Bildcollage: Die klassische Marmorbüste von David trägt auffällige gelbe Sonnenbrillen vor einem farbigen Hintergrund aus Kreisformen und abstrakten Mustern in Gelb- und Lilatönen.

Longevity: Wie Superreiche das Alter überlisten wollen

Ewige Jugend als Lifestyle-Ziel: Hollywood-Stars und Tech-Milliardäre setzen auf Longevity – einen Trend zwischen Wunsch­denken und Wissenschaft.

Format:
Im Fokus
Autor:
Josef Puschitz
zuletzt geändert:
08.04.2026
Lesezeit:
3 Minuten

IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, …

  • welche Longevity-Methoden Superreiche wie Bezos, Brin und Thiel ausprobieren.
  • wie umstrittene Methoden wie Blutverjüngung funktionieren.
  • warum Expert:innen den Fokus eher auf gesundes Altern statt auf Unsterblichkeit legen.

„Forever young / I want to be / forever young.” Wir alle kennen den Synth-Pop-Hit, den die Band Alphaville 1984 veröffent­lichte. Am Ende des Refrains wird der verlockende Traum vom ewigen Leben allerdings hinter­fragt: „Do you really want to live forever?“, heißt es, um mit einer rätsel­haften Antwort zu schließen: „Forever and never.“ Heute, im Jahr 2025, scheint der Traum immer­währender Jugend technisch greifbarer zu werden. Doch die Frage bleibt: Sollen wir, und – wollen wir das überhaupt?

Einige würden ganz klar sagen: Ja! Zu ihnen gehören Amazon-Chef Jeff Bezos, Google-Kogründer Sergey Brin und Investor Peter Thiel. Alle drei machen immer wieder mit Spenden für lebens­verlängernde Forschung Schlag­zeilen (siehe Factbox). Seriöse Wissen­schaftler:innen beschäftigen sich mit solchen radikalen Utopien eher nicht. Statt der Parole „Forever young“ heißt ihr Motto „dann doch lieber spät jung sterben“.

Was heißt „Longevity“?

Beide Trends fasst man im Englischen unter dem Begriff „Longevity“ zusam­men: das Streben nach einem möglichst langen und vor allem bis ins hohe Alter gesund geführten Leben. In den USA hat sich um dieses Denken eine regel­rechte Industrie gebildet – mit prominenten Ärzt:innen, Bio­hacker:innen und mittler­weile Hunderten von „Longevity-Clinics“. Ihre Versprech­ungen zielen auf einen opti­malen Alterungs­prozess ab. Statt passiv den eigenen körper­lichen Verfall zu beobachten, sollen auch die letzten Lebens­jahr­zehnte möglichst gesund und aktiv verbracht werden. Viele Maß­nahmen, die dazu beitragen sollen, klingen gar nicht mal so spektakulär: Regel­mäßige Bewegung, bewusste Ernährung – Ähnliches predigt hierzu­lande auch der Kräuter­pfarrer. Was die Longevity-Lobbyist:innen vom üblichen Gesünder-leben-Kanon abhebt, ist ihre Entschlossen­heit. Resignation wird nicht akzeptiert.

In vielen Bereichen fehlen allerdings bis dato die verlässlichen wissen­schaftlichen Daten zum Longevity-Hype. Skepti­ker:innen geben zu bedenken, dass ein über­triebener Fokus auf mög­liche „Soll­bruch­stellen“ und die eigene Lang­lebigkeit erst recht Sorgen bereiten und so das Leben verkürzen könnte. 

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Blutverjüngung: umstrittener Longevity-Trend

Auch wirken einige Anti-Aging-Methoden regelrecht verbissen. Unter den experi­mentier­freudigen Super­reichen des Silicon Valley gilt „blood rejuvenation“, also Blut­verjüngung, als Schlüssel­technik. Dazu sollen sich ältere Menschen jenseits der Lebens­mitte das Blut 16- bis 25-jähriger zuführen lassen – via Transfusion. Das US-Unter­nehmen Ambrosia bot diesen Service, deklariert als medizi­nische Studie, für 8.000 Dollar an. Bis die US-Gesundheits­behörde FDA Bedenken anmeldete und Ambrosia entsprechend zurückruderte.

