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Schmerzfrei laufen

Durch Verschleißerscheinungen, Arthrose, Übergewicht oder Verletzungen haben immer mehr Menschen Probleme mit Ihrem Knie. Ein künstliches Gelenk ist da oft die letzte Chance für ein aktives Leben.   

Das Kniegelenk ist das komplizierteste Gelenk des Körpers. Es ermöglicht die Bewegung um zwei Achsen: die Beugung und Streckung sowie eine leichtgradige Drehung im gebeugten Zustand. Täglich muss das Kniegelenk enorme Belastungen aushalten. Schon beim normalen Gehen steigt die Druckbelastung um ein Vielfaches des Körpergewichts an. Folge: ein kontinuierlicher Verschleiß. Kommen dann noch Fehlstellungen, Übergewicht oder Sportverletzungen hinzu, ist die Grenze der Belastbarkeit erreicht. „Hauptursache für die Implantation eines künstlichen Kniegelenks ist die Arthrose, bei der es sich um eine überwiegend altersbedingte Abnützung des Gelenkknorpels handelt. Wenn dieser Knorpel in der Belastungszone zerstört ist und somit Knochen an Knochen reibt, bleibt als einzige Behandlungsalternative nur mehr die Implantation eines künstlichen Kniegelenks. Mögliche andere Ursachen für die Zerstörung des Gelenkknorpels sind der Morbus Ahlbäck sowie entzündliche oder posttraumatische Gelenkdestruktionen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Karl Knahr, Vorstand der II. Orthopädischen Abteilung im Spital Wien Speising. Allein in Österreich werden jährlich zirka 14.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt. Auch jüngere und sportlich sehr aktive Menschen sind betroffen. Bei Sportarten wie Fußball oder Skifahren kann es leicht zu Verletzungen im Kniegelenkbereich (Meniskus-, Kreuzband-, Seitenbandverletzung) und einer Schädigung des Gelenkknorpels kommen. Das kann so weit gehen, dass man mit 40 Jahren bereits ein künstliches Gelenk braucht, um wieder aktiv am Leben teilhaben zu können. „Wenn alle konservativen Maßnahmen (medikamentöse Therapie, physikalische Therapie) sowie gelenkerhaltende Operationen nicht mehr den gewünschten Erfolg bringen, hilft eine Endoprothese“, meint Dr. Knahr.

Der Operationsverlauf

Bei der Operation werden die gelenkbildenden Knorpelanteile entfernt und durch ein metallisches Implantat ersetzt. Die Verankerung der Implantate erfolgt entweder durch Knochenzement oder durch spezielle Oberflächenstrukturierungen, die in direktem Kontakt mit dem Knochen eine stabile Dauerverankerung erreichen sollen. Dazwischen ist ein Kunststoffgleitlager eingebracht, über das die Bewegung im Gelenk erfolgt. Der operative Eingriff dauert im Wesentlichen nicht viel länger als eine Stunde, allerdings ist mit Narkose, entsprechender Lagerung und postoperativem Management etwa mit einer Dauer von zwei Stunden zu rechnen. „An unserer Abteilung wird am ersten postoperativen Tag der Drain entfernt, und die Patienten dürfen mit Querbettsitzen, Aufstehen und Bewegungsübungen beginnen. Sie verwenden zunächst zwei Unterarmstützkrücken und dürfen von Beginn an das operierte Bein voll belasten. Durch intensive heilgymnastische Behandlung und durch Zuhilfenahme einer Bewegungsschiene, mit der das Kniegelenk - elektrisch gesteuert - bewegt wird, wird versucht, möglichst rasch eine gute Beweglichkeit zu erreichen. Die Dauer der Verwendung der Unterarmstützkrücken hängt im Wesentlichen vom Patienten selbst ab. Auch die Dauer des Aufenthalts richtet sich nach dem Fortschritt der postoperativen Mobilisierung, wobei der Krankenhausaufenthalt in der Regel derzeit zehn bis zwölf Tage in Anspruch nimmt“, erklärt Prof. Knahr. Ziel der Operation ist natürlich die weitgehende Wiederherstellung der Beweglichkeit im operierten Kniegelenk, wobei hier eine Beweglichkeit von mindestens 100 bis 110 Grad erreicht werden sollte.


Sporteln nach der OP

Alle harmonischen Bewegungen wirken sich positiv auf das Gelenk aus, dazu gehören vor allem das normale Gehen, Radfahren und die Bewegung im Wasser. Eher zu vermeiden sind ruckartige Drehbewegungen mit abrupten Stopps sowie das Tragen von schweren Lasten. Jene Sportarten, die man vor der Operation noch gut betreiben konnte, sind auch danach meist kein Problem. So ist gegen Skifahren und Langlaufen ebenso wenig etwas einzuwenden wie gegen das Tennisspielen, allerdings sollte man beim Wintersport auf das Fahren auf Buckelpisten verzichten, und beim Tennis sollte ein Sandplatz gewählt werden, um eben die angesprochenen ruckartigen Bewegungen und Stöße möglichst zu vermeiden.


Die Zukunft künstlicher Implantate

Die Entwicklung der Implantate in den letzten Jahren ist vor allem dahingehend ausgerichtet, die Funktionalität möglichst zu optimieren und die Implantate optimal an den Patienten anzupassen. „Zum einen wurde das Design modifiziert, um eine möglichst große Beweglichkeit, das heißt eine große Beugung im Kniegelenk zu erlauben. Zum anderen geht der Trend dahin, geschlechtsspezifische Implantate anzubieten, die auf unterschiedliche anatomische Formen beim Mann und bei der Frau Rücksicht nehmen. Eine weitere Zielrichtung der Entwicklung ist die Verbesserung der Instrumente zum Einbringen der Prothesen, vor allem im Hinblick auf die minimal invasiven Operationsmethoden, bei denen die Prothese durch einen kleineren Hautschnitt eingesetzt wird, um die Muskulatur zu schonen.“


Künstliches Kniegelenk

Die überwiegende Zahl der Knieprothesen besteht aus einer Chrom-Kobalt-Legierung, wobei je nach Hersteller geringfügige Modifikationen der Zusammensetzung der metallischen Komponenten angeboten werden. Die Gleitfläche besteht aus hochpolymerisiertem Kunststoff, der entweder fix am Unterschenkelteil verankert ist oder in einer beweglichen Variante angeboten wird. Das Ziel aller technischen Modifikationen der letzten Jahre war es, den Verschleiß zwischen Metall und Kunststoff möglichst gering zu halten. Die Haltbarkeit beträgt heute ca. 15 bis 20 Jahre.

Text: Astrid Weigelt


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