Beziehung frisch halten: Vom Honeymoon zu langjähriger Liebe
Die erste Zeit als Paar ist besonders schön. Irgendwann lässt der Honeymoon-Effekt jedoch nach. Das ist normal – und sogar wichtig.
Verliebtheitsphase: Warum schweben wir anfangs auf „Wolke sieben“?
Im Gehirn werden Belohnungs- und Motivationssysteme aktiviert, Dopamin spielt dabei eine große Rolle. Viele erleben das fast wie einen Rauschzustand, mit Euphorie und enormer emotionaler Fokussierung auf die andere Person. Psychologisch wird in dieser Phase stark idealisiert und projiziert: Man verliebt sich nicht nur in die reale Person, sondern auch in die eigenen Hoffnungen und Fantasien, was diese Beziehung ermöglichen könnte.
Dauer der Verliebtheitsphase: Ist der „Honeymoon-Effekt“ normal?
Manche Forschenden vergleichen die frühe Verliebtheitsphase augenzwinkernd mit einer „vorübergehenden Psychose“, weil die Wahrnehmung der Realität zeitweise verzerrt sein kann. Aber der Honeymoon-Effekt ist normal und für die Beziehung wichtig: Die starke emotionale Aktivierung hilft, sich auf Nähe und Bindung einzulassen.
Warum endet die Verliebtheitsphase eigentlich?
Sie ist stark von Idealisierung geprägt, früher oder später setzt aber mehr Realitätssinn ein. Man nimmt auch die anstrengenden, weniger perfekten Seiten der:des anderen wahr. Für die Beziehung ist das wichtig: Erst wenn Ambivalenz möglich wird, also „Ich liebe dich und manchmal nervst du mich“, kann eine realistischere und stabilere Form von Beziehung entstehen.
„Wer die Verliebtheit aufrechterhalten will, sollte bewusst Freiräume schaffen.“
Ist das „verflixte dritte Jahr“ besonders kritisch?
Studien zeigen erhöhte Trennungsraten nach einigen Jahren, daraus lässt sich jedoch kein allgemeingültiges Gesetz ableiten. Vielleicht ist das „verflixte dritte Jahr“ weniger eine Frage der Zeit als eine Frage der Haltung in einer langjährigen Beziehung: Bleibt die Beziehung ein Ort der gegenseitigen Entdeckung, oder glauben beide, alles über die:den anderen zu wissen?
Wie bleibt eine Beziehung langfristig glücklich?
Sehr wichtig ist Neugier. Nicht nur in schönen Momenten, sondern gerade in Konflikten. Solange ich neugierig darauf bleibe, wie mein Gegenüber die Welt erlebt, warum sie oder er so fühlt, denkt oder handelt, ist Entwicklung möglich. Das Geheimnis langjähriger Liebe liegt nicht darin, den Zauber des Anfangs festzuhalten, sondern sich immer wieder bewusst zu machen, wie viel am Gegenüber noch unbekannt ist.
Was tun, wenn der Alltag die Beziehung belastet?
Dagegen hilft, immer wieder gemeinsam in eine andere Welt einzutauchen. Wenn wir permanent mit To-do-Listen beschäftigt sind, verliert die Beziehung einen Teil jener Qualitäten, die Menschen ursprünglich zueinander hingezogen haben. Wer die Verliebtheit aufrechterhalten will, sollte bewusst Freiräume schaffen. Man muss dafür keine Weltreise buchen. Manchmal reichen ein gemeinsames Abendessen, ein Spaziergang, ein Konzertbesuch. Neugier, Verbundenheit und Anziehung brauchen Raum zum Atmen. Entscheidend ist die Intentionalität, kurzzeitig aus den gewohnten Rollen auszusteigen.
Hiina Smyth ist Psychotherapeutin am Institut „Wiener Couch“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Beziehung, Partnerschaft, Persönlichkeitsentwicklung sowie Interkulturelle Themen.
Beziehung frisch halten: 3 Tipps für eine langjährige Beziehung
- Neugierig bleiben: Vieles, was wir über unsere:n Partner:in zu wissen glauben, sind Hypothesen, die wir im Laufe der Jahre zu Gewissheiten erklärt haben. Die:der Partner:in ist aber vielfältiger als das Bild, das wir uns gemacht haben. Tipp: Immer neugierig aufeinander bleiben – und möglichst viele First-Times miteinander erleben. Reisen, neues Essen ausprobieren, gemeinsam Menschen kennenlernen. So entdecken wir auch an Partner oder Partnerin immer neue Seiten.
- Freiräume schaffen: Nach mehreren gemeinsamen Jahren wird die Begeisterung der ersten Monate selten spontan zurückkehren. Wichtig ist, sich gemeinsame ruhige und positive Momente zu gönnen. Warum nicht nachmittags die Hängematte im Park aufspannen oder vor der Arbeit eine Radrunde drehen, wenn die Wiesen noch taufeucht sind und die Vögel singen. Gemeinsam durchatmen, sich freuen: Heute gehört die Welt nur uns!
- „Honeymoon“ 2.0: Im Lauf der Beziehung kann eine neue Verliebtheit entstehen: Weniger rauschhaft und idealisierend, dafür getragen von emotionaler Intimität und Vertrauen. Wichtig ist, dass sich das Paar weiterhin spannend, lebendig und emotional erreichbar erlebt. Konkret kann das heißen: Offen bleiben, auf kleine Signale des anderen achten, spüren, was er oder sie gerade brauchen könnte.