Collage mit zwei Orangen

Vitamin C: „Würden Sie mich in der Extrawurst vermuten?“

Das Vitamin C ist das prominenteste unter den 13 Vitaminen: Darum freuen wir uns, dass es losleben.stories ein Exklusiv­interview gewährte.

Format:
Interview
Autor:
Maya McKechneay
zuletzt geändert:
02.01.2026
Lesezeit:
3 Minuten

IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...

  • dass Vitamin C für Knochen, Haut und Immunsystem wichtig ist.
  • dass in der Brennnessel besonders viel davon steckt.
  • dass es nicht wissen­schaftlich bewiesen ist, dass Vitamin C gegen Erkältungen hilft.

Vitamin C, Ihr Name enthält ja „Vita“, das „Leben“: Inwiefern sind Sie denn lebenswichtig?

Vitamin C: Ihr Menschen braucht mich unter anderem für den Auf­bau von Binde­gewebe, Knochen, Knorpeln und Zahn­fleisch. Als Antioxidans schütze ich vor Zell­schäden. Außerdem kann ich die Auf­nahme von pflanzlichem Eisen im Körper verbessern: Trinken Sie zu Spinat ein Glas Orangen­saft, dann nimmt Ihr Körper mehr Eisen auf! Ach ja: Auch die Wund­heilung beeinflusse ich positiv … aber … 

Sie zögern?

Vitamin C: Wenn Sie mich nach meinen Eigen­schaften fragen, blicken Sie natürlich stark durch die mensch­liche Brille. In Ihren Augen bin ich ein Vitamin. Für andere gelte ich aber als Meta­bolit. Jetzt möchten Sie sicher wissen, was das ist?

Bitte, erklären Sie es uns.

Vitamin C: Ein Metabolit ist ein Zwischen­produkt in einem Stoff­wechsel­vorgang. Ihr Menschen könnt im eigenen Körper kein Vitamin C bilden, weil euch das notwendige Enzym fehlt. Deshalb müsst ihr mich von außen „zuführen“. Die meisten Tiere haben aber dieses Enzym und bilden mich selbst. Für die bin ich ein Metabolit.

Sie sagen, wir müssen Sie mit der Nahrung aufnehmen. Wie viel sollte es denn sein?

Vitamin C: Männer sollten jeden Tag 110 Milligramm, Frauen 95 Milligramm von mir zu sich nehmen.

Viele wissen, dass Sie in Obst, vor allem in Südfrüchten, enthalten sind. Halten Sie sich auch andernorts auf?

Vitamin C: (stolz) Natürlich. Ich werde zum Beispiel von Lebens­mittel­chemikern eingesetzt, um Waren haltbar zu machen oder dafür zu sorgen, dass die Farben schön frisch bleiben. Das kann ich gut. Würden Sie mich zum Beispiel in der Extra­wurst vermuten?

Nicht unbedingt – gibt es Sie in unseren Breiten­graden denn auch in freier Natur?

Vitamin C: Wenn Sie mal in der Wildnis überleben müssen, empfehle ich Ihnen einen Brenn­nessel­salat. Beim Vitamin-C-reichen Gemüse ist die Nessel mit 330 Milligramm pro 100 Gramm ganz weit oben. Auch ein guter Vitamin-C-Survival­tipp: Bärlauch. Für den brauchen Sie auch keine Hand­schuhe (kichert).

Aufsicht von einer halbierten Orange mit saftigem Fruchtfleisch
„Man hat mich ja erst 1931 offiziell entdeckt!“
Vitamin C
© Shutterstock/grey_and

Aber ist es denn überhaupt notwendig, auf die Vitamin-C-Zufuhr zu achten? Oder enthält ein durchschnittlicher Speiseplan genug?

Vitamin C: Wer sich einigermaßen gesund ernährt, muss sich keine Sorgen machen. Früher war das anders. Denken Sie an eine Bauernfamilie um 1800. Wenn es da nicht gerade Kohl gab, kam ich im Winter wochen­lang nicht auf den Tisch. Oder denken Sie an die Seefahrer!

Seefahrer? Warum gerade an die?

Vitamin C: Die dachten, sie können ohne mich auf weite Fahrt gehen, mit Pökel­fleisch und Schiffs­zwieback an Bord. Nach einigen Wochen hatten die Matrosen wackelige Zähne.

Sie sprechen von Skorbut?

Vitamin C: Natürlich. Bis ins 18. Jahrhundert war das die häufigste Todes­ursache für See­fahrer. Dabei hätte schon ein Fass Sauer­kraut oder Äpfel gereicht, um dieser Vitamin-C-Mangelkrankheit vorzubeugen. Nur: Damals wusste niemand, dass Skorbut mit mir zusammen­hängt. Man hat mich ja erst 1931 offiziell entdeckt!

Wie ging diese Entdeckung vor sich, können Sie sich erinnern?

Vitamin C: Aber ja. Die Wissen­schaft hatte sich schon länger mit Skorbut beschäftigt und verschiedene Lebens­mittel dagegen ausprobiert. Im Jahr 1931 isolierten schließlich zwei US-Biochemiker kristallines Vitamin C aus Zitronen­saft und erkannten, dass es Skorbut heilt. Sie gaben diesem Pulver meinen Namen. Später bekam ich noch einen: Ascorbinsäure.

Und vor Erkältungen schützen Sie auch? Zumindest hört man in der Werbung, dass Vitamin-C-Präparate helfen.

Vitamin C: (hochnäsig) So, hört man das? Wissen­schaftlich bewiesen ist es nicht. Eine normale Vitamin-C-Versorgung über die Nahrung sollte eigentlich reichen.

Gibt es trotzdem Menschen, denen Sie raten, zusätzlich Vitamin C einzunehmen?

Vitamin C: Menschen, die Diabetes haben, rauchen oder Leistungs­sport betreiben, haben oft einen erhöhten Bedarf, wie auch Schwangere oder ältere Menschen. Aber im Zweifels­fall: Fragen Sie Ihre:n Ärzt:in, Apotheker:in – oder, am besten, fragen Sie mich! 

Mit besonderem Dank an Sozialmediziner Michael Kunze von der MedUni Wien.