IMPULS Top-Story: Forever young Wunsch- oder Albtraum

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IMPULS Top-Story: Forever young – Wunsch- oder Albtraum

Forever young Wunsch- oder Albtraum?

Ist 40 das neue 20 oder gar 50 das neue 30? Jugendkult und 
das kollektive Aufbäumen gegen das Älterwerden prägen unsere 
Generation. Dabei haben wir so viele Möglichkeiten wie nie zuvor, unser Leben bis ins Alter bewusst, selbstbestimmt und sinnerfüllt zu führen – abseits von irrealen Schönheitsidealen.

Viele – vor allem über 30-Jährige – kennen die Situation: Ein Klassentreffen steht an, das Wiedersehen mit den Schulkolleginnen und -kollegen ist unterhaltsam und nett. Aber nach kürzester Zeit drängt sich die Frage auf: Warum sind die nur alle so alt geworden – nur ich nicht? Ein gutes Gefühl, sich jung und dynamisch zu fühlen, dem Alter scheinbar ein Schnippchen zu schlagen. Attraktiver, jugendlicher als die Altersgenossinnen und -genossen daherzukommen. Oft weicht jedoch das Selbstbild weit von dem ab, wie uns andere sehen. Oder aber wir schaffen es wirklich, dem wahren Alter zu trotzen.

Der Trend geht dahin, mehr Wert auf das biologische Alter zu legen. Denn das vom Arzt attestierte biologische Alter ist meist um ein paar Jährchen weniger fortgeschritten als das tatsächliche Alter – zumindest, wenn man sich einigermaßen gesund hält. Das biologische Alter entspricht nicht dem Alter laut Geburtsdatum, sondern wird aus den Lebens-gewohnheiten und dem Gesundheitszustand errechnet. Leben wir bewusst gesund, treiben Sport und achten auf uns auch in seelischen Belangen, dann ist das biologische Alter sicher niedriger. Schaffen wir es, (chronische) Krankheiten von uns fernzuhalten und Risikofaktoren wie Alkohol oder Zigaretten den Rücken zu kehren, haben wir bereits aktiv zu unserer Verjüngung beigetragen. Wer in die Bedrängnis kommen sollte, sein Alter preiszugeben, nennt ab dreißig gerne das biologische Alter, weniger das tatsächliche.

Aussehen ist Jugend

Auch das „optische Alter“ wird gerne vorgezogen. Also wie jung oder alt wir aussehen und wie jung oder alt wir eingeschätzt werden. Will ich auffallen, so muss ich an meiner „Oberfläche“ arbeiten, sprich etwas für mein Äuße-res tun. Da unsere Gesellschaft auf Äußerlichkeiten besonders achtet und diese Oberflächlichkeit einen -ersten Eindruck vermittelt, spiegelt sich unsere Jugendlichkeit vor allem in unserem Aussehen wider. Wirke ich jung, gelte ich als agil, vermittle ich jugendliche Fitness, werde ich als leistungsstark beurteilt. Schwach, kränklich, alternd sind in der heutigen Zeit wenig beliebte Eigenschaften. Nicht nur, aber vor allem beruflich.

Im privaten Bereich – z. B. bei Scheidungsraten – sind Singles aber auch nicht mehr nur um die zwanzig. Der Single-Markt ist durchaus auch mit Vierzig- bis Fünfzigjährigen gefüllt. Und diese Gruppe ist bedacht darauf, vital auszusehen, um auf eine neue Partnerin oder einen neuen Partner attraktiv zu wirken. Rein statistisch gesehen, wird im Jahr 2030 jeder dritte Mensch in Österreich 60 und älter sein. Außerdem erhob die Statistik Austria, dass am 1. Jänner 2016 insgesamt 1.290 Personen 100 Jahre und älter waren.

Selbstverwirklichung


Heute sind die Anforderungen und Ansprüche an Kinder und Jugend gestiegen. Laufbahnen werden nicht unter Gymnasium und Studium geplant, parallel Berufserfahrungen sammeln und Auslandsaufenthalte sind ebenso wichtig. Hinzu kommen die komplizierteren Familiensysteme in Zeiten von Patchwork und Co. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Wandel dahingehend stattgefunden hat, länger zu Hause zu verweilen, das Leben auch zu genießen und das Übernehmen von Verantwortung noch aufzuschieben. Heiraten mit zwanzig und gleich im Anschluss Kinder bekommen ist zu einem seltenen Modell geworden. Alles rückt zeitlich nach hinten. Karriere, Wohlstand und Eigenständigkeit wollen oft bis vierzig oder noch länger in vollen Zügen ausgekostet werden. Die heutigen medizinischen Standards, unsere gestiegene Lebenserwartung und andere Innovationen helfen dabei. Eine Frau kann mit Mitte vierzig genauso erstgebärend sein, wie früher eine Mutter mit Mitte 30 bereits als spätgebärend galt.

