Collage mit einem Porträtbild von Petra Hirtler

Tattoo entfernen: Worauf du achten solltest

Wie gesundheitsschädlich sind Tattoos? Und was, wenn du dein Arschgeweih nicht mehr willst? Petra Hirtler, Expertin für Tattoo-Entfernungen, kennt die Facts.

Format:
Interview
Autor:
Karin Cerny
zuletzt geändert:
02.01.2026
Lesezeit:
5 Minuten

IN DIESEM TEXT ERFÄHRST DU, ...

  • dass es auf schwarze Tattoo-Farbe seltener allergische Reaktionen gibt als bei Rot, Magenta oder Orange.
  • dass die REACH-Verordnung Tätowieren in der EU seit 2022 sicherer macht. 
  • dass das Weglasern aufgrund der Hitze oft schmerzhafter ist als das Stechen.

Tattoos müssen also nicht fürs ganze Leben sein?

Das wäre schön. Ich finde, dass Tattoos eine Form von Kunst sind. Sie sind aber auch Ausdruck von bestimmten Lebens­phasen, und ich erfahre in meiner täglichen Arbeit häufig, wie groß die psychischen Belastungen sind, wenn man mit Tätowierungen nicht mehr gut leben kann. Rund 16 Prozent der Tätowierten bereuen mindestens eines ihrer Tattoos. Ich finde es beruhigend, dass sich etwas, das für die Ewigkeit gedacht war, auch wieder verändern lässt.

Welche Tattoo-Motive wollen Menschen entfernen lassen?

Ein Tattoo geht unter die Haut, im wahrsten Sinne des Wortes. Es erzählt Geschichten, an die man vielleicht nicht mehr ständig erinnert werden will. Seien es Trends wie Arsch­geweihe oder Ehe­ringe und Namen der:des Ex. Den Menschen, die Tattoos entfernen wollen, geht es meist weniger um das Motiv selbst als um das, was sie damit verbinden. Während des gesamten Behandlungs­zeit­raumes höre ich viele ganz persönliche Geschichten. Wer zu mir kommt, legt mir also mit den Tattoos auch die damit verbundenen privaten Geschichten vertrauens­voll in die Hände. Dafür bin ich dankbar.

Die Allgemeinmedizinerin Petra Hirtler verschränkt die Arme.
„Das Entfernen des Tattoos ist auf jeden Fall schmerzhafter als das Stechen.“
Petra Hirtler
© Philipp Tomsich

Können Sie sich noch an Ihr erstes eigenes Tattoo erinnern?

Das war mit 18. Ich hatte es mir wirklich gut und lange überlegt und war überzeugt davon. Es war ein chinesisches Schrift­zeichen auf meinem Rücken, in der Mitte der Wirbel­säule. Aber nach zwei Jahren dachte ich, das passt einfach nicht mehr zu meiner Persönlich­keit, zu meinem Leben. Zum Glück verändern wir uns – wir entwickeln uns weiter. Also habe ich nach einer Möglich­keit gesucht, mein Tattoo wieder loszuwerden – und bin in Graz auf eine Spezialistin für Laser­therapie gestoßen.

Die Allgemeinmedizinerin Petra Hirtler sitzt auf einem gepolsterten Hocker.
Petra Hirtler, 43, war schon während ihres Medizinstudiums von Tattoos fasziniert. Sie wollte wissen, was genau in der Haut passiert, wenn Pigmente eindringen. Beim dänischen Dermatologen und Wissenschaftler Jørgen Serup, der federführend in der Tattooforschung ist, hat sie gelernt, was man als Ärztin medizinisch über Tätowierungen wissen sollte. Mittlerweile betreibt sie als Fachärztin für Allgemeinmedizin in Wien eine Ordination für Laser-Tattoo-Entfernung (auch von Permanent Make-up) und ästhetische Behandlungen.
© Philipp Tomsich

Bevor wir zum Weglasern kommen: Wie funktionieren Tattoos eigentlich und welche gesundheitlichen Risiken bergen sie?

Mit vielen kleinen Nadel­stichen wird das Pigment in die mittlere Haut­schicht eingebracht. Unsere Fress­zellen im Körper, die Teil des Immun­systems sind, wären eigentlich dafür da, diese Fremd­körper loszuwerden. In diesem Fall sind die Pigmente aber zu groß, und unsere Fress­zellen können sie nicht verdauen. Sie bleiben dann wie vollgestopfte Müll­säcke vor dem Müll­schlucker liegen. Das klingt jetzt vielleicht drastisch, aber zu den gesundheit­lichen Risiken muss ich sagen: Gemessen an der Anzahl von Tätowierungen, kommen Neben­wirkungen und Kompli­kationen nur selten vor. Es kann in vereinzelten Fällen zu Wund­infektionen und Wund­heilungs­störungen kommen. Weil die Pigmente Fremd­körper sind, kann es auch sein, dass entzündungs­bedingte knotenartige Gewebs­neu­bildungen entstehen. Solche Reaktionen können direkt nach dem Stechen auftreten.

Können Tattoos auch später noch Komplikationen verursachen?

