IMPULS Top-Story: Ausnahmezustand Liebe

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IMPULS Top-Story: Ausnahmezustand Liebe

Ausnahmezustand Liebe

Wenn das Herz im siebten Himmel schwebt, tut das auch unserem Körper gut: denn Liebe hält gesund – und das ist sogar wissenschaftlich bewiesen.

Bäume und Blumen sprießen. Sonne und Wärme beflügeln unsere Sinne: Paare genießen die Zweisamkeit und zeigen ihr Glück. Singles strecken wieder die Fühler nach einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner aus. Aber warum sehnen wir uns so sehr nach dem Gefühl der „Liebe“ und was macht Verliebte so irrational und überschwänglich? Was hat es mit der Heilkraft der Liebe tatsächlich auf sich?

Ist die Liebe einfach Biochemie?

Der Zustand der Verliebtheit versetzt uns in ein Hochgefühl, das in dieser Form unvergleichlich ist – ein emotionaler und körperlicher Ausnahmezustand, ausgelöst von Hormonen. Nüchtern betrachtet ist das romantisch beschriebene Gefühl der Schmetterlinge im Bauch von Verliebten also wohl eher einem Mix verschiedener Hormone zu verdanken als einem plötzlichen Pfeil des Liebesgottes Amor. Somit ist nicht mehr das „Herz“ der Ort der Liebe, sondern dank wissenschaftlicher Erkenntnisse nun das Gehirn Schauplatz romantischer Geschehnisse. Die Phase der prickelnden Aufregung und totalen Verliebtheit geht mit einem Überschuss an Dopamin einher, dem bekannten „Glücks-Hormon“. Ein permanentes Glücksgefühl ist die Folge, die/der Geliebte ist der Mittelpunkt des Daseins, alle Gedanken drehen sich nur um das frische Glück.

Nach einigen Monaten geht diese Hochphase dann in einen ruhigeren Gemütszustand über und schafft Raum für eine stabile, liebevolle Beziehung, die auch im Alltag bestehen kann. Oxytocin, als eines der starken Vertrauens- und Treue-Hormone, wirkt nun stärker und ist manchen schon als das „Bindungs-Hormon“ bekannt. Durch die vermehrte Ausschüttung von Oxytocin wird das tiefere Vertrauen in einen Menschen möglich und eine längerfristige Bindung unterstützt. Bedeutet das also nun für uns, dass nur die Hormoncocktails im -Blutkreislauf bestimmen, wen wir lieben? Rein biochemisch gesehen lautet die Antwort vielleicht ja. Aber was weiß schon die Wissenschaft! Charakter, Lebenserfahrungen und vieles mehr können Liebe beeinflussen. Und bestimmt nicht auch Kismet, das Schicksal, ein bisschen mit? Dass Liebe Arbeit ist und auf Kommunikation und Distanz aufbaut, wissen die Paartherapeutinnen und -therapeuten längst. Lieben ist ein „Tun“-Wort, es passiert nicht von alleine, wir müssen für die großen Gefühle auch einen Beitrag leisten.

Der Versuch einer Definition

Es gibt wohl viele Versuche, die Liebe zu definieren, und keine davon wird ihr ganz gerecht, erfassen die meisten doch nur Teilaspekte. Wesentlich ist zu klären, von welcher Liebe man spricht. Gibt es doch mehr Arten als nur die partnerschaftliche Liebe, wie zum Beispiel Elternliebe, Selbstliebe oder auch die Nächsten-liebe. Auch Erklärungsmodelle gibt es dazu verschiedene. Sternberg (1986) entwickelte z. B. die „Dreieckstheorie der Liebe“, die die Phänomenologie der Liebe in drei Komponenten darstellt. Zum einen Intimität, das Gefühl von Nähe und Verbundenheit, (sexuelle) Leidenschaft, die berauschend sein kann, und Bindung, damit ist das Verantwortungsgefühl gegenüber der/dem Geliebten gemeint. Diese Komponenten agieren bei Liebenden miteinander.

Fragen wir den verstorbenen Udo Jürgens, singt er folgende Zeilen: „Was Liebe ist, wer weiß das schon? Wer könnte sie je erklär’n? … Doch wenn du hier bist –ganz nah bei mir bist, ist das Geheimnis so klar. Dann muss man Liebe nicht mehr erklären – dann ist sie ganz einfach da.“ Und so ist es wohl bei der wahren Liebe, keine Erklärungen werden dem gerecht, was verspürt wird, wenn man verliebt ist.

Küssen empfohlen

Das für viele schönste Gefühl der Welt ist nicht nur für Herz und Seele eine Wohltat. Es hat auch auf die körperliche Gesundheit positive Auswirkungen – und das ist wissenschaftlich nachgewiesen. So haben etwa Küsse nachweislich eine positive Wirkung: Der Kreislauf wird angeregt, der Herzschlag beschleunigt und die Lungenfunktion gekräftigt. Zusätzlich macht Küssen schön, denn es beugt aufgrund der Gesichtsmuskelgymnastik Falten vor!

