Einsamkeit überwinden: So nimmst du wieder Verbindung auf
Einsamkeit betrifft immer mehr junge Menschen – mit negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche. Dabei kann man einiges dagegen tun.
Einsamkeit betrifft längst nicht mehr nur ältere Generationen, sondern wiegt gerade bei jungen Menschen schwer. Doch wie entsteht soziale Isolation überhaupt, wo verläuft die Grenze zum Alleinsein, was hilft gegen Einsamkeit und welche Schritte helfen heraus? Im Interview spricht Fiona Bourlos-May, Projektmitarbeiterin bei der nationalen Plattform gegen Einsamkeit, über Ursachen, Präventionsmöglichkeiten und die Rolle von sozialen Medien sowie KI.
Warum ist das Thema ein Tabu und was können wir gegen Einsamkeit tun?
Das liegt daran, dass Einsamkeit leider oft mit persönlichem Scheitern verbunden wird. Dadurch entsteht Scham und schlussendlich ein Tabu. Aber es wird besser. Viele Leute sprechen jetzt offener darüber. Wichtig ist, Strukturen zu schaffen, die Begegnung und Zugehörigkeit erleichtern, und öfter darüber zu sprechen, dass Einsamkeit jede Person betreffen kann.
Warum sind manche Menschen einsam und andere nicht?
Einsamkeit hat viele verschiedene Ursachen. Bestimmte Lebensumstände können Einsamkeit aber begünstigen, etwa Umzug, Jobwechsel, Pensionierung oder gesundheitliche Einschränkungen. Außerdem fällt es manchen Menschen einfach leichter, auf fremde Personen zuzugehen, als anderen.
Prävention im Fokus: Was hilft gegen Einsamkeit bei Jobwechsel, Umzug oder Trennung?
Sich zuerst einmal im Klaren darüber zu sein, dass Einsamkeit aufkommen könnte. Das heißt, präventiv wäre es wichtig, regelmäßig soziale Kontakte zu pflegen, Orte der Begegnung aufzusuchen, vielleicht ein Hobby anzufangen, in Vereine einzutreten.
Es gibt ganz viele Angebote, die kostenfrei niederschwellig zugänglich sind, sodass man sich aktiv überlegen kann, wo man Leute kennenlernen könnte. Es muss ja nicht gleich ein ausgefallener Sportverein sein. Es gibt zum Beispiel Plauderrunden, bei denen man einfach in einem Café zusammenkommt.
„Menschen sollten mit Menschen kommunizieren, nicht mit Robotern.“
Können soziale Medien gegen Einsamkeit helfen oder verstärken sie sie eher?
Junge Menschen sind heutzutage stark von Einsamkeit betroffen. Soziale Medien sind in diesem Zusammenhang weder positiv noch negativ. Sie können Austausch fördern, gleichzeitig aber auch das Gefühl verstärken, außen vor zu sein. Kontakte über soziale Medien sollten jedenfalls nicht die Kontakte in der realen Welt ersetzen. Gerade im Hinblick auf KI wird es immer wichtiger, bewusst Räume für echte Begegnungen und zwischenmenschliche Verbindung zu schaffen. Menschen sollten mit Menschen kommunizieren, nicht mit Robotern.
Die Plattform gegen Einsamkeit hilft, Wege aus der Einsamkeit zu finden. Wie?
Wir haben eine Datenbank auf unserer Plattform gegen Einsamkeit, in der Begegnungsangebote aus ganz Österreich eingetragen sind. Die reichen von Online-Treffen über Plauderangebote per Telefon bis hin zu sportlichen Aktivitäten, zum Miteinander-Singen oder einem gemeinsamen Spaziergang. Man kann sich ganz einfach herausfiltern, wofür man sich interessiert.
Wann sollte man sich lieber professionelle Hilfe suchen?
Begegnungsangebote können viel bewirken, aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Wenn die mentale Gesundheit zu sehr belastet ist, sollte man sich auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen. Wenn wir (Anm.: die „Plattform gegen Einsamkeit“) das bemerken, leiten wir die Betroffenen gleich weiter, bevor die Einsamkeit sich verfestigt. Chronische Einsamkeit hängt ja auch eng mit gesundheitlichen Folgen wie Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen oder einem erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen zusammen.
Einsam vs. allein: Was ist der Unterschied?
Einsamkeit und Alleinsein werden oft verwechselt. Allein ist man, wenn keine anderen Menschen anwesend sind. Das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Heutzutage entscheiden sich viele aktiv dafür, allein zu sein. Einsame Menschen leiden hingegen darunter, dass ihnen soziale Kontakte fehlen oder diese sich nicht so anfühlen, wie sie es sich wünschen. Und man kann sich auch in einer Gruppe einsam fühlen.
Forschung zu KI als Therapie
Aktuell läuft eine Studie der außeruniversitären Forschungseinrichtung Social Innovation Research Vienna (SIRV) zum Thema Jugendeinsamkeit und KI-Nutzung. Ziel der Studie ist es, besser zu verstehen, wie junge Menschen KI-Chatbots verwenden, Einsamkeit unter Jugendlichen zu erforschen sowie verantwortungsvolle KI-Nutzung und passende Unterstützungsangebote zu fördern.