Studien am Irving Medical Center der US-ameri­kanischen Columbia University zeigen, dass „Blut­verjüngung“ tatsächlich eine gewisse Wirkung entfalten könnte. Emmanuelle Passegué, Leiterin der Columbia-Stammzellen-Initiative (CSCI), arbeitet mit ihrem Team aktuell daran, diesen Effekt auch ohne Blut­spenden zu erreichen – und zwar direkt im Körper. Ihr Ansatz: das Knochen­mark, in dem unser Blut entsteht, wieder zu „verjüngen“. Ein Medikament gegen Rheuma konnte im Versuch mit Mäusen die Blutbildung beschleunigen. Beim Menschen ist diese Methode allerdings noch Zukunftsmusik.

„Zum Glück!“, könnte man an dieser Stelle einwenden: Denn vielleicht hat der allmähliche Verfall am Lebens­ende ja einen Sinn. Wer sich selbst langsam müde werden sieht und erkennt, dass die eigenen Möglich­keiten abnehmen, lässt am Ende leichter los. Ein solcher Mensch wird wohl eher in Frieden sterben als jemand, der bis zur letzten Minute versucht, sich an Unsterblichkeits­fantasien zu klammern.

Tech-CEOs im Jugendrausch

Minimalistische Darstellung eines Unendlichkeitszeichens in Pfeilform auf blau-violettem Hintergrund.
© Shutterstock/Billion Photos

→ Peter Thiel, Mit­begründer von PayPal, früherer Facebook-Investor, Milliardär. Sagt über den Tod: „Es ist etwas, das man uns erzählt, um uns davon abzu­halten, es härter zu versuchen.“

Empfehlung: Deutschland­funk-Podcast „Die Peter Thiel Story“ (2025 erschienen)


→ Jeff Bezos, Gründer von Amazon und einer der reichsten Menschen der Welt

  • Altos Labs: Bezos ist Haupt­investor der 2021 gegründeten Biotech-Firma Altos Labs, die an der „Reprogram­mierung“ von Zellen forscht. Ziel: Zellen „verjüngen“.


→ Sergey Brin, Mitgründer von Google, mit 141 Milliarden Dollar laut Bloomberg Billionaires Index der zehnt­reichste Mensch der Welt, möchte „den Tod heilen“.

  • Calico (California Life Company): Brin war 2013 Mit­initiator dieses Unter­nehmens, das daran forscht, Zell­alterung zu verstehen – mit Fokus auf molekulare Alterung und Lebens­erwartung.
  • Breakthrough Prize: Brin stiftet Millionen für Forschung zur Lebens­verlängerung – z. B. im Rahmen des Break­through Prize in Life Sciences. Nach einem Gentest kennt er sein eigenes erhöhtes Parkinson-Risiko. In Folge spendete Brin mindestens eine Milliarde Dollar unter anderem an Parkinson-Initiativen. Er glaubt, dass daten­getriebene Forschung – wie bei Google – die klassische Wissen­schaft beschleunigen kann.
Tipps

Blutverjüngung in Film und Serien

Silicon Valley (2014–2019)
In der HBO-Satire „Silicon Valley“, pumpt sich ein Tech-CEO (eine Parodie auf Elon Musk) das Blut eines 25-jährigen „blood boys“ in die Adern. Der junge Spender kollabiert. Der Empfänger strotzt vor Lebens­kraft.

The Substance (2024)
Unter der Regie von Coralie Fargeat spielt Demi Moore eine alternde TV-Fitness-Trainerin, die ihr gene­tisches Double erzeugt (gespielt von Margaret Qualley). Eine jugend­liche Kopie, der sie parasitär sämt­liche Körper­säfte rauben will – ohne aller­dings mit dem Wider­stand ihres Klons zu rechnen. Heftiger Splatter­film, nur für Beherzte.

Hier geht es zum Trailer von „The Substance“.