Vitamin C: „Würden Sie mich in der Extrawurst vermuten?“
Das Vitamin C ist das prominenteste unter den 13 Vitaminen: Darum freuen wir uns, dass es losleben.stories ein Exklusivinterview gewährte.
IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...
- dass Vitamin C für Knochen, Haut und Immunsystem wichtig ist.
- dass in der Brennnessel besonders viel davon steckt.
- dass es nicht wissenschaftlich bewiesen ist, dass Vitamin C gegen Erkältungen hilft.
Vitamin C, Ihr Name enthält ja „Vita“, das „Leben“: Inwiefern sind Sie denn lebenswichtig?
Vitamin C: Ihr Menschen braucht mich unter anderem für den Aufbau von Bindegewebe, Knochen, Knorpeln und Zahnfleisch. Als Antioxidans schütze ich vor Zellschäden. Außerdem kann ich die Aufnahme von pflanzlichem Eisen im Körper verbessern: Trinken Sie zu Spinat ein Glas Orangensaft, dann nimmt Ihr Körper mehr Eisen auf! Ach ja: Auch die Wundheilung beeinflusse ich positiv … aber …
Sie zögern?
Vitamin C: Wenn Sie mich nach meinen Eigenschaften fragen, blicken Sie natürlich stark durch die menschliche Brille. In Ihren Augen bin ich ein Vitamin. Für andere gelte ich aber als Metabolit. Jetzt möchten Sie sicher wissen, was das ist?
Bitte, erklären Sie es uns.
Vitamin C: Ein Metabolit ist ein Zwischenprodukt in einem Stoffwechselvorgang. Ihr Menschen könnt im eigenen Körper kein Vitamin C bilden, weil euch das notwendige Enzym fehlt. Deshalb müsst ihr mich von außen „zuführen“. Die meisten Tiere haben aber dieses Enzym und bilden mich selbst. Für die bin ich ein Metabolit.
Sie sagen, wir müssen Sie mit der Nahrung aufnehmen. Wie viel sollte es denn sein?
Vitamin C: Männer sollten jeden Tag 110 Milligramm, Frauen 95 Milligramm von mir zu sich nehmen.
Viele wissen, dass Sie in Obst, vor allem in Südfrüchten, enthalten sind. Halten Sie sich auch andernorts auf?
Vitamin C: (stolz) Natürlich. Ich werde zum Beispiel von Lebensmittelchemikern eingesetzt, um Waren haltbar zu machen oder dafür zu sorgen, dass die Farben schön frisch bleiben. Das kann ich gut. Würden Sie mich zum Beispiel in der Extrawurst vermuten?
Nicht unbedingt – gibt es Sie in unseren Breitengraden denn auch in freier Natur?
Vitamin C: Wenn Sie mal in der Wildnis überleben müssen, empfehle ich Ihnen einen Brennnesselsalat. Beim Vitamin-C-reichen Gemüse ist die Nessel mit 330 Milligramm pro 100 Gramm ganz weit oben. Auch ein guter Vitamin-C-Survivaltipp: Bärlauch. Für den brauchen Sie auch keine Handschuhe (kichert).
„Man hat mich ja erst 1931 offiziell entdeckt!“
Aber ist es denn überhaupt notwendig, auf die Vitamin-C-Zufuhr zu achten? Oder enthält ein durchschnittlicher Speiseplan genug?
Vitamin C: Wer sich einigermaßen gesund ernährt, muss sich keine Sorgen machen. Früher war das anders. Denken Sie an eine Bauernfamilie um 1800. Wenn es da nicht gerade Kohl gab, kam ich im Winter wochenlang nicht auf den Tisch. Oder denken Sie an die Seefahrer!
Seefahrer? Warum gerade an die?
Vitamin C: Die dachten, sie können ohne mich auf weite Fahrt gehen, mit Pökelfleisch und Schiffszwieback an Bord. Nach einigen Wochen hatten die Matrosen wackelige Zähne.
Sie sprechen von Skorbut?
Vitamin C: Natürlich. Bis ins 18. Jahrhundert war das die häufigste Todesursache für Seefahrer. Dabei hätte schon ein Fass Sauerkraut oder Äpfel gereicht, um dieser Vitamin-C-Mangelkrankheit vorzubeugen. Nur: Damals wusste niemand, dass Skorbut mit mir zusammenhängt. Man hat mich ja erst 1931 offiziell entdeckt!
Wie ging diese Entdeckung vor sich, können Sie sich erinnern?
Vitamin C: Aber ja. Die Wissenschaft hatte sich schon länger mit Skorbut beschäftigt und verschiedene Lebensmittel dagegen ausprobiert. Im Jahr 1931 isolierten schließlich zwei US-Biochemiker kristallines Vitamin C aus Zitronensaft und erkannten, dass es Skorbut heilt. Sie gaben diesem Pulver meinen Namen. Später bekam ich noch einen: Ascorbinsäure.
Und vor Erkältungen schützen Sie auch? Zumindest hört man in der Werbung, dass Vitamin-C-Präparate helfen.
Vitamin C: (hochnäsig) So, hört man das? Wissenschaftlich bewiesen ist es nicht. Eine normale Vitamin-C-Versorgung über die Nahrung sollte eigentlich reichen.
Gibt es trotzdem Menschen, denen Sie raten, zusätzlich Vitamin C einzunehmen?
Vitamin C: Menschen, die Diabetes haben, rauchen oder Leistungssport betreiben, haben oft einen erhöhten Bedarf, wie auch Schwangere oder ältere Menschen. Aber im Zweifelsfall: Fragen Sie Ihre:n Ärzt:in, Apotheker:in – oder, am besten, fragen Sie mich!
Mit besonderem Dank an Sozialmediziner Michael Kunze von der MedUni Wien.