Zwei weiße Schwäne schwimmen auf dem Wasser und bilden mit ihren Hälsen eine Herzform.

Beziehung frisch halten: Vom Honeymoon zu langjähriger Liebe

Die erste Zeit als Paar ist besonders schön. Irgendwann lässt der Honeymoon-Effekt jedoch nach. Das ist normal – und sogar wichtig.

Format:
Interview
Autor:
Wolfgang Knabl
zuletzt geändert:
28.10.2026
Lesezeit:
2 Minuten

Verliebtheitsphase: Warum schweben wir anfangs auf „Wolke sieben“?

Im Gehirn werden Belohnungs- und Motivations­systeme aktiviert, Dopamin spielt dabei eine große Rolle. Viele erleben das fast wie einen Rausch­zustand, mit Eupho­rie und enormer emotio­naler Fokussierung auf die andere Person. Psycho­logisch wird in dieser Phase stark ideali­siert und projiziert: Man verliebt sich nicht nur in die reale Person, sondern auch in die eigenen Hoffnungen und Fantasien, was diese Beziehung er­mögli­chen könnte.

Dauer der Verliebtheitsphase: Ist der „Honeymoon-Effekt“ normal?

Manche Forschenden vergleichen die frühe Ver­liebtheits­phase augen­zwinkernd mit einer „vorüber­gehenden Psychose“, weil die Wahr­nehmung der Realität zeit­weise verzerrt sein kann. Aber der Honeymoon-Effekt ist normal und für die Beziehung wichtig: Die starke emo­tionale Akti­vierung hilft, sich auf Nähe und Bindung einzu­lassen.

Warum endet die Verliebtheitsphase eigentlich?

Sie ist stark von Ideali­sierung geprägt, früher oder später setzt aber mehr Realitäts­sinn ein. Man nimmt auch die anstrengenden, weniger perfekten Seiten der:des anderen wahr. Für die Beziehung ist das wichtig: Erst wenn Ambi­valenz möglich wird, also „Ich liebe dich und manchmal nervst du mich“, kann eine realistischere und stabilere Form von Beziehung entstehen.

Psychotherapeutin Hiina Smyth sitzt entspannt auf einer grauen Couch, trägt eine weiße Bluse, eine rote Hose und helle Pumps.
„Wer die Verliebtheit aufrechterhalten will, sollte bewusst Freiräume schaffen.“
Hiina Smyth, Psychotherapeutin
© Wiener Couch

Ist das „verflixte dritte Jahr“ besonders kritisch?

Studien zeigen erhöhte Trennungs­raten nach einigen Jahren, daraus lässt sich jedoch kein allge­mein­gültiges Gesetz ableiten. Vielleicht ist das „verflixte dritte Jahr“ weniger eine Frage der Zeit als eine Frage der Haltung in einer langjährigen Beziehung: Bleibt die Beziehung ein Ort der gegen­seitigen Ent­deckung, oder glauben beide, alles über die:den anderen zu wissen?

Wie bleibt eine Beziehung langfristig glücklich?

Sehr wichtig ist Neugier. Nicht nur in schönen Momenten, sondern gerade in Konflik­ten. Solange ich neu­gierig darauf bleibe, wie mein Gegen­über die Welt erlebt, warum sie oder er so fühlt, denkt oder handelt, ist Ent­wicklung möglich. Das Geheim­nis lang­jähriger Liebe liegt nicht darin, den Zauber des Anfangs fest­zu­halten, sondern sich immer wieder bewusst zu machen, wie viel am Gegen­über noch un­bekannt ist.

Was tun, wenn der Alltag die Beziehung belastet?

Dagegen hilft, immer wieder gemein­sam in eine andere Welt ein­zu­tauchen. Wenn wir per­manent mit To-do-Listen beschäftigt sind, verliert die Beziehung einen Teil jener Quali­täten, die Menschen ur­sprünglich zu­einander hin­gezogen haben. Wer die Verliebt­heit aufrechterhalten will, sollte bewusst Frei­räume schaffen. Man muss dafür keine Welt­reise buchen. Manchmal reichen ein gemeinsames Abend­essen, ein Spazier­gang, ein Konzert­besuch. Neugier, Verbunden­heit und Anziehung brauchen Raum zum Atmen. Entscheidend ist die Intentionali­tät, kurz­zeitig aus den gewohnten Rollen aus­zu­steigen.

Psychotherapeutin Hiina Smyth sitzt entspannt auf einer grauen Couch, trägt eine weiße Bluse, eine rote Hose und helle Pumps.
© Wiener Couch

Hiina Smyth ist Psycho­thera­peutin am Institut „Wiener Couch“. Ihre Arbeits­schwer­punkte sind Beziehung, Partner­schaft, Persönlich­keits­entwicklung sowie Inter­kulturelle Themen.

Beziehung frisch halten: 3 Tipps für eine langjährige Beziehung

  1. Neugierig bleiben: Vieles, was wir über unsere:n Partner:in zu wissen glauben, sind Hypo­thesen, die wir im Laufe der Jahre zu Gewiss­heiten erklärt haben. Die:der Partner:in ist aber vielfältiger als das Bild, das wir uns gemacht haben. Tipp: Immer neu­gierig auf­einander bleiben – und möglichst viele First-Times mit­einander erleben. Reisen, neues Essen aus­probieren, gemeinsam Menschen kennen­lernen. So entdecken wir auch an Partner oder Partnerin immer neue Seiten.
  2. Freiräume schaffen: Nach mehreren gemeinsamen Jahren wird die Be­geisterung der ersten Monate selten spontan zurück­kehren. Wichtig ist, sich gemeinsame ruhige und positive Momente zu gönnen. Warum nicht nachmittags die Hänge­matte im Park auf­spannen oder vor der Arbeit eine Rad­runde drehen, wenn die Wiesen noch tau­feucht sind und die Vögel singen. Gemeinsam durch­atmen, sich freuen: Heute gehört die Welt nur uns!
  3. „Honeymoon“ 2.0: Im Lauf der Beziehung kann eine neue Verliebtheit entstehen: Weniger rauschhaft und idealisierend, dafür getragen von emotionaler Intimität und Vertrauen. Wichtig ist, dass sich das Paar weiter­hin spannend, lebendig und emotional erreich­bar erlebt. Konkret kann das heißen: Offen bleiben, auf kleine Signale des anderen achten, spüren, was er oder sie gerade brauchen könnte.