Fit im Büro: 7 Routinen für eine bessere Haltung
7 Routinen, die deine Haltung während der Arbeit verbessern.
IN DIESEM ARTIKEL ERFÄHRST DU, …
- dass du im Büro kein Fitnessprogramm, sondern nur einfache Routinen brauchst.
- dass Abwechslung deinen Körper entlastet.
- dass Ergonomie eine Sache der individuellen Einstellung ist.
Es mag wie ein Klischee klingen, aber das geschulte Auge erkennt, ob du einen Schreibtisch-Job hast. Die typische Bürohaltung sieht so aus: Schultern weit nach vorne, Kopf hängen lassen. Das kann mehr oder weniger ausgeprägt sein. Und keine Sorge: Obwohl sich langes Sitzen ungünstig auf deine Haltung auswirkt, gibt es Übungen, mit denen du sehr effektiv dagegenwirken kannst. „Es braucht kein ausgeklügeltes Fitnessprogramm, um die Bürohaltung zu verbessern. Es ist ohnehin in den seltensten Fällen realistisch, die Yogamatte in der Arbeit ausrollen zu können“, sagt der Physiotherapeut Hanno Hörmann.
Zentral ist: Vorbeugen ist besser als nachbehandeln. Wenn die Verspannung einmal da ist, sind Patient:innen oft überfordert. „Viele wünschen sich, dass sie nach einem harten Bürotag massiert werden, um die Spannungen abzubauen“, so Hörmann. „Massagen können zwar kurzfristig Erleichterung bringen, ersetzen aber keine langfristige Verhaltensänderung.“ Unser Physiotherapeut zeigt dir sieben Routinen, mit denen Haltungsschäden vor dem Monitor keine Chance haben.
Los geht's!
Gesund am Schreibtisch sitzen: Dynamik gegen die Starrheit
Wir neigen dazu, viel zu lange in der gleichen Sitzposition zu verharren. Das führt zu Verspannungen. Um gesund am Schreibtisch zu sitzen, solltest du dir dynamisches Sitzen angewöhnen. Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Wechsle deine Position regelmäßig. „Deine beste Haltung ist die nächste Haltung“, sagt Physiotherapeut Hörmann. Konkret bedeutet das: mal aufrecht sitzen, dann zurücklehnen, mal die Beine überschlagen, dann breiter auseinanderstellen. „Der Körper liebt Abwechslung. Eine regelmäßige Veränderung bringt Entlastung.“ Du musst nicht ständig perfekt aufrecht sitzen, sondern kannst zwischendurch auch ruhig mal am Schreibtisch lümmeln. Es ist wichtig, in Bewegung zu bleiben. Das fördert die Durchblutung und hilft dir dabei, keine einseitige Belastung auszuüben.
So stellst du Bürostuhl, Tisch und Monitor richtig ein
Vielleicht merkst du gar nicht, dass eine Kollegin deinen Bürostuhl ausgeliehen und dabei verstellt hat. Deshalb solltest du Stuhl-, Tischhöhe und Bildschirmabstand regelmäßig überprüfen. Passt noch alles? Die Sitzhöhe sollte so sein, dass deine Knie zirka 90 Grad gebeugt sind. Deine Füße sollen vollständig am Boden stehen. „Im Idealfall hat der Bürostuhl auch eine einstellbare Lendenwirbelsäulenstütze, die entlasten kann“, so Hörmann. Ein anderes Tool ist ein Keilkissen, das den Rücken stützt. Wenn du einen Schreibtisch hast, der sich in ein Stehpult verwandeln lässt, solltest du das unbedingt hin und wieder nutzen.
Arbeiten im Stehen: Bewegung durch Telefonate
Du kannst jedes Telefonat als Anlass nehmen, aufzustehen. Das entlastet die Wirbelsäule und bringt mehr Bewegung in deinen Alltag. Und: Es regt deinen Kreislauf an. Natürlich solltest du darauf achten, deine Kolleg:innen nicht zu nerven. Vielleicht suchst du dir eine ruhige Ecke, spazierst auf dem Gang oder gehst vor die Tür ins Freie.
„Oft hilft aber auch, den Drucker nicht direkt beim Schreibtisch stehen zu haben“, empfiehlt der Bewegungsprofi. Dadurch stehst du öfter auf, machst ein paar Schritte. Und: Wenn du am Drucker wartest, kannst du das mit einer kleinen Übung verbinden. „Einfach die Fersen hochheben, damit die Wadenmuskulatur aktiv wird. Das lange Sitzen führt nämlich dazu, dass sich unsere Beine schwer oder müde anfühlen können.“ Du kannst aber auch deine Hände kreisen lassen, vor allem, wenn du viel tippen musst. Ob direkt am Schreibtisch oder am Drucker, ist dabei egal.
