Eine junge Frau im Schneidersitz mit roter Yogahose und dunklem Oberteil legt ihre rechte Hand über den Kopf, um die Halsmuskulatur zu strecken.

3x1 Minute: Übungen gegen den Handynacken

Regelmäßig auf dein Smart­phone zu schauen, belastet deine Hals­wirbelsäule. Mit einfachen Übungen gibst du Ver­spannungen keine Chance.

Format:
So geht's
Autor:
Karin Cerny
zuletzt geändert:
13.01.2026
Lesezeit:
3 Minuten

Dein Kopf wiegt fünf Kilo – doch beim Scrollen am Handy scheint er 20 Kilo schwer. Wie ist das möglich? Bei einer Beugung deines Kopfes um 45 Grad steigt die Belastung auf deine Hals­wirbel­säule. Die Folge: Deine Nacken­muskulatur ver­spannt sich. Man spricht vom „Tech-Neck“. So ein Handy­nacken kann zu chronischen Nacken- und Schulter­schmerzen, Muskel­verhärtungen, schlechter Haltung, aber auch zu Kopfweh und Band­scheiben­vorfällen führen. 

Die Zahlen sprechen für sich: Fast 40 Mal pro Tag siehst du laut Statistik durch­schnitt­lich auf dein Handy. Das muss nicht lang sein, oft wird gar nicht ent­sperrt, sondern nur schnell gecheckt, ob eine Nach­richt gekommen ist. Tele­foniert wird gerade einmal sieben Minuten am Tag, der Rest sind Scrollen, Spielen, Social Media. Konkret nutzt fast ein Drittel (31 Prozent) das Smart­phone zwischen zwei und drei Stunden pro Tag, fast ein Viertel (21 Prozent) ist sogar vier oder fünf Stunden täglich mit dem Handy beschäftigt.

Aber keine Sorge, du musst dein Leben nicht grund­legend verändern. Es ist okay, dein Handy regelmäßig zu nutzen. Wichtig ist nur, ein bisschen bewusster damit um­zugehen und auf deine Haltung zu achten. Schau, dass du während des Scrollens möglichst aufrecht sitzt. Noch wichtiger aber ist ein regelmäßiger körper­licher Aus­gleich. Wir zeigen dir gemein­sam mit der Wiener Yoga-Lehrerin Sabrina Farkas drei Übungen, die du locker auch im Büro machen kannst – oder zwischen­durch im Homeoffice als Aus­gleich zur Schreib­tisch­arbeit.

Eine junge Frau sitzt im Schneidersitz auf der Yogamatte, ihre Arme ruhen locker auf den Knien. Sie trägt eine rote Yogahose und ein dunkles Oberteil.
© Fabian Weiss

Sabrina Farkas ist Yogalehrerin und Luftakrobatiktrainerin. Sie betreibt das Unternehmen Fly & Flow in Wien.

 

1. Handynacken-Übung: Mobilisieren (1 Minute)

Das Ziel: Bewegung in den steifen Nacken bringen, die Gelenke lockern. Lass deinen Kopf langsam in beide Richtungen kreisen. Dann die Schultern vorwärts und rückwärts kreisen. Mach langsam „Ja-Nein“-Kopf­bewegungen. Das hilft dir, wieder in Bewegung zu kommen, nicht zu lange starr zu verharren. 

© Fabian Weiss

2. Handynacken-Übung: Dehnen (30 Sekunden je Seite)

Das Ziel: Verkürzte Muskeln (Nacken, Brust) sanft in die Länge ziehen. Aber Achtung: „Beim Dehnen darf es zwar in einen sanften Zug gehen, aber in keinen Schmerz“, sagt Sabrina Farkas. Zieh das rechte Ohr zur Schulter, dann das linke. Du kannst dazu auch den jeweiligen Arm zum Boden ausstrecken, das bringt mehr Dehnung. Oder du legst die Hand an die Schläfe, um die Dehnung sanft zu unterstützen.

© Fabian Weiss

Effektiv ist auch eine Brust­öffnung an der Wand: Du stellst dich seitlich, legst den Arm auf Schulter­höhe an die Wand – und drehst den Ober­körper vom Arm weg. So dehnst du deine Brust­muskulatur.

© Fabian Weiss

3. Handynacken-Übung: Kräftigen (1 Minute)

Das Ziel: Deine Haltungs­muskulatur stärken, den Nacken stabili­sieren. Der so­genannte Wand-Engel ist eine einfache, aber effektive Methode zur Kräftigung. Du presst Rücken und Arme an die Wand – und lässt die Arme langsam hoch­wandern und wieder zurück in die Ausgangs­position. „Da sieht man bei einigen, dass ihre Muskeln so verkürzt sind, dass der Hand­rücken gar nicht an der Wand bleiben kann. Eine gute Motivation, dieses Ziel zu erreichen“, sagt die Yoga-Lehrerin. Aber auch das Kinn zur Brust zu ziehen und gegen den leichten Druck zu halten, hilft, deinen Nacken zu stärken.

