Longevity: Wie Superreiche das Alter überlisten wollen
Ewige Jugend als Lifestyle-Ziel: Hollywood-Stars und Tech-Milliardäre setzen auf Longevity – einen Trend zwischen Wunschdenken und Wissenschaft.
IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, …
- welche Longevity-Methoden Superreiche wie Bezos, Brin und Thiel ausprobieren.
- wie umstrittene Methoden wie Blutverjüngung funktionieren.
- warum Expert:innen den Fokus eher auf gesundes Altern statt auf Unsterblichkeit legen.
„Forever young / I want to be / forever young.” Wir alle kennen den Synth-Pop-Hit, den die Band Alphaville 1984 veröffentlichte. Am Ende des Refrains wird der verlockende Traum vom ewigen Leben allerdings hinterfragt: „Do you really want to live forever?“, heißt es, um mit einer rätselhaften Antwort zu schließen: „Forever and never.“ Heute, im Jahr 2025, scheint der Traum immerwährender Jugend technisch greifbarer zu werden. Doch die Frage bleibt: Sollen wir, und – wollen wir das überhaupt?
Einige würden ganz klar sagen: Ja! Zu ihnen gehören Amazon-Chef Jeff Bezos, Google-Kogründer Sergey Brin und Investor Peter Thiel. Alle drei machen immer wieder mit Spenden für lebensverlängernde Forschung Schlagzeilen (siehe Factbox). Seriöse Wissenschaftler:innen beschäftigen sich mit solchen radikalen Utopien eher nicht. Statt der Parole „Forever young“ heißt ihr Motto „dann doch lieber spät jung sterben“.
Was heißt „Longevity“?
Beide Trends fasst man im Englischen unter dem Begriff „Longevity“ zusammen: das Streben nach einem möglichst langen und vor allem bis ins hohe Alter gesund geführten Leben. In den USA hat sich um dieses Denken eine regelrechte Industrie gebildet – mit prominenten Ärzt:innen, Biohacker:innen und mittlerweile Hunderten von „Longevity-Clinics“. Ihre Versprechungen zielen auf einen optimalen Alterungsprozess ab. Statt passiv den eigenen körperlichen Verfall zu beobachten, sollen auch die letzten Lebensjahrzehnte möglichst gesund und aktiv verbracht werden. Viele Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, klingen gar nicht mal so spektakulär: Regelmäßige Bewegung, bewusste Ernährung – Ähnliches predigt hierzulande auch der Kräuterpfarrer. Was die Longevity-Lobbyist:innen vom üblichen Gesünder-leben-Kanon abhebt, ist ihre Entschlossenheit. Resignation wird nicht akzeptiert.
In vielen Bereichen fehlen allerdings bis dato die verlässlichen wissenschaftlichen Daten zum Longevity-Hype. Skeptiker:innen geben zu bedenken, dass ein übertriebener Fokus auf mögliche „Sollbruchstellen“ und die eigene Langlebigkeit erst recht Sorgen bereiten und so das Leben verkürzen könnte.
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Blutverjüngung: umstrittener Longevity-Trend
Auch wirken einige Anti-Aging-Methoden regelrecht verbissen. Unter den experimentierfreudigen Superreichen des Silicon Valley gilt „blood rejuvenation“, also Blutverjüngung, als Schlüsseltechnik. Dazu sollen sich ältere Menschen jenseits der Lebensmitte das Blut 16- bis 25-jähriger zuführen lassen – via Transfusion. Das US-Unternehmen Ambrosia bot diesen Service, deklariert als medizinische Studie, für 8.000 Dollar an. Bis die US-Gesundheitsbehörde FDA Bedenken anmeldete und Ambrosia entsprechend zurückruderte.
Studien am Irving Medical Center der US-amerikanischen Columbia University zeigen, dass „Blutverjüngung“ tatsächlich eine gewisse Wirkung entfalten könnte. Emmanuelle Passegué, Leiterin der Columbia-Stammzellen-Initiative (CSCI), arbeitet mit ihrem Team aktuell daran, diesen Effekt auch ohne Blutspenden zu erreichen – und zwar direkt im Körper. Ihr Ansatz: das Knochenmark, in dem unser Blut entsteht, wieder zu „verjüngen“. Ein Medikament gegen Rheuma konnte im Versuch mit Mäusen die Blutbildung beschleunigen. Beim Menschen ist diese Methode allerdings noch Zukunftsmusik.
