Trennung und Finanzen: Was Frauen wissen sollten
Die psychosoziale Beraterin Bettina Zehetner berät und begleitet Frauen in Trennungssituationen und nennt wichtige Punkte, um Nachteile zu vermeiden.
Durch ihre Tätigkeit bei Frauen* beraten Frauen* hat Bettina Zehetner Einblick in Trennungsverläufe. Sie weiß, was schiefgehen kann, wie Frauen ihre Ansprüche bestmöglich durchsetzen und sich so vor finanziellen Notlagen und Altersarmut schützen.
Hier findest du zehn Punkte, wie sich Frauen auf eine Trennung vorbereiten können – die aber auch für Männer relevant sind, wenn sie in der Beziehung mehr Care-Arbeit geleistet und entsprechend weniger Einkommen bezogen haben.
„Ein Unterhaltsverzicht kann sich später rächen.“
Checkliste – 10 Punkte, die Frauen laut Bettina Zehetner bei einer Trennung im Blick haben sollten:
Geh nicht davon aus, dass dir „eh nichts zusteht“
Frauen steht oft mehr zu, als sie glauben. Denn im Regelfall ist es in Österreich noch so, dass Frauen die unbezahlte Arbeit in einer Beziehung verrichten und dadurch im Hinblick auf Karriere, Einkommen und Pension benachteiligt sind. Darum: Je früher sie Beratung suchen, desto besser.
Unterschreib nie vorschnell etwas
Ich sehe häufig, dass Frauen früh einem Verzicht zustimmen. Vielleicht, weil die:der Partner:in Druck macht. Vielleicht, weil sie ein schlechtes Gewissen haben oder aus anderen Gründen. So eine Entscheidung kann langfristig existenzgefährdend sein, wenn ich zum Beispiel auf eine Wohnung verzichte, die ich eigentlich brauche.
Bestehe auf Alimente – sie sind rechtlich vorgeschrieben
Bei einer Trennung haben Kinder Rechtsanspruch auf Alimente – Mütter sollten also keinesfalls darauf verzichten.
Vorsicht beim Auszug aus der Ehewohnung
Wenn eine Frau grundlos gegen den Willen ihres Ehepartners bzw. ihrer Ehepartnerin schon vor der Scheidung aus der Wohnung auszieht, wäre das vor dem Gesetz eine Eheverfehlung, die sie den Unterhalt kosten kann. Denn Österreich ist eines der wenigen Länder Europas, das Scheidungen noch nach dem Verschuldensprinzip durchführt.
Überleg dir gut: Einvernehmliche oder strittige Scheidung?
Bedingung für eine einvernehmliche Scheidung ist, dass beide die Scheidung wollen und sich schon vor dem Scheidungstermin auf alle Folgen einigen. Das ist die häufigere Scheidungsform in Österreich. Eine strittige Scheidung kann dagegen mühsam sein, aber auch notwendig – wenn der Frau beispielsweise Unterhalt vorenthalten werden soll, der ihr zusteht und auf den sie angewiesen ist.
Achtung: Ehe und Lebensgemeinschaft sind finanziell nicht dasselbe
Bei der Auflösung einer Ehe hat die Frau potenziell Unterhaltsanspruch für sich, was in der Lebensgemeinschaft nicht der Fall ist.
Bis zur Pension vorausdenken
Viele Frauen glauben zum Zeitpunkt der Trennung, sie kommen schon klar. Statt Ansprüche zu stellen, wollen sie, dass alles möglichst schnell vorbei ist. Gerade wenn Kinder da sind, steuern sie lieber einen harmonischen Kurs, als Konflikte zu riskieren. Das mit dem Klarkommen stimmt vielleicht für den Moment. Aber langfristig sollte man einen Ausgleich mitdenken für die Mehrfachbenachteiligung in Karriere, Einkommen und Pension.
Verzichte nie leichtfertig auf den Unterhalt
Das wäre für mich die große Überschrift dieses Artikels: Niemals vorzeitig auf Unterhalt verzichten! Ein Unterhaltsverzicht kann sich rächen, denn damit ist es schwierig bis unmöglich, Mindestsicherung vom Staat zu erhalten oder eine Ausgleichszulage in der Pension. Wichtig: Auch kurze Ehen können Ansprüche auslösen, denn Unterhaltsanspruch besteht ab dem ersten Tag der Eheschließung.
Familienbeihilfe, Familienbonus, Alleinerzieherabsetzbetrag klären
Die Familienbeihilfe erhält der Elternteil, bei dem das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat und hauptgemeldet ist. Zu anderen steuerlich relevanten Begriffen wie Familienbonus oder Alleinerzieherabsetzbetrag bietet unter anderem die Arbeiterkammer umfangreiche Beratung.
Hol dir Unterstützung – juristisch und sozial
Und zwar besser heute als morgen. Wir bieten beispielsweise Rechtsberatung – auch für Frauen, die wenig Geld zur Verfügung haben. Einrichtungen wie Frauen* beraten Frauen* helfen Frauen, ihre Ansprüche zu erkennen und durchzusetzen, denn das Teuerste ist immer, keine Beratung zu holen und einfach zu unterschreiben, was andere vorlegen.
Mehr zu Trennung und Finanzen
- Der Verein Frauen* beraten Frauen* berät Frauen vor, während oder nach einer Ehe oder Beziehung.
- Dieses Schaubild verdeutlicht, an welchen Stationen im Leben einer Frau Finanzen eine besonders wichtige Rolle spielen.
- Hier geht’s zum Download des Infoflyers mit Unterstützung von three coins: „Mein, dein und unser – Geld in der Partnerschaft“ (PDF)