Eine lächelnde Frau im grünen Pyjama und mit weißer Schlafmaske sitzt im Schneidersitz auf dem Bett und umarmt gemütlich ein großes, weißes Kissen.

Zirkadianer Rhythmus: Hör auf deine innere Uhr

Künstliches Licht, Stress und ein unregelmäßiger Tagesablauf irritieren die „innere Uhr“. Lebst du im Einklang mit deinem Biorhythmus, steigt dein Wohlbefinden.

Format:
Im Fokus
Autor:
Greta Lun
zuletzt geändert:
24.06.2026
Lesezeit:
4 Minuten

IN DIESEM ARTIKEL ERFÄHRST DU, ...

  • dass die Hormone Cortisol und Melatonin deinen Tag-Nacht-Rhythmus steuern.
  • dass Menschen, die ihre innere Uhr missachten, öfter erkranken.
  • wie du deinen Biorhythmus in den Griff kriegst.
     

Es soll ja Menschen geben, die frühmorgens schon putzmunter sind: Noch bevor der Wecker läutet, springen sie fröhlich aus dem Bett und starten motiviert in den Tag. Andere dagegen drücken mehrfach auf „Snooze“ und kommen auch nach dem dritten Läuten kaum in die Gänge – dafür erleben sie nachmittags oder abends ihr Energiehoch. 

Deinen Biorhythmus kannst du dir jedenfalls nicht aussuchen – er ist angeboren –, und du solltest auch nicht dagegen ankämpfen! Denn Studien zeigen, dass du deiner Gesund­heit etwas Gutes tust, wenn du deinen Tages­ablauf möglichst nach deiner inneren Uhr ausrichtest. 

Drei Chronotypen: Wo ordnest du dich ein?

Was ist der zirkadiane Rhythmus?

Der Begriff kommt von „zirka“, also ungefähr, weil unser Körper physiologische Vorgänge auf ungefähr 24 Stunden synchronisiert. Das hängt stark mit den ausgeschütteten Hormonen zusammen: Das Stresshormon Cortisol erreicht morgens seinen höchsten Stand und hilft uns, in die Gänge zu kommen. Melatonin wird hingegen bei Dunkelheit produziert und macht uns schläfrig. So steuern Hormone deinen Tag-Nacht-Rhythmus und damit auch deine innere Uhr.

Eine kreisförmige Infografik zum zirkadianen Rhythmus zeigt den 24-Stunden-Verlauf der inneren Uhr mit biologischen Phasen wie Schlaf, Blutdruckspitzen und der Melatonin-Ausschüttung auf gelbem Hintergrund.
Unsere „innere Uhr“ steuert unsere Leistungs­fähigkeit sowie andere körperliche Vorgänge wie Stoff­wechsel oder Blutdruck.
© Egger & Lerch

Womit beschäftigt sich die Chronobiologie?

Die Chronobiologie untersucht den zeitlichen Rhythmus biologischer Prozesse. „Chronos“ ist griechisch und bedeutet „Zeit“. Auch Eva Schernhammer, die Forschungs­gruppen an der MedUni Wien und an der Universität Harvard leitet, untersucht das Thema intensiv: „Die Mechanismen, die dahinter­stecken, sind evolutionär bedingt und demnach sehr alt. Sie betreffen nicht nur uns Menschen: Auch bei bestimmten Pflanzen schließt sich die Blüte, wenn die Sonne untergeht. Wir Menschen leben weniger im Einklang mit der Natur und können unseren Rhythmus bewusst verändern und unser System auch mit künstlichem Licht täuschen. Das kann zu gesund­heitlichen Problemen führen.“ 

Macht uns ein gestörter Biorhythmus krank?

Für diese Frage interessiert sich die Wissenschaft schon seit einigen Jahrzehnten und hat auch schon erste Antworten gefunden. Die Hoffnung ist, mehr über die Entstehung von Erkrankungen zu erfahren und mögliche Strategien für die Behandlung und die Vorsorge zu finden. Was man sicher sagen kann: „Ist der Bio­rhythmus gestört, steigt das Risiko zu erkranken. Das ist aber von Person zu Person sehr unter­schiedlich“, erklärt Eva Schernhammer, die beispiels­weise in mehreren Projekten untersuchte, ob Nacht­arbeit das Risiko für Brust­krebs erhöht – und die Welt­gesundheits­organisation bestätigte diese Einschätzung.

Porträt der lächelnden Epidemiologin Eva Schernhammer mit blonden Haaren und dunklem Oberteil.
Eva Schernhammer ist Ärztin und Epidemiologin an der MedUni Wien und in Harvard. In diversen Forschungs­projekten untersucht sie, wie sich eine gestörte innere Uhr auf die Gesundheit auswirkt.
© MedUni Wien/feelimage

Taktgeber Licht: Wie Helligkeit uns beeinflusst

Wissenschaftlich bestätigt ist, dass Licht ein sogenannter Zeitgeber ist. Nachtlicht stört den Schlaf – aber nicht alle von uns reagieren gleich empfindlich darauf. Schernhammers Spezial­gebiet sind chronische Erkrankungen, die von einem gestörten biologischen Rhythmus kommen – etwa bei Ange­stellten im Nacht­dienst, die lange Zeit entgegen ihrem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus leben. „Ob Tageslicht oder künst­liches Licht – das macht tatsächlich einen Unter­schied“, sagt die Forscherin. Nachtlicht störe den Schlaf, wobei Morgen­menschen davon stärker beein­trächtigt seien als Abend­menschen. Eine Studie zeigt, wie groß die Unter­schiede sind: Manche Menschen reagierten abends bis zu 50-mal stärker auf Umgebungs­licht als andere

Wie wichtig ist ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus?

