Gut vorbereitet ins erste Therapiegespräch
Du hast ein psychotherapeutisches Erstgespräch vereinbart – und fragst dich, was dabei passiert? Diese 10 Fragen helfen dir beim Einstieg.
Ein Erstgespräch in der Psychotherapie ist mehr als ein Kennenlernen. Es ist der Moment, in dem du spürst: Passt diese Person zu mir? Fühle ich mich sicher? Kann ich mir vorstellen, mich ihr gegenüber zu öffnen? Gleichzeitig kann dir die:der Therapeut:in bei der Einschätzung helfen, ob und in welcher Form eine Therapie sinnvoll für dich ist.
Zur Orientierung findest du hier eine persönliche Checkliste mit zehn Fragen, die du dir vor oder während des Erstgesprächs stellen kannst:
Fühle ich mich mit dieser Person sicher?
Vertraust du deiner Intuition? Ein warmes, akzeptierendes Gefühl ist oft wichtiger als einfache Sympathie. Du darfst nach dem ersten Gespräch auch „Nein“ sagen.
Ist die Methode für mich stimmig?
Frage ruhig nach dem psychotherapeutischen Ansatz (z. B. Verhaltenstherapie, Integrative Therapie etc.) – und wie er konkret funktioniert.
Wie läuft die Therapie ab – inhaltlich und organisatorisch?
Wie oft finden die Sitzungen statt? Wie lange dauern sie? Was könnte das Therapieziel sein? Auch der Rahmen zählt.
Was kostet die Therapie – und wird etwas von der Kasse übernommen?
Informiere dich über das Honorar und frage, ob die:der Therapeut:in vielleicht sogar einen offenen Kassenplatz hat. Wenn du eine private Krankenversicherung hast, erkundige dich am besten auch dort nach der Kostenübernahme.
Darf ich alles sagen?
Ja. Und wenn es schwerfällt, darfst du genau das auch sagen. Es ist okay, mit Scham, Wut oder Tränen in ein Erstgespräch zu kommen. Aber es ist auch okay, dich nicht zu öffnen, wenn du kein Vertrauen hast!
Gibt es Schweigepflicht?
Ja – mit ganz wenigen Ausnahmen. Die:der Therapeut:in wird dich am Anfang darüber aufklären.
Gibt es Wartezeiten oder ein nächstes freies Zeitfenster?
Einige Therapeut:innen sind ausgelastet – frage ruhig nach, wann eine laufende Therapie beginnen könnte.
Habe ich das Gefühl, dass ich hier wachsen kann?
Therapie ist nicht immer angenehm – aber sie soll dich unterstützen, stärker und freier zu werden. Wenn du das Gefühl hast, dass du in diesem Setting und mit der Unterstützung dieser Person wachsen kannst, lohnt es sich, weiterzugehen.
Warum bin ich eigentlich hier?
Du brauchst keine fertige Diagnose – aber es hilft, zu wissen, was dich genau belastet. Stichworte wie „ständige Erschöpfung“, „Angst, zu scheitern“ oder „nicht abschalten können“ reichen völlig.
Was wünsche ich mir von der Therapie?
Willst du besser mit Stress umgehen, deine Gefühle verstehen oder eine schwere Phase durchstehen? Klar geäußerte Erwartungen helfen dir – und auch deinem Gegenüber.
Fazit
Du brauchst keinen Plan, um eine Therapie zu beginnen. Aber du darfst Fragen stellen – und solltest auf dein Gefühl hören. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du das Erstgespräch als Chance sehen: für Klarheit, Orientierung – und vielleicht deinen ersten Schritt in Richtung Veränderung.