© Fabian Weiss

Das Gute am Kräftigen: Jeder Bereich, der stärker wird, unter­stützt das ganze System. Wenn du deine Bauch­muskulatur forderst, etwa durch Balance-Übungen auf einem Wackel­brett, dann entlastet das auch Nacken und Rücken. Was rät die Yoga-Lehrerin für daheim? „Die sogenannte Kind­haltung entspannt und stärkt zugleich: Du sitzt auf den Fersen, legst den Ober­körper nach vorne. Dazu streckst du die Arme aus und drückst die Hand­flächen in den Boden. Dazu kannst du den Kopf sanft ein paar Zentimeter anheben – und dann wieder auf die Matte legen.“ Das ist eine perfekte Pausen­übung, um danach wieder entspannter weiter­zuarbeiten.

© Fabian Weiss

Interview

Eine junge Frau in roter Yogahose und dunklem Top steht breitbeinig und barfuß auf einer braunen Matte, die auf einem Parkettboden ausgebreitet ist..
© Fabian Weiss

„Eine Yoga-Stunde kann sich wie ein Kurzurlaub anfühlen“

Sabrina Farkas über die Vorteile von kleinen Übungen im Alltag.

Wie schaffst du, dass du nicht zu viel am Handy oder am Computer bist?

Als Yoga-Lehrerin muss ich viel am Handy sein, auch, um meine Social-Media-Kanäle zu bespielen. Deshalb habe ich einen Bild­schirm-Timer – anfangs war ich echt schockiert, dass ich mehrere Stunden am Tag am Handy verbringe. Das war mir nicht bewusst. Bei mir ist es nicht die Dauer, aber die kleinen Ein­heiten summieren sich. 

Siehst du oft einen Handynacken bei Menschen, die zu dir ins Yoga kommen?

Bei manchen stärker, bei anderen weniger. Viele merken gar nicht, dass sie eine schlechte Haltung haben. Für sie fühlt sich aufrecht an, was von außen ganz anders aussieht. Natürlich ist jeder Körper verschieden, die Wirbel­säule ist eine doppelte S-Kurve, die bei manchen stärker ausge­prägt ist. Das Problem ist: Viele sitzen im Job am Computer, und in der Freizeit ver­bringen sie dann Zeit am Handy. Ich habe gerade bei Yoga-Privat­stunden sehr oft die Anfrage, Übungen für die Schulter oder das Becken zu machen. Auch in den Firmen ist das ein Haupt­fokus.

Warum eignet sich Yoga deiner Meinung nach besonders gut als Ausgleich?

Du tust nicht nur etwas für den Körper, sondern auch für den Geist. Man sagt ja oft, die Angst sitzt einem im Nacken. Beim Yoga lernst du, besser loszulassen. Du bekommst den Kopf frei, indem du dich aufs Atmen und die jeweiligen Übungen konzentrierst. Ich sage immer: Die Yoga-Matte ist ein Safe Space. Wir üben, was wir für den Alltag brauchen. Also tief durch­zuatmen, wenn es stressig wird. Je öfter du das auf der Matte geübt hast, desto leichter nimmst du es in den Alltag mit. Eine Yoga-Stunde kann sich besten­falls wie ein Kurz­urlaub anfühlen. Beim Yoga lernt man, nicht zu bewerten, wenn etwas nicht funktio­niert. Es ist nun einmal so, wie es ist. Im Alltag sind wir da meist viel zu streng. 

Wie oft soll man Yoga machen?

Diese Frage bekomme ich oft gestellt: Soll ich jeden Tag eine Stunde Yoga prakti­zieren? Natürlich kannst du das machen. Aber wer hat so viel Zeit, das lang­fristig in seinen Alltag zu inte­grieren? Man muss realis­tisch bleiben. Des­halb finde ich es besser, sich jeden Tag wenigstens fünf Minuten vorzu­nehmen. In meiner Aus­bildung zur Yoga-Lehrerin war eine der Lehrenden eine Physio­therapeutin. Sie hat immer gesagt: Ein starker Muskel ist selten verspannt. Man hört oft, dass man den Nacken schonen soll. Aber er muss auch gekräftigt und ange­spannt werden. Wenn du merkst, dass dir die fünf Minuten am Morgen guttun, dann hast du vielleicht auch Lust, sie am Nach­mittag noch mal zu machen. 

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