Fasten: So kannst du deinen Stoffwechsel im Alter ankurbeln
Du willst deinen Stoffwechsel verbessern und dein biologisches Alter senken? Ob das mit Fasten gelingt, erläutert Stoffwechselexperte Thomas Scherer.
Herr Scherer, was verstehen Sie unter Fasten?
Fasten ist, einfach ausgedrückt, eine Kalorienrestriktion. Das Prinzip ist simpel: Man nimmt über einen gewissen Zeitraum keine oder weniger Nahrung zu sich als sonst.
Was passiert mit dem Stoffwechsel beim Fasten?
Sehr viele Dinge. Wenn wir gegessen haben, verwenden wir hauptsächlich Kohlenhydrate zur Energiegewinnung. Sobald wir fasten, wird der gespeicherte Zucker aufgebraucht und wir müssen unsere Fettreserven anknabbern, um den Körper weiter mit Energie zu versorgen. Das passiert durch eine feine Regulation des Stoffwechsels und der Hormone wie z. B. Insulin.
Wie hängt das mit der viel zitierten Autophagie zusammen?
Im Fastenzustand passieren viele Veränderungen im Körper. In den Zellen wird der Stoffwechsel auf „Abbau“ umgestellt. Dadurch wird die Autophagie angeregt – ein Prozess, bei dem die Zelle eigenes Material abbaut und recycelt, zum Beispiel kaputte Zellorganellen oder falsch gefaltete Proteine. Die Mitochondrienfunktion wird angeregt, zusätzlich wirkt Fasten antientzündlich.
Hat Fasten auch Auswirkungen auf das Stoffwechselalter?
Das ist eine komplexe Frage. Man kann Fasten bei verschiedenen Modellorganismen wie Hefen, Bakterien, Würmern und Mäusen gut beobachten. Wenn man diesen Organismen über das gesamte Leben hinweg weniger Futter gibt, leben sie länger. Beim Menschen ist ein solches Experiment nicht durchführbar.
Die Studien zum Fasten am Menschen wurden vor allem bei übergewichtigen Personen und eher kleinen Gruppengrößen über eine kurze Zeitspanne durchgeführt. Nach maximal einem Jahr Studiendauer kann man nur schwer Rückschlüsse ziehen, ob sich Fasten positiv auf den Alterungsprozess auswirkt. Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren verbesserten sich aber.
Die positiven Auswirkungen des Fastens hängen also eher mit dem Gewichtsverlust zusammen?
Ja, in den Studien zum alternierenden Fasten haben die Proband:innen einen Gewichtsverlust zwischen vier und acht Prozent nach 12 Wochen geschafft. Natürlich gab es da auch Verbesserungen beim Blutzuckerspiegel, den Blutfetten oder dem Blutdruck. Aufgrund des Gewichtsverlusts kann man aber nicht sagen, ob diese Verbesserungen mit der Gewichtsabnahme oder dem Fasten an sich zusammenhängen.
Woran wird aktuell geforscht?
Genau an dieser Frage. Eine andere ist, wie man das Fasten personalisieren kann – Frauen, Männer, alt, jung. Nicht jeder spricht gleich gut auf die eine oder andere Methode an. Außerdem kann man selbst die beste Fastenmethode nicht das ganze Leben lang zu 100 Prozent durchziehen. Daher müssen wir die biologischen Prozesse besser verstehen, um daraus Medikamente zu entwickeln.
Welche Fastenmethode ist aktuell die beste?
Ich glaube, alternierendes Fasten kann man am leichtesten ins Leben integrieren. Es ist einfach, man muss nicht viel nachdenken. Beim modifizierten alternierenden Fasten kann man den 500-Kalorien-Snack am Fasttag beim Familienessen einnehmen. Wichtig ist, auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß (zumindest 50 g pro Tag) zu achten.
Die gängigsten Intervallfasten-Methoden:
Alternierendes Fasten: Du isst nur jeden zweiten Tag. Bei der modifizierten Variante darfst du an einem Fasttag einen Snack mit ca. 500 Kalorien essen.
5:2 Methode: An fünf Tagen pro Woche isst du normal, an zwei Tagen kalorienreduziert (500 bis 800 Kalorien).
Zeitbeschränktes Essen: Du isst nur während eines beschränkten Zeitfensters (z. B. 4−8 Stunden).
Wissen zum Fasten
Wer profitiert am meisten vom Fasten?
- Übergewichtige Personen ab BMI 25 und höher
- Menschen mit Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes (immer unter ärztlicher Kontrolle)
Wer sollte nicht fasten?
- Schwangere und Stillende
- Personen mit Essstörungen oder Untergewicht
- Kinder unter 12 und Menschen über 70 Jahre
- Menschen mit angeborenen Stoffwechselerkrankungen
Leichter fällt dir das Einsteigen ins Fasten, wenn du an einem strukturierten Programm oder einer Online-Community teilnimmst oder dich von geschulten Expert:innen beraten lässt. Hilfreich sind auch passende Apps fürs Handy.
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