Tattoo entfernen: Worauf du achten solltest
Wie gesundheitsschädlich sind Tattoos? Und was, wenn du dein Arschgeweih nicht mehr willst? Petra Hirtler, Expertin für Tattoo-Entfernungen, kennt die Facts.
IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...
- dass es auf schwarze Tattoo-Farbe seltener allergische Reaktionen gibt als bei Rot, Magenta oder Orange.
- dass die REACH-Verordnung Tätowieren in der EU seit 2022 sicherer macht.
- dass das Weglasern aufgrund der Hitze oft schmerzhafter ist als das Stechen.
Tattoos müssen also nicht fürs ganze Leben sein?
Das wäre schön. Ich finde, dass Tattoos eine Form von Kunst sind. Sie sind aber auch Ausdruck von bestimmten Lebensphasen, und ich erfahre in meiner täglichen Arbeit häufig, wie groß die psychischen Belastungen sind, wenn man mit Tätowierungen nicht mehr gut leben kann. Rund 16 Prozent der Tätowierten bereuen mindestens eines ihrer Tattoos. Ich finde es beruhigend, dass sich etwas, das für die Ewigkeit gedacht war, auch wieder verändern lässt.
Welche Tattoo-Motive wollen Menschen entfernen lassen?
Ein Tattoo geht unter die Haut, im wahrsten Sinne des Wortes. Es erzählt Geschichten, an die man vielleicht nicht mehr ständig erinnert werden will. Seien es Trends wie Arschgeweihe oder Eheringe und Namen der:des Ex. Den Menschen, die Tattoos entfernen wollen, geht es meist weniger um das Motiv selbst als um das, was sie damit verbinden. Während des gesamten Behandlungszeitraumes höre ich viele ganz persönliche Geschichten. Wer zu mir kommt, legt mir also mit den Tattoos auch die damit verbundenen privaten Geschichten vertrauensvoll in die Hände. Dafür bin ich dankbar.
„Das Entfernen des Tattoos ist auf jeden Fall schmerzhafter als das Stechen.“
Können Sie sich noch an Ihr erstes eigenes Tattoo erinnern?
Das war mit 18. Ich hatte es mir wirklich gut und lange überlegt und war überzeugt davon. Es war ein chinesisches Schriftzeichen auf meinem Rücken, in der Mitte der Wirbelsäule. Aber nach zwei Jahren dachte ich, das passt einfach nicht mehr zu meiner Persönlichkeit, zu meinem Leben. Zum Glück verändern wir uns – wir entwickeln uns weiter. Also habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mein Tattoo wieder loszuwerden – und bin in Graz auf eine Spezialistin für Lasertherapie gestoßen.
Bevor wir zum Weglasern kommen: Wie funktionieren Tattoos eigentlich und welche gesundheitlichen Risiken bergen sie?
Mit vielen kleinen Nadelstichen wird das Pigment in die mittlere Hautschicht eingebracht. Unsere Fresszellen im Körper, die Teil des Immunsystems sind, wären eigentlich dafür da, diese Fremdkörper loszuwerden. In diesem Fall sind die Pigmente aber zu groß, und unsere Fresszellen können sie nicht verdauen. Sie bleiben dann wie vollgestopfte Müllsäcke vor dem Müllschlucker liegen. Das klingt jetzt vielleicht drastisch, aber zu den gesundheitlichen Risiken muss ich sagen: Gemessen an der Anzahl von Tätowierungen, kommen Nebenwirkungen und Komplikationen nur selten vor. Es kann in vereinzelten Fällen zu Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen kommen. Weil die Pigmente Fremdkörper sind, kann es auch sein, dass entzündungsbedingte knotenartige Gewebsneubildungen entstehen. Solche Reaktionen können direkt nach dem Stechen auftreten.
Können Tattoos auch später noch Komplikationen verursachen?
Menschen mit Tattoos können eine erhöhte Sonnenempfindlichkeit haben. Das kann zu Schwellungen, Juckreiz, Hautrötungen führen. Sonnenschutzcreme ist deshalb im Alltag sehr wichtig, durch das UV-Licht können nämlich Spaltprodukte der Farben entstehen, die Probleme machen. Ich rate auch dazu, regelmäßig Feuchtigkeitscreme zu verwenden: Das pflegt die Tätowierungen und hilft, die Farben schön zu erhalten.
Kann man auf ein Tattoo auch allergisch reagieren?