Menschen mit Tattoos können eine erhöhte Sonnen­empfindlich­keit haben. Das kann zu Schwellungen, Juckreiz, Haut­rötungen führen. Sonnen­schutz­creme ist deshalb im Alltag sehr wichtig, durch das UV-Licht können nämlich Spalt­produkte der Farben entstehen, die Probleme machen. Ich rate auch dazu, regelmäßig Feuchtig­keits­creme zu verwenden: Das pflegt die Tätowierungen und hilft, die Farben schön zu erhalten.

Kann man auf ein Tattoo auch allergisch reagieren?

Ja, das wäre eine schwer­wiegende Reaktion, die oft erst nach Jahren auftritt. Es handelt sich dabei meist um Azo­pigmente, die lange bei kräftigen, leuchtenden Farben wie Rot eingesetzt wurden. Spalt­produkte, die daraus entstehen, stehen im Verdacht, oft auch erst Jahr­zehnte nach dem Stechen allergische Reaktionen hervorzurufen. Dann bleibt oft nur mehr das Ent­fernen der Tätowierung als Möglichkeit.

Wie kann ich prüfen, ob eine Tattoo-Farbe schädlich ist? Und: Sind Fineline-Tattoos, also feine, einfärbige Linien, die gerade im Trend sind, gesünder?

Auch in dünnen Linien sind viele Pigmente enthalten. Aber natürlich macht die Dosis das Gift und kleine Flächen sind weniger anfällig für Wund­heilungs­störungen. Grund­sätzlich gilt: Auf Schwarz gibt es selten allergische Reaktionen. Rot, Magenta, Orange sind anfälliger.

Manche Leute lassen sich Tattoos im Urlaub stechen – wie schaut es mit der Rechtslage in Österreich und im Ausland aus?

Also: Was die Qualität der Farben betrifft, ist man in Europa gut geschützt. 2022 trat die REACH-Verordnung in Kraft, die gesundheits­schädliche Chemikalien und Pigmente verbietet. Vorher hatte jedes Land seine eigene Regelung. In Österreich waren wir immer schon vorbildlich. Hier ist Tätowieren kein freies Gewerbe, sondern ein Beruf, für den man eine Ausbildung braucht. Die Hygiene­richtlinien sind sehr streng, und professionelle Tätowierer:innen haben eine Dokumentations­pflicht über erbrachte Leistungen und verwendete Farben. Man kann sich hierzulande als Kund:in wirklich sicher fühlen.

Kann man auch Narben tätowieren lassen?

Ja. Das ist eine häufige Methode, um diese zu überdecken. Es spricht nichts dagegen, mittlerweile gibt es Tätowierer:innen, die das perfekt beherrschen und gute Ergebnisse bringen.

Kommen wir zum Entfernen unliebsamer Tattoos. Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Hauttypen? Wie weh tut das?

Ja, es gibt unter­schiedliche Hauttypen. Da ist es meine Aufgabe als Ärztin, den Laser dementsprechend einzustellen. Aber: Das Entfernen des Tattoos ist auf jeden Fall schmerz­hafter als das Stechen. Kurze Impulse der Laser­strahlen dringen in die Haut ein, diese werden von dem Pigment aufgenommen und es entsteht Hitze. Dadurch wird das Farb­pigment gesprengt. Das ist leider ein fieser Schmerz, vergleichbar mit dem Schnalzen eines Gummi­ringerls oder kurzen heißen Fett­spritzern. Aber es tut zum Glück nur während der Behandlung weh, und diese dauert nur wenige Minuten. Direkt nach dem Lasern ist die Haut leicht gerötet, es kann zu kleinen Bläschen oder Krusten kommen. Im Normalfall und bei guter Nachsorge heilen diese aber innerhalb weniger Tage ohne Folgen wieder ab.

Wie viele Behandlungen braucht man?

Das ist bei jedem Menschen und jedem Tattoo anders. Aber sobald das Pigment gesprengt ist, können es unsere Fress­zellen der Haut gut verdauen und weiter über das Lymph­system abtransportieren. Grundsätzlich ist es aber so, dass die meisten im Durch­schnitt zwischen sechs bis vierzehn Behandlungen brauchen. Zwischen jeder sollen mindestens acht Wochen liegen. Mit ein bis zwei Jahren muss man also schon rechnen.

Und wie viel kostet eine Tattoo-Entfernung?

Tattoos zu entfernen ist mühsamer, zeit­aufwendiger, schmerz­hafter und teurer als das Stechen. Das sollte man wissen. Gleich­zeitig sind die Laser mittlerweile viel genauer als früher. Sie arbeiten mit kurzen Impulsen, die direkt auf das Pigment abzielen und die umliegende Haut und das umliegende Gewebe schonen. Dadurch sind Neben­wirkungen wie Rötungen oder Schädigungen der Haut definitiv weniger geworden. Das ist die gute Nachricht für alle, die planen, sich ein Tattoo entfernen zu lassen.

Petra Hirtler sitzt auf einem grauen Behandlungsstuhl.
„In Österreich waren wir immer schon vorbildlich. Hier ist Tätowieren kein freies Gewerbe, sondern ein Beruf, für den man eine Ausbildung braucht.“
Petra Hirtler
© Philipp Tomsich