Regelmäßigkeit ist „in den vergangenen Jahren das neue Hot Topic in der Forschung geworden“, sagt Schernhammer. Wer immer zur gleichen Zeit ins Bett geht und zur gleichen Uhrzeit morgens aufsteht, hat ein deutlich niedrigeres Risiko, chronisch zu erkranken. „Die Aus­wirkungen lassen sich ganz deutlich messen.“ Das liegt auch daran, dass die Nacht für den Körper eine wesentliche Erholungs­phase ist, in der Reparatur­vorgänge stattfinden. Übrigens: Auch dazu, wie du deine Schlaf­hygiene verbessern kannst, gibt es einen losleben.stories-Beitrag.

Helfen Melatonin-Tabletten?

Melatonin soll als Spray oder in Tabletten­form beim Einschlafen helfen. Doch Schernhammer gibt zu bedenken: „Wir wissen noch nicht, was eine langfristige Einnahme bewirkt, daher kann ich die Melatonin-Einnahme nicht generell empfehlen.“ Schließlich handle es sich um ein Hormon, das auch mit anderen interagieren kann.
 

Porträt der lächelnden Epidemiologin Eva Schernhammer mit blonden Haaren und dunklem Oberteil
„Wir sollten wieder stärker im Einklang mit der Natur leben und ihre Abläufe respektieren.“
Eva Schernhammer
© MedUni Wien/feelimage

Wie wirkt der zirkadiane Rhythmus auf deinen Stoffwechsel?

Auch Essen ist ein Zeitgeber. Sprich: Der Zeitpunkt, wann du eine Mahlzeit zu dir nimmst, beeinflusst deinen Stoffwechsel, Alterungs­prozesse oder die Entstehung von Krank­heiten. Spät zu essen, ist nicht gut, wie eine Studie belegt. Denn da verbrennt der Körper weniger Kalorien. Die Folge: Du schläfst schlechter und nimmst eher zu. Doch auch das ist nicht bei jedem gleich: Jeder Mensch verfügt über ein individuelles Zeitfenster, in dem die Nahrung am besten verstoffwechselt werden kann. 

Übrigens ist auch Intervallfasten eine Empfehlung aus der Chronobiologie. Beliebt ist die 16/8-Methode, bei der man in einem Zeitfenster von 16 Stunden nichts isst und sich in den restlichen acht Stunden zwei Hauptmahlzeiten ausgehen. Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzicht auf Nahrung in einem längeren Zeitfenster das Risiko für chronische Erkrankungen senkt. Eindeutig geklärt sind die Zusammenhänge aber noch nicht.

Wie beeinflusst die Zeit­um­stellung den Tag-Nacht-Rhythmus?

Wenn wir im Frühling und im Herbst die Uhr umstellen, müssen wir uns erst einmal daran gewöhnen – und auch da tun sich manche leichter als andere. „In dieser Zeit passieren tatsächlich häufiger Unfälle“, erklärt Schernhammer. Auch bei Tieren verursacht die Änderung Stress. Deshalb wird immer wieder diskutiert, die Zeit­umstellung abzu­schaffen – bislang ohne Erfolg.

Was hilft gegen eine gestörte innere Uhr?

Probier es mal mit regelmäßigen Schlafens­zeiten, Tages­licht zum Wach­werden und abends sanfter Dunkel­heit – ohne Handy­display oder Zeit vor dem Computer­bildschirm. Komplett abgedunkelte Schlafzimmer können übrigens kontra­produktiv wirken. Schernhammer rät, sich morgens vom Tages­licht wecken zu lassen. „Wir sollten wieder stärker im Einklang mit der Natur leben und ihre Abläufe respektieren“, sagt sie. „Oft genügen zwei bis drei Tage, bis sich der Bio­rhythmus wieder einpendelt.“ 

Fünf Tipps für deinen Biorhythmus

  1. Hör auf deinen Instinkt: Was tut dir gut und was nicht?
  2. Eliminiere störende Lichtquellen im Schlaf­zimmer und setze dich möglichst wenig Licht aus, wenn du nachts aufstehen musst.
  3. Kein blaues Licht vor dem Schlafen­gehen. Manche Geräte haben Blaulicht-Filter.
  4. Vermeide schwere Kost in der Nacht, denn dein Körper kann sie nicht so gut verstoffwechseln.
  5. Wenn möglich: Lass dich morgens von der Sonne wecken. Auch eine Tageslicht­lampe hilft deinem Körper bei der Cortisolproduktion.