Kontrolliert trinken: Wie viel Alkohol ist gesund?
Wer lange leben will, sollte wenig trinken. Denn Alkohol kann Krebs fördern.
„Abends entspannt ein Glas Bier oder Wein genießen: Das schadet nicht und schützt sogar vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und Diabetes Typ 2“, immer wieder geisterten solche und ähnliche Meldungen durch die Schlagzeilen. Doch viele der zugrunde liegenden Langzeitstudien basierten auf einem sogenannten Lebenszeit-Selektions-Bias. Was das heißt? Die Studienergebnisse waren verzerrt, weil die Forscher:innen ehemalige Alkoholiker:innen und andere Menschen, die aus Gesundheitsgründen mit dem Trinken aufgehört hatten, als Abstinente gezählt hatten. In puncto Lebensdauer hatten sie dann entsprechend schlecht und moderate Trinker:innen vergleichsweise gut abgeschnitten.
Wie Alkoholkonsum und Lebenserwartung wirklich zusammenhängen, deckte nun eine Meta-Studie der kanadischen Universität Victoria auf, die über 107 internationale Studien auswertete. Das Fazit: Wenn die Daten sauber erhoben sind, leben Menschen, die überhaupt nicht trinken, gesünder und länger. Denn auch kleine Mengen Alkohol schaden der Gesundheit.
Wie viel Alkohol ist gesund?
Die Frage, wie viel man trinken soll, muss also so beantwortet werden: Am besten gar nichts. Weil das aber nicht jeder:jedem von uns gelingt, hier ein paar Tipps, wie du die Kontrolle behältst.
Alkoholkonsum in Österreich
12 Liter reinen Alkohol (oder umgerechnet 480 Halbliter-Flaschen Bier) konsumieren Österreicher:innen durchschnittlich im Jahr, wie eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2024) zeigt. Damit belegt Österreich den sechsten Platz weltweit – noch vor der Rotweinnation Frankreich. Der globale Durchschnitt liegt bei 5,5, der europäische bei 9,2 Litern.
Finde alkoholfreie Alternativen
Nie zuvor gab es so viel Auswahl an alkoholfreiem Wein, Sekt oder Bier wie heute. Am besten schmeckt übrigens auch alkoholfreies Bier frisch gezapft vom Fass.
Nie allein Alkohol trinken
Der Tag war stressig. Die Kinder fordernd. Darum abends zum Runterkommen noch ein Glas Wein. Klingt gemütlich – birgt aber die Gefahr, zum Ritual zu werden. Gerade Alleinerzieher:innen greifen nach dem Zu-Bett-Bringen oft zur Flasche. „Wine Mom“ lautet der wenig schmeichelhafte Trendbegriff. Setz stattdessen einen Tee auf. Auch der signalisiert: Jetzt beginnt die Zeit der Ruhe.
Gruppendruck ignorieren
Auf der Weihnachtsfeier wird dir ein Glas Sekt in die Hand gedrückt? „Sei kein Spielverderber“, sagt der Freund? Wenn du dich entschlossen hast, nichts zu trinken, leg dir eine klare Ansage bereit. Lass dich nicht drängen. Wer dich respektiert, akzeptiert deine Grenzen auch ohne Diskussion.
Alkohol begünstigt diese Krebsarten
Anfang 2025 veröffentlichte der oberste Gesundheitsbeamte der US-Regierung, Vivek Murphy, eine Studie, laut der auch geringe Mengen Alkohol sieben verschiedene Krebsarten begünstigen können, darunter Brustkrebs (bei Frauen), Rachenkrebs, Mundhöhlenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Kehlkopfkrebs, Darmkrebs und Leberkrebs. Als Krebsauslöser steht Alkohol nach Tabak und Fettleibigkeit an dritter Stelle. Analog zu den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen plädierte Murphy für Warnhinweise auf Flaschen, wie sie beispielsweise Irland ab 2028 einführen will.