Frustshopping: „Wie ich gelernt habe, ‚genug‘ zu sagen!“
Vom Frustshopping zur Erfüllung: Früher kompensierte Jess Blijkers (40) Leere durch Spontankäufe – heute weiß sie, warum bewusster Konsum glücklicher macht.
„Schon aus meiner politischen Überzeugung heraus war ich nie der ,Shop until you drop‘-Typ: Beruflich habe ich mich in NGOs (unabhängigen Hilfsorganisationen, Anm.) für mehr Solidarität engagiert, habe dazu beigetragen, gesellschaftliche Barrieren abzubauen und mehr Menschen eine gute Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Ideell war meine Arbeit erfüllend – körperlich und mental hat sie mich erschöpft. An manchen Tagen hatte ich den Eindruck, es wird nie reichen. Nie ist genug Budget da, die Förderungen sind immer zu niedrig.
Beruflich bin ich damals viel gereist. Der Job hat immer mehr Raum in meinem Leben eingenommen. Alles andere hatte ich auf ein Minimum heruntergefahren: die Zeit, die ich mit Freund:innen und meiner Familie verbracht habe, oder meine Leidenschaft als Singer-Songwriterin.
Frustshopping und Konsum gegen die eigene Überzeugung
Natürlich wusste ich damals ganz genau, dass ,Fast Fashion‘ und Überkonsum niemandem guttun. Und Zeit, einzukaufen, hatte ich auch nicht. Als ich aber berufsbedingt immer mehr Geld und immer weniger Zeit hatte, fühlte ich auch den Druck, immer mehr zu kaufen. Ich hatte den Eindruck, diese Produkte zu brauchen, um gegen ein ‚nicht genug‘ zu wirken. ‚Nicht genug Zeit?‘ − dann schnell online etwas bestellen, statt Secondhand zu suchen oder etwas zu reparieren. Habe ich mich ,nicht professionell bzw. schön genug‘ gefühlt? Dann schnell neue Outfits besorgen.
„Alles ist darauf gerichtet, dass wir immer mehr arbeiten und konsumieren. Das macht uns nicht glücklicher, ganz im Gegenteil: Wir brennen uns und den Planeten aus.“
Mit enough.consulting unterstützt Jess Blijkers Führungskräfte, die sich über Wachstum hinaus Richtung kollektives Handeln bewegen wollen.
Warnsignale vor dem Burn-out: Eine Auszeit vom Job nehmen
Rückblickend würde ich sagen, dass ich in diesem Jahr kurz vor dem Burn-out stand, bedingt durch eine mental und körperlich ungesunde Arbeitsweise. Ich habe den Job verlassen, um nachzudenken. Ich habe eine richtige Identitätskrise durchlebt. Mein Leben lang hatte ich versucht, die Welt zu verbessern – und war dabei selbst ausgebrannt.
Während meiner Auszeit habe ich nicht nur reflektiert, was in mir selbst vorgeht, sondern auch, wie unsere heutige Wirtschaft funktioniert – und wie beides zusammenhängt. Mein Schlüsselbegriff war damals ,genug‘. Wir leben in einer Wirtschaft, die ständig mehr braucht, um zu funktionieren – und die uns vermittelt, wir hätten nie genug und würden nie genügen. Alles ist darauf gerichtet, dass wir immer mehr arbeiten und konsumieren. Das macht uns nicht glücklicher, ganz im Gegenteil: Wir brennen uns und den Planeten aus.
Ich habe mir überlegt: Was wäre, wenn wir jetzt schon das Gefühl hätten, zu genügen?
Nach dieser Einsicht habe ich gemeinsam mit einem guten Freund die Unternehmensberatung enough.consulting gegründet. Mittlerweile versuche ich, dieses ,Nicht genug‘-Denkmuster in mir zu erkennen, um mein Leben nicht mit Dingen zu füllen, sondern mit bewussten Entscheidungen, wie und mit wem ich meine Zeit verbringe. ,Qualität statt mehr‘ lautet meine Devise – und es geht mir so viel besser damit.“
Impulskäufe vermeiden: 3 Tipps für bewussten Konsum und Entschleunigung
Diese praktischen Konsumverzicht-Tipps helfen dir dabei, nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen:
- Überlege dir, was hinter deinem Kaufwunsch steckt. Brauchst du das Produkt wirklich? Oder willst du in Wahrheit einen tieferliegenden Mangel kompensieren? Unsicherheiten oder Zeitmangel beispielsweise.
- Was ist „genug“ für dich? Wie würde sich dein Leben ändern, wenn du wüsstest, du bist jetzt schon „genug“?
- Ein wirksamer Minimalismus-Tipp: Definiere dich nicht über Besitz, sondern darüber, wie und mit wem du deine Zeit verbringst. Sie ist dein wertvollstes Gut.