„Zum Glück!“, könnte man an dieser Stelle einwenden: Denn vielleicht hat der allmähliche Verfall am Lebensende ja einen Sinn. Wer sich selbst langsam müde werden sieht und erkennt, dass die eigenen Möglichkeiten abnehmen, lässt am Ende leichter los. Ein solcher Mensch wird wohl eher in Frieden sterben als jemand, der bis zur letzten Minute versucht, sich an Unsterblichkeitsfantasien zu klammern.
Tech-CEOs im Jugendrausch
→ Peter Thiel, Mitbegründer von PayPal, früherer Facebook-Investor, Milliardär. Sagt über den Tod: „Es ist etwas, das man uns erzählt, um uns davon abzuhalten, es härter zu versuchen.“
- Parabiosis/Blutverjüngung: Inspiriert von Mausexperimenten, denkt Peter Thiel laut über Bluttransfusionen nach – es gibt keine Informationen darüber, ob er sie an sich selber durchführen lässt.
- Anti-Aging-Stiftungen: Thiel investiert Millionen an Fördergeldern in Organisationen wie die Methuselah Foundation und SENS Research Foundation, um biologisches Altern zu stoppen oder umzukehren.
- Kryokonservierung: Laut Wikipedia ist Thiel bei der Kryo-Firma Alcor registriert, zur hypothetischen Wiederbelebung nach dem Tod.
- Wachstumshormone: Laut eigener Aussage konsumiert Peter Thiel Wachstumshormone, die dazu beitragen sollen, dass er mindestens 120 Jahre alt wird (Quelle: Vanity Fair/Bloomberg TV und „The Atlantic“).
Empfehlung: Deutschlandfunk-Podcast „Die Peter Thiel Story“ (2025 erschienen)
→ Jeff Bezos, Gründer von Amazon und einer der reichsten Menschen der Welt
- Altos Labs: Bezos ist Hauptinvestor der 2021 gegründeten Biotech-Firma Altos Labs, die an der „Reprogrammierung“ von Zellen forscht. Ziel: Zellen „verjüngen“.
→ Sergey Brin, Mitgründer von Google, mit 141 Milliarden Dollar laut Bloomberg Billionaires Index der zehntreichste Mensch der Welt, möchte „den Tod heilen“.
- Calico (California Life Company): Brin war 2013 Mitinitiator dieses Unternehmens, das daran forscht, Zellalterung zu verstehen – mit Fokus auf molekulare Alterung und Lebenserwartung.
- Breakthrough Prize: Brin stiftet Millionen für Forschung zur Lebensverlängerung – z. B. im Rahmen des Breakthrough Prize in Life Sciences. Nach einem Gentest kennt er sein eigenes erhöhtes Parkinson-Risiko. In Folge spendete Brin mindestens eine Milliarde Dollar unter anderem an Parkinson-Initiativen. Er glaubt, dass datengetriebene Forschung – wie bei Google – die klassische Wissenschaft beschleunigen kann.
Blutverjüngung in Film und Serien
Silicon Valley (2014–2019)
In der HBO-Satire „Silicon Valley“, pumpt sich ein Tech-CEO (eine Parodie auf Elon Musk) das Blut eines 25-jährigen „blood boys“ in die Adern. Der junge Spender kollabiert. Der Empfänger strotzt vor Lebenskraft.
The Substance (2024)
Unter der Regie von Coralie Fargeat spielt Demi Moore eine alternde TV-Fitness-Trainerin, die ihr genetisches Double erzeugt (gespielt von Margaret Qualley). Eine jugendliche Kopie, der sie parasitär sämtliche Körpersäfte rauben will – ohne allerdings mit dem Widerstand ihres Klons zu rechnen. Heftiger Splatterfilm, nur für Beherzte.
Hier geht es zum Trailer von „The Substance“.