Holzteller mit Besteck und frischem Gemüse, arrangiert in Form der Zahlen 16:8 als Symbol für Intervallfasten, vor grünem Blatt-Hintergrund mit gelbem Kreisdesign.

Fasten: So kannst du deinen Stoffwechsel im Alter ankurbeln

Du willst deinen Stoff­wechsel verbessern und dein biologisches Alter senken? Ob das mit Fasten gelingt, erläutert Stoffwechsel­experte Thomas Scherer.

Format:
Interview
Autor:
Sonja Warter
zuletzt geändert:
24.03.2026
Lesezeit:
2 Minuten

Herr Scherer, was verstehen Sie unter Fasten?

Fasten ist, einfach ausgedrückt, eine Kalorien­restriktion. Das Prinzip ist simpel: Man nimmt über einen gewissen Zeitraum keine oder weniger Nahrung zu sich als sonst. 

Was passiert mit dem Stoffwechsel beim Fasten?

Sehr viele Dinge. Wenn wir gegessen haben, verwenden wir hauptsächlich Kohlen­hydrate zur Energie­gewinnung. Sobald wir fasten, wird der gespeicherte Zucker aufge­braucht und wir müssen unsere Fett­reserven anknabbern, um den Körper weiter mit Energie zu versorgen. Das passiert durch eine feine Regulation des Stoff­wechsels und der Hormone wie z. B. Insulin.

Wie hängt das mit der viel ­zitierten Autophagie zusammen?

Im Fastenzustand passieren viele Veränder­ungen im Körper. In den Zellen wird der Stoff­wechsel auf „Abbau“ umgestellt. Dadurch wird die Auto­phagie angeregt – ein Prozess, bei dem die Zelle eigenes Material abbaut und recycelt, zum Beispiel kaputte Zell­organellen oder falsch gefaltete Proteine. Die Mito­chondrien­funktion wird angeregt, zusätzlich wirkt Fasten antientzündlich.

Ein Mann mit kurzen brauen Haaren und Dreitagebart trägt ein hellblaues Hemd. Er steht vor einem Fenster ins Grüne und lächelt.
Thomas Scherer von der MedUni Wien erforscht, wie Hormone im Gehirn und der Stoffwechsel zusammenhängen und wie sich beides auf Übergewicht und Diabetes auswirkt.
© MedUni Wien/feelimage

Hat Fasten auch Auswirkungen auf das Stoffwechselalter?

Das ist eine komplexe Frage. Man kann Fasten bei verschiedenen Modell­organismen wie Hefen, Bakterien, Würmern und Mäusen gut beobachten. Wenn man diesen Organis­men über das gesamte Leben hinweg weniger Futter gibt, leben sie länger. Beim Menschen ist ein solches Experi­ment nicht durchführbar.

Die Studien zum Fasten am Menschen wurden vor allem bei über­gewichtigen Personen und eher kleinen Gruppen­größen über eine kurze Zeit­spanne durchgeführt. Nach maximal einem Jahr Studien­dauer kann man nur schwer Rück­schlüsse ziehen, ob sich Fasten positiv auf den Alterungs­prozess auswirkt. Klassische kardio­vaskuläre Risiko­faktoren verbesserten sich aber.

Die positiven Auswirkungen des Fastens hängen also eher mit dem Gewichts­verlust zusammen?

Ja, in den Studien zum alternierenden Fasten haben die Proband:innen einen Gewichts­verlust zwischen vier und acht Prozent nach 12 Wochen geschafft. Natürlich gab es da auch Verbesser­ungen beim Blutzucker­spiegel, den Blut­fetten oder dem Blut­druck. Aufgrund des Gewichts­verlusts kann man aber nicht sagen, ob diese Verbesser­ungen mit der Gewichts­abnahme oder dem Fasten an sich zusammen­hängen. 

Woran wird aktuell geforscht?

Genau an dieser Frage. Eine andere ist, wie man das Fasten personali­sieren kann – Frauen, Männer, alt, jung. Nicht jeder spricht gleich gut auf die eine oder andere Methode an. Außer­dem kann man selbst die beste Fasten­methode nicht das ganze Leben lang zu 100 Prozent durchziehen. Daher müssen wir die biologi­schen Prozesse besser verstehen, um daraus Medika­mente zu entwickeln. 

Welche Fastenmethode ist aktuell die beste?

Ich glaube, alternierendes Fasten kann man am leichtesten ins Leben integrieren. Es ist einfach, man muss nicht viel nach­denken. Beim modifi­zierten alter­nierenden Fasten kann man den 500-Kalorien-Snack am Fast­tag beim Familien­essen ein­nehmen. Wichtig ist, auf eine aus­gewogene Ernährung mit aus­reichend Eiweiß (zumin­dest 50 g pro Tag) zu achten.

Die gängigsten Intervallfasten-Methoden:

Alternierendes Fasten: Du isst nur jeden zweiten Tag. Bei der modifi­zierten Variante darfst du an einem Fast­tag einen Snack mit ca. 500 Kalorien essen.

5:2 Methode: An fünf Tagen pro Woche isst du normal, an zwei Tagen kalorien­reduziert (500 bis 800 Kalorien).

Zeitbeschränktes Essen: Du isst nur während eines beschränkten Zeit­fensters (z. B. 4−8 Stunden).

Wissen zum Fasten

Ein grüner Apfel liegt auf einer Holztischplatte und ist von einem weiß-roten Maßband umwickelt.
© pexels/Andres Ayrton


Wer profitiert am meisten vom Fasten?

  • Übergewichtige Personen ab BMI 25 und höher
  • Menschen mit Blut­hochdruck, erhöhten Blutfett­werten, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes (immer unter ärztlicher Kontrolle)

Wer sollte nicht fasten?

  • Schwangere und Stillende
  • Personen mit Ess­störungen oder Unter­gewicht
  • Kinder unter 12 und Menschen über 70 Jahre 
  • Menschen mit angeborenen Stoff­wechsel­erkrankungen

Leichter fällt dir das Einsteigen ins Fasten, wenn du an einem strukturierten Programm oder einer Online-Community teilnimmst oder dich von geschulten Expert:innen beraten lässt. Hilfreich sind auch passende Apps fürs Handy. 

Auszeit und Balance

Für ihre Kund:innen hat die Wiener Städtische Angebote zum Thema Wellness und Ernährung.