Auch Händchenhalten und Umarmungen wirken sich äußerst positiv aus: Durch den engen Körperkontakt werden Oxytocin und andere Glückshormone ausgeschüttet, dadurch wird das Stresshormon Cortisol gehemmt. Die blutdrucksenkende Wirkung des Kuschelns haben Studien längst belegt. Der Hautkontakt beim Händchenhalten vermittelt dem Gehirn die Botschaft „locker lassen“ und wirkt somit entspannend. Außerdem bauen Berührungen Ängste ab und lassen uns keine Einsamkeit fühlen.

Verheiratete leben länger

So ist es auch kein Wunder, dass Menschen, die in einer glücklichen Beziehung leben, zufriedener und gesünder sind. Vor allem Männer profitieren von fixen Beziehungen bzw. von der Ehe: Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass verheiratete Männer im Schnitt um neun Jahre, Ehefrauen bis zu sieben Jahre länger leben als unverheiratete Menschen. Eine Erklärung dafür ist unter anderem, dass verheiratete Paare gesünder leben, sich beispielsweise bewusster ernähren. Vergleichen Sie einfach mal die Einkaufskörbe von (älteren) Singles mit denen verheirateter Paare. Eine weitere Erklärung ist, dass rascher reagiert wird, wenn etwas Schlimmes passieren sollte. Wer eine Partnerin oder einen Partner an der Seite hat, hat auch immer einen Menschen bei sich, der sich um das Wohl des jeweils anderen sorgt. Umgekehrt kann Liebeskummer sehr belastend werden, das gebrochene Herz führt zu körperlichen oder psychischen Effekten, die unterschiedlich lang andauern können. Unser Körper reagiert mit Symptomen wie Appetitlosigkeit oder gesteigertem Appetit (vor allem auf Süßes), Infektanfälligkeit, in manchen Fällen können auch Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Unruhe oder Schlaflosigkeit auftreten. Psychisches Liebesleid bedeutet, dass beispielsweise Nieder-geschlagenheit bis hin zu Depressionen möglich ist, genauso wie Interessensverlust, soziale Isolation oder Probleme im Alltag. Zum Glück hilft meist die Zeit oder der Mut, sich auf etwas „Neues“ einzulassen.

Wenn die Schmetterlinge gehen

Irgendwann ist auch in der glücklichsten Beziehung die erste Leidenschaft abgeflaut – die Hormonausschüttung sinkt und der Alltag kehrt in die Partnerschaft ein, mit Höhen und manchmal auch Tiefen. Die Wissenschaft sagt, dass die erste Verliebtheitsphase im Schnitt zwischen drei und achtzehn Monate dauert. Danach legen die meisten die rosa Brille ab und man lernt den Partner, die Partnerin wirklich kennen, ganz ohne Wolke sieben. Hier enden leider auch viele Beziehungen, weil die Schmetterlinge verflogen sind und Zweifel auftreten, ob die Partnerschaft ohne Hochgefühl es wert sei, daran zu arbeiten. Laut Paartherapeut Roland Weber, der die Liebe in vier Phasen unterteilt, sind diese zweite Beziehungsphase und auch die dritte die Hürden zu einer wahren und -tiefen Liebe. Die Partnerin, den Partner so zu sehen, wie sie oder er ist, die Macken anzuerkennen, die Fehler im anderen Menschen zu sehen und trotzdem zu bleiben – das ist die wahre Kunst. Am Ende haben die Paare auch die Machtkämpfe aus Phase drei bestritten und gehen mit Akzeptanz füreinander in Phase vier. In diesem Abschnitt definiert sich das Ich-Du-Wir neu, Zeit wird für die eigene Persönlichkeitsentwicklung genutzt und fließt am Ende wieder positiv in die Beziehung. Hat das Paar alle vier Phasen durchlaufen, finden beide in Phase fünf ein „Zuhause“ in der/dem jeweils anderen. Sie erleben zusammen eine tiefe und vertraute Beziehungsphase, in der sie sich gemeinsame neue Ziele suchen und aufgrund der gemeinsam durchlebten Höhen und Tiefen zusammengeschweißt nach außen auftreten.

Fazit also: Die von vielen gefürchtete Gewohnheit, die sich in das Paarleben einschleicht, hat auch ihre Vorteile. Das gewachsene Vertrauen zur Partnerin bzw. zum Partner, das Gefühl, „angekommen zu sein“, sich geborgen und verstanden zu fühlen, die Herausforderungen des Lebens gemeinsam anzunehmen: All das gibt Halt und Stabilität im Leben und führt zu mehr Zufriedenheit. Eine Partnerschaft auf dieser Basis kann bis ins Alter halten und das Leben ungemein bereichern – das gilt für alle Arten von Beziehungen, ob hetero- oder homosexuell, ob in jungen oder älteren Jahren.