Die Collage zeigt ein Porträtbild einer Frau mit kinnlangen dunklen Haaren, sie hält ihre Hand ans Kinn, blickt schräg nach oben und verzieht den Mund. Oben rechts ist eine gelb-lila Sprechblase zu sehen mit drei Punkten und einem Rufezeichen.

„Dieser Satz hat mein Leben verändert“

Gitta Jacob ist Psycho­therapeutin und Best­seller­autorin. Auf losleben.stories erzählt sie, wie einzelne Sätze unseren Blick aufs Leben verändern können.

Format:
Meine Story
Autor:
Karin Cerny
zuletzt geändert:
14.04.2026
Lesezeit:
1 Minute

Wenn ich Patient:innen am Ende einer Therapie­sitzung die Frage stelle, was sie mit­genommen haben, dann kommen Sätze, die ich komplett vergessen habe. Oft ist es ein Zufalls­fund, der ihnen enorm viel bedeutet – und eine neue Richtung in ihrem Leben aufzeigt.

Für mich selbst gibt es auch solche Sätze, die mich begleiten. Ich hatte zum Beispiel eine prägende mütter­liche Freundin, die für ihre Generation besonders selbstständig und feministisch war. Sie sagte immer: „Beim Aufräumen soll man alles nur einmal in die Hand nehmen.“ Gemeint war: Gegen­stände nicht von einem ins nächste Zimmer schieben. Sondern sie gleich in den Keller tun – oder entrümpeln. Es geht darum, Dinge nach­haltig in den Griff zu bekommen. 

„Sätze, die ein Leben verändern, können ruhig banal sein.“
Gitta Jacob

Keine Angst vor Klischees

Sätze, die ein Leben verändern, können ruhig banal sein. Man muss keinen Literatur­nobel­preis mit ihnen gewinnen. Es geht schließlich um das Gefühl und die Haltung dahinter. Das zeige ich auch in meinem Buch „In der Komfort­zone wächst nichts. Die schönsten Gärten blühen außerhalb“ – darin finden sich auch kitschige Post­karten­sätze. Aber: Wenn sie helfen, warum nicht?

Sätze öffnen Türen. In Therapie­sitzungen sehe ich oft, dass Menschen festhängen. Eine Flut­welle an angst­machenden, ewig gleichen Gedanken reißt sie mit sich. Dann ist eine Unter­brechung wichtig. Dieses Inne­halten ist oft der Moment, in dem ein zentraler Satz entsteht. Er fungiert als Leucht­turm, der hilft, sich auf ein neues Ziel zu fokussieren.

Sätze als Anker fixieren

Eine psycho­logische Methode, die ich gern anwende, nennt sich „Stuhldialog“: ein Gespräch mit sich selbst. Warum traut man sich Dinge nicht zu? Auf dem einen Stuhl findet man Argumente dagegen, auf dem anderen dafür. Dann fallen intuitiv Sätze wie: „Ich darf das aber!“ Patient:innen fühlen sich stark, wenn sie diese Sätze aussprechen und wiederholen. Sie lösen den Knoten im Bauch.

Wie das dann im Alltag helfen kann? Der Körper erinnert sich an dieses ermächtigende Gefühl. Allein durch diesen Satz, der eine Erinnerung weckt – und wie ein Anker fungiert.

Jeder Lebensabschnitt ist anders

Diese Sätze sind individuell – und verändern sich. Wenige funktionieren ein Leben lang. Wie man nun die großen, wichtigen Sätze für sich selbst findet? Ich würde sagen: Die Sätze finden uns. Sie sprechen uns sehr direkt an, bringen persönliche Themen auf den Punkt. Ein Beispiel aus dem Buch ist: „Erwachsen ist man, wenn man es aushält, andere Menschen zu enttäuschen.“ Man versteht sofort das Problem – und einen möglichen Ausweg.

Porträtbild einer Frau mit blonden, zusammengebundenen Haaren in schwarzer Lederjacke, dahinter viel Grün und eine Wasseroberfläche.
Gitta Jacob ist Expertin für Schema­therapie, arbeitete an renommierten Universitäten und ist heute leitende Psycho­­therapeutin bei GAIA AG in Hamburg. In ihren Büchern vermittelt die Best­seller­autorin psychologische Konzepte praxisnah.
© privat
Buchcover in kräftigem Blau mit roter Schrift

In der Komfortzone wächst nichts. Die schönsten Gärten blühen außerhalb. 52 Sätze, die weiterbringen.

Gitta Jacob
Kneipp Verlag 
ISBN 978-3-7088-0872-7
Erschienen im Oktober 2025