Rückansicht einer Frau mit kurzen braunen Haaren, die mehrere Einkaufstaschen über der Schulter und eine gelbe Kreditkarte in der Hand hält.

Frustshopping: „Wie ich gelernt habe, ‚genug‘ zu sagen!“

Vom Frustshopping zur Erfüllung: Früher kompensierte Jess Blijkers (40) Leere durch Spontankäufe – heute weiß sie, warum bewusster Konsum glücklicher macht.

Format:
Meine Story
Autor:
Maya McKechneay
zuletzt geändert:
07.10.2026
Lesezeit:
2 Minuten

„Schon aus meiner politischen Überzeugung heraus war ich nie der ,Shop until you drop‘-Typ: Beruflich habe ich mich in NGOs (unabhängigen Hilfs­organisationen, Anm.) für mehr Solidarität engagiert, habe dazu beigetragen, gesell­schaft­liche Barrieren abzubauen und mehr Menschen eine gute Gesund­heits­versorgung zu ermöglichen. Ideell war meine Arbeit erfüllend – körperlich und mental hat sie mich erschöpft. An manchen Tagen hatte ich den Eindruck, es wird nie reichen. Nie ist genug Budget da, die Förderungen sind immer zu niedrig. 

Beruflich bin ich damals viel gereist. Der Job hat immer mehr Raum in meinem Leben eingenommen. Alles andere hatte ich auf ein Minimum herunter­gefahren: die Zeit, die ich mit Freund:innen und meiner Familie verbracht habe, oder meine Leiden­schaft als Singer-Songwriterin. 

Frustshopping und Konsum gegen die eigene Überzeugung

Natürlich wusste ich damals ganz genau, dass ,Fast Fashion‘ und Über­konsum niemandem guttun. Und Zeit, ein­zu­kaufen, hatte ich auch nicht.  Als ich aber berufs­bedingt immer mehr Geld und immer weniger Zeit hatte, fühlte ich auch den Druck, immer mehr zu kaufen. Ich hatte den Ein­druck, diese Produkte zu brauchen, um gegen ein ‚nicht genug‘ zu wirken. ‚Nicht genug Zeit?‘ − dann schnell online etwas bestellen, statt Secondhand zu suchen oder etwas zu reparieren. Habe ich mich ,nicht professionell bzw. schön genug‘ gefühlt? Dann schnell neue Outfits besorgen.

„Alles ist darauf gerichtet, dass wir immer mehr arbeiten und konsumieren. Das macht uns nicht glücklicher, ganz im Gegenteil: Wir brennen uns und den Planeten aus.“
Jess Blijkers
Lächelnde Frau mit kurzem blondem Haar im Freien, die ein dunkelgrünes Outfit mit einem orangen Langarmshirt darunter vor Bäumen und grünem Gebüsch trägt.
© Verena Freingruber

Mit enough.consulting unterstützt Jess Blijkers Führungs­kräfte, die sich über Wachs­tum hinaus Richtung kollektives Handeln bewegen wollen.

Warnsignale vor dem Burn-out: Eine Auszeit vom Job nehmen

Rückblickend würde ich sagen, dass ich in diesem Jahr kurz vor dem Burn-out stand, bedingt durch eine mental und körper­lich ungesunde Arbeits­weise. Ich habe den Job verlassen, um nachzudenken. Ich habe eine richtige Identitätskrise durchlebt. Mein Leben lang hatte ich versucht, die Welt zu verbessern – und war dabei selbst ausgebrannt.

Während meiner Auszeit habe ich nicht nur reflektiert, was in mir selbst vorgeht, sondern auch, wie unsere heutige Wirtschaft funktioniert – und wie beides zusammen­hängt. Mein Schlüssel­begriff war damals ,genug‘. Wir leben in einer Wirtschaft, die ständig mehr braucht, um zu funktionieren – und die uns vermittelt, wir hätten nie genug und würden nie genügen. Alles ist darauf gerichtet, dass wir immer mehr arbeiten und konsumieren. Das macht uns nicht glücklicher, ganz im Gegen­teil:  Wir brennen uns und den Planeten aus. 

Ich habe mir überlegt: Was wäre, wenn wir jetzt schon das Gefühl hätten, zu genügen?

Nach dieser Einsicht habe ich gemeinsam mit einem guten Freund die Unter­nehmens­beratung enough.consulting gegründet. Mittlerweile versuche ich, dieses ,Nicht genug‘-Denkmuster in mir zu erkennen, um mein Leben nicht mit Dingen zu füllen, sondern mit bewussten Ent­scheidungen, wie und mit wem ich meine Zeit verbringe. ,Qualität statt mehr‘ lautet meine Devise – und es geht mir so viel besser damit.“

Impulskäufe vermeiden: 3 Tipps für bewussten Konsum und Entschleunigung

Diese praktischen Konsumverzicht-Tipps helfen dir dabei, nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen:

  1. Überlege dir, was hinter deinem Kauf­wunsch steckt. Brauchst du das Produkt wirklich? Oder willst du in Wahrheit einen tiefer­liegenden Mangel kompensieren? Unsicher­heiten oder Zeit­mangel beispiels­weise.
  2. Was ist „genug“ für dich? Wie würde sich dein Leben ändern, wenn du wüsstest, du bist jetzt schon „genug“?
  3. Ein wirksamer Minimalismus-Tipp: Definiere dich nicht über Besitz, sondern darüber, wie und mit wem du deine Zeit verbringst. Sie ist dein wert­vollstes Gut.