Ja, das wäre eine schwerwiegende Reaktion, die oft erst nach Jahren auftritt. Es handelt sich dabei meist um Azopigmente, die lange bei kräftigen, leuchtenden Farben wie Rot eingesetzt wurden. Spaltprodukte, die daraus entstehen, stehen im Verdacht, oft auch erst Jahrzehnte nach dem Stechen allergische Reaktionen hervorzurufen. Dann bleibt oft nur mehr das Entfernen der Tätowierung als Möglichkeit.
Wie kann ich prüfen, ob eine Tattoo-Farbe schädlich ist? Und: Sind Fineline-Tattoos, also feine, einfärbige Linien, die gerade im Trend sind, gesünder?
Auch in dünnen Linien sind viele Pigmente enthalten. Aber natürlich macht die Dosis das Gift und kleine Flächen sind weniger anfällig für Wundheilungsstörungen. Grundsätzlich gilt: Auf Schwarz gibt es selten allergische Reaktionen. Rot, Magenta, Orange sind anfälliger.
Manche Leute lassen sich Tattoos im Urlaub stechen – wie schaut es mit der Rechtslage in Österreich und im Ausland aus?
Also: Was die Qualität der Farben betrifft, ist man in Europa gut geschützt. 2022 trat die REACH-Verordnung in Kraft, die gesundheitsschädliche Chemikalien und Pigmente verbietet. Vorher hatte jedes Land seine eigene Regelung. In Österreich waren wir immer schon vorbildlich. Hier ist Tätowieren kein freies Gewerbe, sondern ein Beruf, für den man eine Ausbildung braucht. Die Hygienerichtlinien sind sehr streng, und professionelle Tätowierer:innen haben eine Dokumentationspflicht über erbrachte Leistungen und verwendete Farben. Man kann sich hierzulande als Kund:in wirklich sicher fühlen.
Kann man auch Narben tätowieren lassen?
Ja. Das ist eine häufige Methode, um diese zu überdecken. Es spricht nichts dagegen, mittlerweile gibt es Tätowierer:innen, die das perfekt beherrschen und gute Ergebnisse bringen.
Kommen wir zum Entfernen unliebsamer Tattoos. Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Hauttypen? Wie weh tut das?
Ja, es gibt unterschiedliche Hauttypen. Da ist es meine Aufgabe als Ärztin, den Laser dementsprechend einzustellen. Aber: Das Entfernen des Tattoos ist auf jeden Fall schmerzhafter als das Stechen. Kurze Impulse der Laserstrahlen dringen in die Haut ein, diese werden von dem Pigment aufgenommen und es entsteht Hitze. Dadurch wird das Farbpigment gesprengt. Das ist leider ein fieser Schmerz, vergleichbar mit dem Schnalzen eines Gummiringerls oder kurzen heißen Fettspritzern. Aber es tut zum Glück nur während der Behandlung weh, und diese dauert nur wenige Minuten. Direkt nach dem Lasern ist die Haut leicht gerötet, es kann zu kleinen Bläschen oder Krusten kommen. Im Normalfall und bei guter Nachsorge heilen diese aber innerhalb weniger Tage ohne Folgen wieder ab.
Wie viele Behandlungen braucht man?
Das ist bei jedem Menschen und jedem Tattoo anders. Aber sobald das Pigment gesprengt ist, können es unsere Fresszellen der Haut gut verdauen und weiter über das Lymphsystem abtransportieren. Grundsätzlich ist es aber so, dass die meisten im Durchschnitt zwischen sechs bis vierzehn Behandlungen brauchen. Zwischen jeder sollen mindestens acht Wochen liegen. Mit ein bis zwei Jahren muss man also schon rechnen.
Und wie viel kostet eine Tattoo-Entfernung?
Tattoos zu entfernen ist mühsamer, zeitaufwendiger, schmerzhafter und teurer als das Stechen. Das sollte man wissen. Gleichzeitig sind die Laser mittlerweile viel genauer als früher. Sie arbeiten mit kurzen Impulsen, die direkt auf das Pigment abzielen und die umliegende Haut und das umliegende Gewebe schonen. Dadurch sind Nebenwirkungen wie Rötungen oder Schädigungen der Haut definitiv weniger geworden. Das ist die gute Nachricht für alle, die planen, sich ein Tattoo entfernen zu lassen.
„In Österreich waren wir immer schon vorbildlich. Hier ist Tätowieren kein freies Gewerbe, sondern ein Beruf, für den man eine Ausbildung braucht.“