„Dieser Satz hat mein Leben verändert“
Gitta Jacob ist Psychotherapeutin und Bestsellerautorin. Auf losleben.stories erzählt sie, wie einzelne Sätze unseren Blick aufs Leben verändern können.
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Wenn ich Patient:innen am Ende einer Therapiesitzung die Frage stelle, was sie mitgenommen haben, dann kommen Sätze, die ich komplett vergessen habe. Oft ist es ein Zufallsfund, der ihnen enorm viel bedeutet – und eine neue Richtung in ihrem Leben aufzeigt.
Für mich selbst gibt es auch solche Sätze, die mich begleiten. Ich hatte zum Beispiel eine prägende mütterliche Freundin, die für ihre Generation besonders selbstständig und feministisch war. Sie sagte immer: „Beim Aufräumen soll man alles nur einmal in die Hand nehmen.“ Gemeint war: Gegenstände nicht von einem ins nächste Zimmer schieben. Sondern sie gleich in den Keller tun – oder entrümpeln. Es geht darum, Dinge nachhaltig in den Griff zu bekommen.
„Sätze, die ein Leben verändern, können ruhig banal sein.“
Keine Angst vor Klischees
Sätze, die ein Leben verändern, können ruhig banal sein. Man muss keinen Literaturnobelpreis mit ihnen gewinnen. Es geht schließlich um das Gefühl und die Haltung dahinter. Das zeige ich auch in meinem Buch „In der Komfortzone wächst nichts. Die schönsten Gärten blühen außerhalb“ – darin finden sich auch kitschige Postkartensätze. Aber: Wenn sie helfen, warum nicht?
Sätze öffnen Türen. In Therapiesitzungen sehe ich oft, dass Menschen festhängen. Eine Flutwelle an angstmachenden, ewig gleichen Gedanken reißt sie mit sich. Dann ist eine Unterbrechung wichtig. Dieses Innehalten ist oft der Moment, in dem ein zentraler Satz entsteht. Er fungiert als Leuchtturm, der hilft, sich auf ein neues Ziel zu fokussieren.
Sätze als Anker fixieren
Eine psychologische Methode, die ich gern anwende, nennt sich „Stuhldialog“: ein Gespräch mit sich selbst. Warum traut man sich Dinge nicht zu? Auf dem einen Stuhl findet man Argumente dagegen, auf dem anderen dafür. Dann fallen intuitiv Sätze wie: „Ich darf das aber!“ Patient:innen fühlen sich stark, wenn sie diese Sätze aussprechen und wiederholen. Sie lösen den Knoten im Bauch.
Wie das dann im Alltag helfen kann? Der Körper erinnert sich an dieses ermächtigende Gefühl. Allein durch diesen Satz, der eine Erinnerung weckt – und wie ein Anker fungiert.
Jeder Lebensabschnitt ist anders
Diese Sätze sind individuell – und verändern sich. Wenige funktionieren ein Leben lang. Wie man nun die großen, wichtigen Sätze für sich selbst findet? Ich würde sagen: Die Sätze finden uns. Sie sprechen uns sehr direkt an, bringen persönliche Themen auf den Punkt. Ein Beispiel aus dem Buch ist: „Erwachsen ist man, wenn man es aushält, andere Menschen zu enttäuschen.“ Man versteht sofort das Problem – und einen möglichen Ausweg.
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In der Komfortzone wächst nichts. Die schönsten Gärten blühen außerhalb. 52 Sätze, die weiterbringen.
Gitta Jacob
Kneipp Verlag
ISBN 978-3-7088-0872-7
Erschienen im Oktober 2025