Monitor auf richtige Höhe bringen: Tipps für den Laptop
Den sogenannten Handy-Nacken bekommst du nicht nur, wenn du viel auf dein Mobilgerät schaust (übrigens findest du hier Übungen gegen den Handy-Nacken). Auch Laptops sind gefährlich: Der Kopf sackt nach vorne, die Schultern verspannen sich. Rundrücken und Nackenstarre sind die Folgen.
Wichtig ist, dass die obere Bildschirmhälfte auf Augenhöhe ist. Um den Monitor auf die richtige Höhe zu bringen, helfen externe Bildschirme oder Laptopständer. „Vom Abstand her sollte ungefähr eine Armlänge zwischen den Augen und dem Monitor sein. Und die Neigung des Bildschirms sollte leicht nach hinten gehen“, so Hörmann. Wichtig beim Tippen ist: Die Unterarme sollten entspannt aufliegen, ohne dauerhaften Druck auf den Handballen. Darauf achten, dass die Schultern locker bleiben.
Nackenübungen: Kopf kontrolliert kreisen
Regelmäßig innerlich checken: Spüre ich Verspannungen oder ein unangenehmes Gefühl im Nacken? Oft hilft es schon, den Kopf langsam und sanft nach links oder rechts zu dehnen, das lockert die seitliche Halsmuskulatur und kann dadurch die Belastung der Halswirbelsäule reduzieren. Oder den Kopf kontrolliert kreisen zu lassen. Schultern locker, beide Füße am Boden, Brust raus. Wichtig dabei ist: Du solltest nie in einen Schmerz hineintrainieren. „Auf einer ansteigenden Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz): Der Schmerz sollte während Übungen nie über 4 oder 5 gehen“, so der Physiotherapeut.
Atemübungen für zwischendurch
Mehrmals täglich bewusst tief durchatmen. Das senkt Stress, löst muskuläre Anspannung. „Wichtig ist, bewusst in den Bauch zu atmen. Unter Stress atmen viele Menschen sehr flach und überwiegend in den Brustkorb – dadurch arbeitet das Zwerchfell weniger und die Atmung wird ineffizient. Eine tiefe Zwerchfellatmung hilft, den Körper zu entspannen und die Atmung wieder zu vertiefen“, so Hörmann. Aufrecht hinsetzen, Brust öffnen und beim Atmen darauf achten, dass sich der Bauch nach außen wölbt. Du merkst sofort, wie deine Konzentration zunimmt. Und du dich energetischer und weniger gestresst fühlst.
Augenübungen im Büro: Alle 20 Minuten in die Ferne sehen
Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in mindestens sechs Meter Entfernung schauen. Das entlastet Augen und Nackenmuskulatur. Doch: Um eine Routine wie diese zu entwickeln, braucht es Regelmäßigkeit, die man unter Arbeitsdruck leicht vergisst. Deshalb sind Erinnerungshilfen nützlich. „Das kann ein Post-it am Computer sein oder die Vibration des Handys“, so Hörmann. Oder du stellst dir den Bildschirmschoner so ein, dass er sich in bestimmten Abständen verändert: Dann weißt du, es wird Zeit für eine kleine Übung – oder aufzustehen und dir die Füße zu vertreten.
Wissen zu Bewegungsmangel
Warum ist langes Sitzen schlecht für unseren Körper?
Langes Sitzen erhöht das Risiko für zahlreiche Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Daher auch der Slogan „Sitzen ist das neue Rauchen“. Studien besagen, dass Menschen, die sich viel bewegen, eine um fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben als jene, die lange sitzen. Aber auch geistig tut uns das lange Sitzen nicht gut: Es führt zu Depression und kann sogar Demenz fördern.
- Studie zu langem Sitzen und Herzgesundheit (England, 2024)
- Studie: Bewegung erhöht die Lebenserwartung (England, 2024)
- Fördert langes Sitzen Demenz? (Japan, 2024)
Bewegungseinschränkungen und Schmerzen können viele Ursachen haben. Physiotherapeut Hanno Hörmann geht ihnen auf den Grund und behandelt die Auslöser, damit seine Patientinnen und Patienten möglichst beschwerdefrei wieder Sport und anderen Aktivitäten nachgehen können.