Hand und rufe dabei positive Emotionen ab. In schwierigen Match­phasen habe ich mir damit in Erinnerung gerufen, wie gut es sich anfühlt, schwierige Matches zu gewinnen. 

Drucksituationen trainieren: Das ist nötig, um den mentalen Anker zu verinnerlichen und im Ernst­fall verlässlich abrufen zu können. Mental schwierige Wett­kampf- oder Karriere-Situationen vorab in einer simulierten Druck­situation durch­zu­spielen, ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Bin ich auf das Worst Case vorbereitet, kann ich es eher bestehen, wenn es in Wirklich­keit dazu kommt. 

Unmögliches probieren: Unser Trainer hat uns mitunter Auf­gaben gegeben, die wir un­möglich lösen konnten. Das hilft, den mentalen Anker zu festigen, verbessert die Frustrations­toleranz und gibt Schwung für schwierige, aber lös­bare Aufgaben.