Forever young

Dieser Slogan ist nicht nur ein weltbekannter Songtitel – für viele ist es auch ein Wunschdenken, das durchaus in Stress versetzt. Denn einem Ideal hinterherzujagen, das für niemanden erreichbar ist, erzeugt enormen Druck und lässt uns scheinbar machtlos zurück. Schönheitsindustrie und Pharmakonzerne machen uns vielfach glauben: Gib nur genug Geld aus, und schon kannst du dir dauerhafte Jugend kaufen. Dass das nicht so ist, wissen wir meist aus eigener Erfahrung. Viele von uns versuchen aber trotzdem, alles nur Erdenkliche zu tun, um dem fortschreitenden Alter entgegenzutreten. Als attraktiv gilt anscheinend nur, wer jung aussieht. Auch die körperliche Attraktivität und die Wirkung auf das andere Geschlecht lässt deutlich nach, wenn Alterszeichen nicht mehr zu übersehen sind. Für manche ein Grund für Panik und Depressionen. Dabei ist der Generationenmix so 
befruchtend und wichtig für die Entwicklung von Jung und Alt.

Trügerisches Spiegelbild

Während wir uns selbst gerne als knackig und top in Form geblieben sehen, sind wir in den Augen unserer Mitmenschen meist ganz durchschnittliche Vertreterinnen oder Vertreter unserer Altersklasse. Es kann aber auch anders sein – wenn viel Energie in ein jugendliches Aussehen investiert wird, werden andere uns auch immer jünger einschätzen. Studien belegen, dass wir ab dreißig beginnen, uns jünger zu fühlen, als wir sind, und mit steigendem Alter die Schere zwischen dem erfühlten und dem tatsächlichen Alter immer weiter auseinandergeht. Der deutsche Trendforscher Peter Wippermann stellte fest, dass vom Einzelnen aus betrachtet nur die anderen vom Älterwerden betroffen sind. An der eigenen Person geht die Zeit vermeintlich spurlos vorüber.

Will unsere Gesellschaft nicht mehr altern?

Altersweisheit und Lebenserfahrung, die man auch sehen darf, sind heute für viele keine Werte mehr, sondern unerwünschte Zeichen von Schwäche und Endlichkeit. In Würde altern ist verkommen zu einer Floskel, mit der viele nichts mehr anfangen können. Gar nicht altern, lautet die Devise. Zum alten Eisen will niemand gehören.

Dabei haben wir heute so viele Möglichkeiten wie nie zuvor, unser Leben aktiv und sinnvoll zu verbringen, und zwar um Jahrzehnte länger als die Generationen vor uns. 40 ist das neue 20, 60 das neue 40. Hinter diesen Slogans stecken wichtige Wahrheiten: Die aktuellen Erkenntnisse von Medizin und Psychologie räumen uns zahlreiche Möglichkeiten ein, auf unsere körperliche und psychische -Gesundheit positiv einzuwirken und damit länger fit und gesund zu sein. Auch mit ganz natürlichen und verträglichen Mitteln. Einfach ein bewusstes Leben, Achtsamkeit, Meditation oder Ruhepole helfen bereits dabei, sich wohlzufühlen und dem Körper durch positive Gefühle Energie und Kraft zu spenden. Sanfte Bewegung in der Natur, Entspannungsmethoden, gesunde Ernährung und Freude am Leben sind wichtige Indikatoren für unsere Gesundheit und können von jeder und jedem beachtet werden.

Auch der gesellschaftliche Fortschritt der letzten Jahrzehnte trägt dazu bei, dass wir uns – auch ohne aufgezwungene Schönheitsideale – bis ins Alter wohlfühlen und unser Leben genießen können.  Heute haben wir die Chance, 100 Jahre und älter zu werden. Daher haben wir auch viel länger Zeit, jung zu sein. Unsere Gesellschaft ermöglicht es heute Interessierten, auch mit vierzig ein Studium zu beginnen, mit fünfzig neu durchzustarten und sich neu zu definieren. Wir haben aufgrund der hohen Lebenserwartung Zeit gewonnen. Zeit, die intensiv genutzt wird.

Auch der Arbeitsmarkt stellt sich – zwar langsam, aber doch – um und sieht in älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine positive Bereicherung, deren Gelassenheit und Ruhe wird geschätzt, und die Erfahrungen dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fließen oft vorteilhaft in die Arbeit ein. Noch keine Generation zuvor hatte derart viele Möglichkeiten, das Leben sinnerfüllt und selbstbestimmt zu führen. Warum sollten wir uns ausgerechnet jetzt einem aufgezwungenen Jugendkult unterwerfen und Idealen hinterherjagen, die niemals zu erreichen sind? Selbst Barbie darf heute endlich normale Formen zeigen – da sollten wir uns schon gar nicht von falschen Idealen verbiegen lassen. Sich vor den Spiegel zu stellen und sich selbst so wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie man ist, und selbstbewusst das Leben zu genießen. Mit all seinen Facetten.